Archiv für den Monat: März 2008

>windige Marathonvorbereitung

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Heute stand der letzte lange Lauf vor dem Leipzig Marathon auf dem Programm. Ein langer Lauf ist für mich inzwischen ein langer Lauf, wenn die absolvierte Strecke mehr als 30 km beträgt.
Da Dirk und Ronald morgen in Dresden starten, wo Dirk schon mal antesten wird wie er mich nächste Woche beim Muldentaler Städtelauf abfettet, und Ronald sich eine neue Halbmarathon PB holen wird, war heute mal wieder die Einsamkeit des Langstreckenläufers angesagt.
Ich hatte mich- ehrlich gesagt- gefreut mal wieder ein Steppenwolf zu sein, hatte den Ipod neu bestückt und die Temperaturen passten auch.
So ging es locker, flockig los und ich beschloss gleich mal partiell neue Wege zu rennen.
Es lief leicht, ich war beschwingt, Engelsdorf, Althen, Borsdorf, eine Runde um den Autobahnsee, Brandis, eine Runde um den Naunhofer See und zurück nach Hause.
Am Naunhofer See kam mir mein Dentist entgegen. Man war ich froh, dass ich früh brav Zähne geputzt hatte. Noch froher wurde mir bei dem Gedanken, dass ich keinen Urologen habe, der mir beim Training begegnen könnte.
Kurz danach war ja dann der Scheitelpunkt der Runde erreicht und mir wurde schlagartig klar, dass ich die meiste Zeit Rückenwind hatte, der nun mehr Gegenwind geworden war.
Gegen den Wind ist immer schwer, aber schwerer wird’s, wenn man die ganze Zeit Rückenwind hatte und dann plötzlich gegen den Wind kämpfen muss (die Jüngeren können sich das mal bitte notieren!).
Auch wenn es Scheiße ist, fürs Training ist es förderlich. Erstmal schön die Kohlenhydrate ohne große Anstrengung verpulvern und wenn es dann an die Reserven geht schön gegen den Wind kämpfen. Training darf keinen Spaß machen (auch das sollten sich die Jüngeren bitte notieren)!
Grundlagen können jetzt für Leipzig nicht mehr gelegt werden. Nächste Woche wird noch ein bisschen Tempohärte trainiert. Ich werde (zusätzlich zu den internationalen Medien) berichten.
gelaufen: 34 km (zu mehr fehlte dann die Lust)

>Wanderschmerzen

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Die Ontologen versuchen die Welt zu kategorisieren. Ursprünglich sind sie Metaphysiker und damit die Pendants zu den Dialektikern, den Königen der Denker.
Im Moment- und auch wir arbeiten daran- wird versucht die Dokumentensuche durch ontologische Hilfe zu verbessern. Alle linguistischen Ansätze müssen dabei letzten Endes scheitern, weil z.B. Wanderschmerzen wandernde Schmerzen, Schmerzen beim Wandern, Schmerzen durchs Wandern, Schmerzen nach dem Wandern oder gar wandernde Schmerzen nach dem Wandern durchs Wandern sein können.
Gestern waren wir Wandern. Na ja, wandern ist nicht so ganz genau das richtige Wort. Wandern ist als Bezeichnung zu harmlos, klettern aber wieder zu extrem. Man könnte trecken sagen. Da weiß ich nicht so genau was das genau sein soll und dadurch trifft es ja wahrscheinlich.
Also, wir haben eine Tour in der sächsischen Schweiz gemacht. Ronald hatte uns die Tour über Wilde Hölle und Heilige Stiege empfohlen, womit wir dann auch wieder dialektisch unterwegs waren und gewissermaßen eine Verbindung zwischen Hölle und Heiligkeit zu Fuß- also irgendwie pilgernd- hergestellt haben. wobei, um da konsequent zu sein hätten wir den umgekehrten Weg wählen und über die Heilige stiege in die Wilde Hölle hinabsteigen sollen. Dann wären wir gewissermaßen Lucifers Wegen vom Lichtbringer zum Teufel gefolgt.
Für uns war dieser Weg aber der bessere, denn die Wilde Hölle hinaufsteigen war gestern (schneebedeckte Stiege) wesentlich einfacher als hinabzusteigen. Wobei es ja prinzipiell einfacher sein soll vom Himmel in die Hölle zu kommen als umgekehrt.
Jedenfalls war das eine wunderschöne Wanderung, mit allem Drum und Dran. Das Wetter war gut, An- und Abfahrt erträglich, das Essen in Ordnung und die Anstrengung gerade noch so im erträglichen Rahmen.
Allerdings hatte ich hinterher einen derartigen Muskelkater in den Oberschenkeln, dass ich keine kraft mehr zum Laufen hatte. Wanderschmerzen sind eben ganz anders als Laufschmerzen. Doch heute war wieder alles ok und ich konnte einen Osterwinterlauf machen.
So Ihr Ontologen, jetzt könnt Ihr diesen Text kategorisieren!

