Archiv für den Monat: August 2008

>Für Doppeldeuter

>Jeder 2. Schritt, jedes linke Auftreten lässt vom Bein durch’s Mark Schmerzsignale schießen.

Mal dumpf mal stechend, immer plötzlich und erwartet.
Laufend humpelndes schnell gehendes langsam rennendes Unvergnügen.
Stumme Schreie werden nur laut wenn ich alleine bin.
Es wird nicht besser, nur weniger schlecht.
Zum Ergebnis gehört auch der Weg.
Der Weg ist das Ziel, am Ende des Weges steht das Ziel.
So oder anders.

>100 Kilometer von Leipzig

>Am Sonnabend standen die 100 Kilometer von Leipzig an. Eine 1A organisierte Veranstaltung!

Nachdem ich am Freitag nicht mal 50 Meter rennen konnte, gab ich mein Vorhaben auf mich auf der 50 Kilometer Strecke zu versuchen. Dafür konnte ich  dann länger schlafen und musste nicht 6:00 Uhr an der Startlinie stehen.
Als ich dann (eigentlich pünktlich) 9:19 Uhr am Start-/Zielbereich aufschlug war Jörg schon 2 Minuten im Ziel. Wie Dietmar dann richtig erklärt hat ist es ja so, dass man beim Marathon in Berlin- selbst mit einer 2:28- völlig untergeht, bei 50 Kilometer aber mit 3:30 gut dabei ist. Außerdem muss man ja als Ultra nicht so was wie Tempoläufe und Intervalle machen, was einem sehr entgegen kommt wenn man Vorfußlaufprobleme hat.
Schaun mer mal…
Jetzt heißt es erstmal wieder einen Zustand zu erreichen, dass Training möglich ist. Radfahren ist keine Alternative! Ich finde das öde, langweilig, fad, uneffektiv, ineffizient- kurz: undankbar. Am Sonnabend bin ich 100 km gefahren und am Sonntag haben wir dann noch eine Tour über 70 km gemacht. Kein Muskelkater, nur mein süßer Knackarsch tut weh. Aber wahrscheinlich ist das immer noch besser als zwischen Rentnern Wasser zu treten.
In Berlin wird’s nun nichts mit Bestzeitversuch, der Trainingsplan wird auf Frankfurt als Herbsthöhepunkt umgestellt.
Ich habe wirklich kein Problem damit. Ich  könnte auch damit leben, wenn ich meine Marathonbestzeit nie mehr verbessern werde. So schlecht finde ich die nämlich nicht. Wenn ich merke, dass da nichts mehr weiter geht werde ich eben Ultra!

>3. Glockenturmlauf 2008

>Danke Martin, dass ich gewonnen habe, obwohl ich keine Chance hatte.

Danke Martin, dass Du nicht mal den Sieg (Mantel?!) teilen wolltest.
Danke Martin, dass Du auf eine bessere Zeit und einen besseren Platz verzichtet hast.
Danke Martin, dass Du keine große Geste draus gemacht hast.
Ich bin Dir was schuldig!

>mea culpa

>Auewald-Mannschaftslauf mit Jens-Olaf und Jörg, 55:20, 2. Platz.

