Archiv für den Monat: Juni 2008

>Jens macht den Täve

>Der Sonnenwendlauf findet eigentlich auf einer schönen Strecke statt. Gut, ein paar spitze Kurven sind dabei, aber insgesamt läuft man schon schön durch den Wald auf meist festem Untergrund. Es sind drei Runden zu absolvieren, dabei geht es jedesmal durch’s Stadion, also haben auch die Zuschauer was davon, ohne sich bewegen zu müssen.

Wenn da nur nicht dieser Scherbelberg wäre, der bei 3 Runden eben dreimal hoch und wieder runter gelaufen werden muss.
Ich wollte diesmal das Rennen nicht so schnell wie am Glockenturm angehen und fasste einen 3:40er Schnitt (im Flachen) ins Auge. André und Ronny waren am Start, also konnte man wieder eine Gruppe bilden. Nach dem Schuss waren gleich- wie zu erwarten- Detlef und Steven vorn, allerdings- wie nicht erwartet- ohne Jens. Der lief neben André und ich dachte mir „Was soll’s?!“ und schloss auf. Zwischen den beiden an der Spitze und uns waren noch ein paar Läufer und unsere Gruppe war auch relativ groß. irgendwas stimmte da nicht. Aber der Kilometerschnitt passte, Ronny und Jörg waren mit dabei, zu langsam konnte ich keinesfalls sein. Nach ca. 4 Kilometern stimmte die kleine Leipziger Läuferwelt dann weitgehend wieder. Vorne Detlef und Steven, dann André, Ronny, Jörg, ich und Jens(?). Hatte er diesmal wirklich so überhaupt keine Lust, will er tatsächlich morgen noch in Störmthal starten, oder läuft er wieder mal ein Rennen bei dem er erst auf den letzten 5 Kilometer anzieht und macht er sich darüber genauso viele Gedanken wie ich? Fragen über Fragen, aber es war nicht der rechte Moment das zu erörtern.
Am Berg versuchte keiner Druck zu machen, was sehr, sehr angenehem war. So bog unsere 5er Gruppe das erste Mal ins Stadion ein. Zum Erschrecken wurde als Getränk warmer Tee ausgeschenkt, so wurde aus der heiß ersehnten Abkühlung nichts. Und weiter ging es, stabiles Tempo, stabile Gruppenzusammensetzung, Jens und André vorn. Jörg hatte zwischendurch ein bisschen abreißen lassen, konnte sich aber wieder ran kämpfen.
Nach ungefähr 7 Kilometern habe ich dann André gesagt, dass er mal aus dem Wind raus soll und habe mich neben Jens gesetzt (was heißt, dass ich dann Schulter an Schulter mit ihm gelaufen bin und nicht, dass wir uns hingesetzt haben). 
Dann wieder der Berg, wieder kein Druck, das Stadion und diesmal gab es kühles Wasser, welch eine Wohltat.
Wieder eingereiht mussten wir feststellen, dass André abreißen lassen hat. Er kann eben einfach nur von vorne laufen.
Nun hatten wir folgende taktische Konstellation:
1. Platz – Detlef Beier LCA
2. Platz – Steven Michel LG eXa
7. Platz – André Stöß LG eXa
und um den dritten, vierten, fünften und sechsten Platz kämpften:
– Ronny Griesmann TSG Markkleeberg
– Jörg Hoyer SG Olympia
– Jens Gersonde LG eXa
– Carsten Paul LG eXa
Ganz klarer Favorit war Jens.
Als ich bei Kilometer 11 mal kurz Druck machte sagte Jens: „Das ist noch zu früh!“ Ich fragte, ob er nicht noch nach vorne laufen wolle, was er vehement verneinte.
Mein nächster Antritt erfolgte dann zwischen Kilometer 12 und 13, Jens ließ mich ziehen und blockte damit die anderen beiden ab. ich war mir ganz sicher, dass Jens die Gruppe nicht an mich ran ziehen und kein Tempo machen würde.
Es war wie damals 1960 bei der Rad WM mit Eckstein und Schur.
Der Berg tat diesmal richtig weh, ich keuchte als hätte man mich spontan von der eisernen Lunge abgeklemmt, hatte aber (der Vorteil vom Berg ist, dass man sich da wieder entgegenkommt) einen Vorsprung der reichen könnte.
So war es dann auch. Ich lief als dritter, Jens als vierter ein .
Wahrscheinlich werde ich ihn jetzt Täve nennen müssen.

>Phönix-Training

>Heute war der 2. Glockenturmlauf des Jahres 2008. Die 12 km lange Strecke sieht wesentlich einfacher aus als sie ist. Und Wind, eigentlich bläst da immer irgendwie ein Wind. Also, ideale Voraussetzungen für einen ordentlichen Tempolauf mit Trainingscharakter. Da nur der 1. Glockenturmlauf eines Jahres für die Stadtrangliste gewertet wird, hatte der Lauf einen sehr familiären Charakter.