gelaufen: 19 km

>Frühlingserwachen

>Pünktlich zum Frühjahrslauf der BSV AOK zog der Frühling ein. Sonnenschein, noch nicht so richtig warm, aber auch überhaupt nicht mehr kalt. Ein Start um 14:00 Uhr stellt zwar einige Anforderungen an die vorwettkampfliche Ernährung und Medikamentierung, aber wenn man sich gezielt vorbereitet und die Blutwäsche z.B. täglich eine Stunde nach hinten verlagert ist das lösbar.

Als wir eine Stunde vor Start, Willi musste ja seinen Pflichten als LG Manager nachgehen, war es schon so richtig voll und ich fragte mich spontan: „Ja ist denn heut schon Ostern?“. Ein buntes Gewimmel von Laufwilligen…
Vor dem Start hat alles gut geklappt, einlaufen, Startnummern holen und eine Stelle am Trikot für den Sport ident Chip finden. Im Startbereich das übliche Begrüßungsritual mit Formabfrage und Tiefstapelei und dann ging’s auch schon los.
Beim Frühjahrslauf geht’s eng mit 2 Pollern bestückten Kurven los. Das wusste ich und auch, dass die Poller so ungefähr im Gemächthöhe enden. Grund genug sich auf den ersten 50 Metern etwas zurück zu halten. Allerdings war dann dadurch eine Gruppe mit André (rekonvaleszent nach Erkältung) Roman, Gregor und einigen anderen, die ganz gut für die ersten Kilometer gewesen wäre, weg. Irgendwann sind wir ja alle allein, aber schon auf dem ersten Kilometer, das ist nicht schön, vor allem wenn dann auf dem 2. Kilometer das Gegenwindstück ist. Aber was solls. Nach dem Gegenwind überholte mich dann ein Läufer mit Trinkgürtel, der so aussah als könnte er in der M45 sein. 
Menno!!!
Aber zum Glück hatte der Jens-Olaf im Schlepptau, der die Gruppenführung übernahm, mit dem ich mitging und der Andere nicht mehr.
So näherten wir uns nun zu zweit der Gruppe vor uns, allerdings er schneller, ich langsamer. Als Jens-Olaf die Gruppe erreicht hatte sprengte er sie auch gleich und nahm André, Thomas Tittel und noch einen, den ich nicht kenne, mit. Ca. 1 km später war ich auch bei der Gruppe. Gregor fragte, ob ich wieder pullern gewesen wäre, und ich sagte, dass ich noch ein Telefonat erledigen musste. Roman schien mir ziemlich erregt zu sein, oder warum stöhnte er so?!
Aber allzu lange hielt ich mich nicht in der Gruppe auf, ging vorbei, hörte hinter mir noch kurze Zeit Schritte und dann war ich wieder allein. Irgendwann sind wir ja alle…, aber das hatten wir ja schon.
Irgendwann hatte ich dann auch André, der mit dem Fremden gemeinsame Sache zu machen schien, ein und schiss ihn zusammen, weil er wieder mal Schiss machen wollte. Irgendwie scheint er das zu brauchen, denn dann lief’s bei ihm wieder besser. Vielleicht sollten wir bei wichtigen Wettkämpfen Andréanschreier an der Strecke positionieren.
Ich war mit ja sicher, dass ich Thomas noch kriege, aber zwischen Kilometer 8 und 9 habe ich mir irgendwie das Knie verdreht und verfiel durch den Schmerz ins Humpeln. Als es dann wieder ging, ging’s auch bei Thomas wieder und auf dem 10. Kilometer hat er noch mal zu, oder ich abgelegt.
Im Ziel gab’s dann sofort einen Bon mit Zeit und Platzierung.
Platz 11 Gesamt, 1. AK 36:15, Schnitt 3:37.
Das nenne ich Service!!!
Wenn ich jetzt unverletzt bleibe wir der Leipzig Marathon wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht. Noch 5 Wochen Zeit und ein Ausgangspunkt, der nicht so schlecht ist.
gelaufen: 10 km

>Prostatütata

>Heute war der Messepokallauf und ich wollte schneller laufen als in Eilenburg.