Ich konnte einfach nicht schneller.
Ausreden dafür hätte ich genug:
– ich konnte auf Madeira nicht richtig trainieren
– Jetlag (@Ronald, als Wikipedianer: der Eintrag dazu in Wikipedia ist nicht auf Stand. Schon sehr lange weiß man, dass auch die Bewegungsgeschwindigkeit den Jetlag sehr stark beeinflusst und neuere Untersuchungen lassen vermuten, dass der Mensch große Ortsveränderungen- unabhängig von der Zeitverschiebung- nicht so gut verkraftet
– zu wenig geschlafen
– zu wenig getrunken
– klimatisierte (trockene) Luft auf den Flughäfen, im Flugzeug und im Auto
– beruflicher Stress
– …
Die nackte brutale Wahrheit aber ist:
Ich bin zu fett!!!
Im Urlaub habe ich 2 Kilogramm zugenommen. Das sind 1.000 Gramm pro Woche.
Rechnet man nun einfach mal, dass Leistung = Masse * Weg / Zeit ist, dann wäre ganz locker eine 53er Zeit drin gewesen, wenn ich 2 kg weniger Masse mit mir rum schleppen müsste.
Und es kann davon ausgegangen werden, dass dieses Mehr an Masse zu 100% Fett ist.
Ich bin zu fett!!!
Mein BMI liegt jetzt mit 19,3 (laut Wikipedia) deutlich im Normalbereich. Ich ekele mich, wenn ich meinen fetten, feisten Körper sehe. Die 30er Bundweite passt ohne Gürtel, ich schwitze bei jeder Bewegung, bekomme Mails in denen mir günstige Medikamente zur Gewichtsreduktion angeboten werden. traue mich nicht durch Blick nach unten zu überprüfen, ob ich meine Füße noch sehen kann.
Ich bin zu fett!!!
Gegen Dickleibigkeit gibt es kein besseres Rezept als lange Läufe. Nur ist es so, dass ich zur Zeit nicht laufen kann. Ich habe wahrscheinlich gestern meinen fetten Körper orthopädisch derartig übelastet, dass er nun streikt. Mein linkes Bein ist nun irgendwie so richtig kaputt. Den Schmerz kann man auch nach hohen Dosen oral verabreichter Medikamente nicht mehr unterdrücken. Gut, ich könnte mir eine Kortison Spritze setzen, aber Kortison mach fett und:
Ich bin zu fett!!!
Also werde ich mich morgen dann mal mit nem Chirupraktiker beraten wie wir die Schmerzen so weit unterdrücken können, dass ab morgen wieder normales Training möglich ist. 

>Wenn einer eine Reise tut

>Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er sich vorher über die Trainingsbedingungen am Zielort informieren. Einfach zu denken, egal wo ich bin- auf der Welt- ich kann meinen Plan durchziehen ist so was von naiv!

Also bin ich vor 14 Tagen nach Madeira aufgebrochen völlig sicher, dass ich meinen Plan durchziehen kann. Gut ich wusste, dass es hüglig ist, aber da läuft man eben ein bisschen langsamer- was soll’s?!
Am ersten Tag verabschiedete ich mich mit dem Satz: „Ich renne mal und bringe gleich Brötchen mit!“. Locker fluffig, leicht rannte ich von unserem Ferienhaus bergab in das nächst größere Dorf, eine der größten Städte Madeiras- Calheta. Dort gab es dann auch eine Supermarkt, aber der hatte noch nicht auf. Also lief ich noch eine Runde bis es um 09:00 Uhr war, holte leckere Brötchen, Butter, Honig und Saft und machte mich auf den Rückweg, der ja nur 4,3 km lang war.
Hätte ich in dem Moment gewusst, dass ich da genau 405 m nach oben vor mir hatte, wäre ich wohl auch noch nicht geschockt gewesen. Ich bin Flachlandläufer, Höhenmeter kenn ich nur vom Hören-Sagen her und hielt sie immer für Läuferlatein.
Wenn ich mal gerechnet hätte, dass 400 m auf 4 km ziemlich genau 10% ausmachen, hätte ich mich an die Berichterstattung der Tour erinnern können, aber warum hätte ich rechnen sollen?!
Ich weiß jetzt was Höhenmeter sind!!! Am nächsten Tag fand ich einen Supermarkt der nur 285 Meter tiefer lag und nur 3,9 km entfernt lag. So beschloss ich dann mein Training auf das tägliche Brötchen holen im 5er Schnitt zu beschränken. Schließlich mussten ja auch noch reichliche Höhenmeter wandernd bewältigt werden. Rausgekommen sind damit 2x ca. 50 Wochenkilometer.
Jetzt sitze ich auf dem Flughafen Funchal, habe mich hier in das WLAN eingehackt (die Dinger sind aber auch unsicher) und sehe mit Schaudern dem morgigen Auewald-Mannschaftslauf entgegen.