Kurz nach dem Start habe ich mich dann an Detlef Beier und Jörg Giebel rangehängt. Jens hatte mir das mal vor längerer Zeit (als er noch wesentlich langsamer war) gemacht und  das als geil eingestuft. Also, warum nicht?! So war ich vorne mit bei den beiden und das blieb bis ungefähr Kilometer 2, 5 so. War gar nicht so schnell (3:22, 3:26), aber hatte ich schon erwähnt, dass die Strecke nicht einfach ist, und der Wind…
So war ich nach 2,5 km schön grau, oder blau, oder graublau, wie immer man will.
Aber da waren es ja nur noch lächerliche 9,5 Kilometer und irgendwie habe ich die schließlich ja auch geschafft. Gut, erst hat mich Karsten, dann André, dann Marc überholt. Aber es ging ja nicht um die Platzierung, sondern um den Trainingseffekt. VO2max, Laktatwiderstand, Ausdauerfähigkeit, Durchhaltevermögen und noch viele andere Sachen wurden- durch die schnellen ersten 2,5 km- in hervorragender Art und Weise trainiert und jetzt kann der Kompensationseffekt kommen und ich steige wie Phönix aus dem aschgrauen Läufer.

>Doppelquäler

>Irgendwann bietet es sich an zweimal am Tag zu laufen, wenn man Kilometer akkumulieren will. In „normalen“ Trainingswochen sollen nun alle Wochentage die mit D anfangen dazu dienen.

Früh wird in die Firma gelaufen (14 km) und abends geht’s dann mit kleiner Extrarunde zurück (21 km). Klingt nicht schlimm, war es diese Woche aber.
Der Morgenlauf (mit Ronald) ist locker, erfrischend. Der Abendlauf zunächst auch, aber spätestens nach 10 Kilometern wird es zerrig. Natürlich geht es am Abend das bergauf, was man am morgen bergab gelaufen ist. Nun sind ja 50 Höhenmeter eigentlich nicht der Rede wert. Aber eigentlich kann man jede Aussage die ein eigentlich enthält ignorieren. Und natürlich hat man am Abend Gegenwind, viel mehr Hitze und überhaupt.
Die Intervalle am Mittwoch bin ich geschlichen und am Donnerstag stand ja dann wieder der Doppelpack an.
Schwere Beine, die ganze Woche.
Das ist ja dann wohl richtiges Marathontraining. Oder geht das schon in Richtung Ultra?
Egal, wenn’s schnell macht!?

>Distant Dreamer

>Although you think I cope..

my head is filled with hope
I’m a dreamer,
a distant dreamer
dreaming for hope,  from today…
intonierte mir heute Duffy bei Kilometer 15 ins Ohr. Und plötzlich ging es wieder, die Beine wollten nicht mehr schlurfen, nein sie wollten laufen, immer schneller laufen, ohne Mühe.
Das hätte ich gestern gebraucht. Da bin ich mit den Pearl Izumi Float gelaufen. Und wenn man mit Pearl Izumi läuf, darf man keine Musik hören (run like an animal!). Die Float hatte ich mir gekauft um mal wieder eine ganz andere Belastung für die Füße zu haben. Es hat sich aber wieder gezeigt, dass solche schweren Treter (343 g) für regenerative und kurze extensive Einheiten die notwendige Abwechslung bringen, aber den langen Lauf sollte man dann doch lieber mit Schuhen laufen, die für die eigenen Körpergewichtsregionen designt wurden. aber egal! Tierische Hitze, keine Musik, die Mütze mal kurz in den Naunhofer See (unter dem kopfschüttelnden nackter unästhetischer Körperbrezler) und in den Bagger in Kleinpösna gehalten und festgestellt, dass es eine nicht so gute Idee war kurz vor 14:00 Uhr los zu laufen, eine Strecke mit viel Asphalt und wenig Wald zu wählen, nur 0,4 l Wasser und kein Geld mit zu haben um mal schnell irgendwo ein eisgekühltes Getränk zu kaufen, es aber am Ende ja doch gereicht hat und er Trainingseffekt dadurch wahrscheinlich unheimlich hoch war. Allerdings das nächste Mal- wenn mutterseelenallein- dann mit Duffy und Co.
Nun ist die erste Woche für Berlin geschafft und es gibt nichts zu meckern. Der Einbruch beim Silberseelauf war wahrscheinlich den Pollen geschuldet. zumindest bekomme ich jetzt noch Hustenreize, wenn ich tief einatme. Die Kilometer haben gepasst, das Tempo hat gepasst. Mittwoch und Sonnabend taten (wie geplant) so richtig weh und heute ab Kilometer 15 richtig gemerkt wie die Beine wieder locker werden. so kann’s weiter gehen…