Vor dem Start heute hat mir Andi- der in Eilenburg moderiert hatte- noch mitgeteilt, dass Eilenburg 185 Meter zu lang war. Dann war ich ja  zumindest von der Zeit her ja gar nicht so schlecht.
Beim Messepokallauf wird weder eine Messe zelebriert, noch gibt es einen Pokal. Wobei das ja nicht schlecht wäre, wenn es ein Abendmahl gäbe und der erste könnte den Pokal mit dem Messwein, der ja das Blut Christi symbolisieren soll, behalten. Aus religiöser Rücksicht spare ich mir die jetzt nahe liegenden platten Sprachspielereien.
Aber auch ein Zusammenhang mit der Leipziger Messe ist nicht (mehr) zu erkennen. Es gibt eben einfach Namen die sich verselbstständigen und dann unabhängig von ihrer Bedeutung stehen bleiben. Aber immerhin, ein Lauf ist es noch.
Ich bin ja immer noch in der Restitutionsphase. Das schlechte daran ist, dass ich noch nicht viel von mir erwarten kann. Das gute daran ist, dass ich noch nicht viel von mir erwarten muss.
Die nachstartliche Einordnung war mal wieder sehr eigenartig. Die da vorne wollten einfach nicht ernst machen, so dass fast bis zum 1. Kilometer eine riesige Traube zusammenblieb, an der ich auch mit dran hing.
Ein Pferd am Rand kam mit der Schar Läufer überhaupt nicht zurecht und scheute. Wie ich hinterher erfuhr wurde Detlef Beier getroffen. Nun muss man als Läufer also nicht nur auf Hunde, nein auch auf Pferde aufpassen.
Jens war es dann, der das Tempo vorne anzog. War ja auch klar, er wollte (und ist es dann auch) einen exakten 3:25er Schnitt laufen. Als es dann vorne richtig los ging wurde es schneller als 3:25 und folgerichtig ließ sich Jens zurück fallen. Da ist er eben konsequent. Wenn 3:25 im Plan stehen, darf es kein 3:24er Schnitt werden. Soll doch gewinnen wem gewinnen wichtig ist!
Zurück zu mir. Ich lief in einer Gruppe in der ich mich relativ wohl fühlte, das Tempo passte, nur irgendwie hatte ich da einen Harndruck. Gut, Harndruck habe ich mehrmals täglich und inzwischen auch nachts. Manchmal kann man dem gleich nachgeben und manchmal muss man es sich verkneifen. um so schöner wird’s dann, wenn man los lassen kann. Nach 3 Kilometern dachte ich mir so, Du wirst das wohl ja noch aushalten. ist ja nichtmal mehr ne halbe Stunde! Aber wenn man einmal so weit ist und sich darauf konzentriert ist es zu spät (zumindest bei mir). Es muss raus was raus muss und am Auensee suchte ich mir dann einen Baum.

Wie man an dem Knick in der Strecke sehr schön sieht war ich
 tatsächlich so anständig nicht die Strecke noch nasser zu machen als sie ohnehin schon war.
Doch gelohnt hat sich das nicht. Denn was da raus wollte war nicht der Rede wert.
Zumindest weiß ich jetzt was der eigentliche Grund dafür ist, dass die älteren Altersklassen kürzere Strecken laufen.
Gut nun konnte es also weiter gehen, die Auswertung zeigt, dass der Akt 21 Sekunden gedauert hat, ein Quickie gewissermaßen. Das Druckgefühl war nicht wirklich weg (wie auch nach den paar Tropfen), aber ich wusste jetzt, dass nichts nennenswertes in die Hose gehen konnte.
Ich reihte mich dann ein und die ehemalige Verfolgergruppe wurde dann meine Gruppe. Gregor war mit drin, alles klar, dachte ich. Aber nur Ronny konnte schließlich das Tempo mitgehen und dann erhöhen. ich beschloss, dass 3:40 so ein Kilometerschnitt sind, die ich in diesem Lauf laufen will und machte dann ab diesen Zeitpunkt den Jens. So im Nachhinein war das gar nicht schlecht. Ich konnte entspannt laufen, musste nicht versuchen Ronny abzuservieren, oder gar noch mehr Plätze gut zu machen. Mal so zu laufen ist ok für mich, aber zur Regel soll’s nicht werden.
Im Ziel war ich dann mit 37:14, 3:40er Schnitt auf der Uhr, Strecke 10,13 (der Knick und so), die Altersklasse gewonnen. Da darf man nicht meckern.
Und ab nächste Woche geht dann das richtige Training los.
gelaufen: 10 km

>Lehmburg- Muldestadt mit grünem Herzen

>Ich weiß nicht warum der Mazdalauf in Eilenburg (heute in der 12. Auflage) so eine Zulauf hat.

Warum ich teilgenommen habe weiß ich:
Es wird nun so langsam Zeit am Tempo zu arbeiten. Das Langsamlaufen habe ich ausreichend trainiert. Und bei mir bieten sich da Wettkämpfe an, weil ich im Training nicht annähernd an die Zeiten komme die ich im Wettkampf laufen kann.
Es war im Vorfeld klar, dass die Platzierung an den Rand einer Demütigung kommen und die Zeit das nicht- auch nur ansatzweise- kompensieren würde.
Doch der Reihe nach!
Jens und Michaela holten mich pünktlichst ab und nach nur einer Viertelstunde hatte Dirk den Treffpunkt auch gefunden und wir konnten uns auf die Straße nach Norden machen. André war mit Thomas gefahren und erwartete uns. Die Startnummernausgabe verlief völlig problem- und reibungslos und so hatten wir dann doch noch ausreichend Zeit uns einzulaufen.
Orkantief Emma war noch nicht ganz abgeklungen und wir konnten das Stück (ca. 600 Meter) identifizieren, auf dem man auf alle Fälle nicht im Wind laufen sollten.
Beim Start ordnete ich mich in der 5. oder 6. Reihe ein. Roman wollte mich überreden mit nach vorne zu kommen, aber da fühlte ich mich zur Zeit und bei diesem Lauf nicht hingehörig.
Also war ich die ersten 400 Meter gut damit beschäftigt Slalom zu laufen und mich einzuordnen. Als dann das Gegenwindstück kam hatte ich ca. 50 Meter vor mir eine Gruppe und hinter mir keinen der das Tempo weiter mitlaufen konnte. Die Gruppe hatte ich dann eingeholt als der Gegenwind vorbei war. und konnte Platz um Platz gut machen, hatte schließlich Roman im Schlepptau. Kurze Absprache, dass das Tempo eventuell ein bisschen zu hoch sei. Das fanden offensichtlich auch einige andere, die sich nun alle hinter mir rein hingen. Ich weiß wirklich nicht, warum ich meistens an der Spitze einer Gruppe laufe. Wahrscheinlich ist das leadership by nature, das mangelnde Vermögen sich unterzuordnen, auch wenn’s besser wäre.
Jedenfalls lief ich dann so vor mich hin, hörte hinter mir Roman tippeln und lief- folgerichtig!- immer mit breiter Brust gegen den Wind. 
Zwischendurch hörte ich dann so ein bisschen in mich rein. Die Schmerzen waren erträglich, das haben Medikamente möglich gemacht. Die Beine liefen relativ gut, die Nike Marathoner sind ein Superwettkampfschuh. Das Atmen fiel schon leichter, ich bekam aber einigermaßen gut Luft, wenn nicht gerade Gegenwind war. Aber die Lust war nicht so richtig da, der Kampfeswille war im Keller und ich musste mich zusammenreißen nicht einfach auszusteigen.
Aber irgendwie ging es dann doch weiter und mit 37:26 kam ich dann ins Ziel.
Gut, dass war 1 Sekunde über meinem Minimalziel = Maximalzeit, aber bei den Bedingungen kann man das sicherlich akzeptieren.
Platz 34 Gesamt und 5 in der M45 sind nicht der Rede wert, aber insgesamt weiß ich jetzt wo ich stehe und wo ich stehen will weiß ich ja ohnehin.
gelaufen: 10 km