Archiv für den Monat: September 2008

>Dran bleiben

>Wenn man etwas konsequent macht, versucht das maximal Machbare heraus zu holen, dann geht das nicht ohne Risiko.

Beim Marathontraining heißt dieses Risiko Verletzungsgefahr.
Es gibt 2 Möglichkeiten:
1. Man geht das Risiko nicht ein und bleibt unter seinen Möglichkeiten.
2. Man geht das Risiko ein, erleidet Rückschläge, fängt wieder an, erleidet Rückschläge fängt wieder an usw. bis man es dann irgendwann schafft, oder vielleicht auch nicht.
Ich will wissen wo ich hinkommen kann, ich gebe nicht auf!
Diese Woche war eine Topmeldung in den Medien, dass die Villa von Stefan Aust mit Farbbeuteln beworfen wurde. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Offensichtlich ist die Außenansicht der Villa Aust so wichtig, oder schön (ich kenne mich da nicht aus), dass der Staatsschutz sich sofort auf die Suche nach den Schändern macht. Ein linksterroristischer Hintergrund wird vermutet und Verdächtige vernommen, die sich allerdings als unverdächtig herausstellten, leider.
Man kann es eben in Politik und Journalismus als Abbrecher ziemlich weit bringen. Warum sollte man auch ein Studium abschließen? Wobei ja Aust letztlich doch gescheitert ist und ich hoffe inständig, dass Herrn Jörges Karierre beim Stern nicht erst als Chefredakteur abgebrochen wird. Allerdings faszinieren mich- rein psychologisch- beide. Schwerer Weg nach oben, dann völlig überfordert und der zum Misslingen verurteilte Versuch das zu verbergen.
Schön, wenn es so ehrliche Rückzugsgebiete gibt wie das Marathontraining gibt. Wenn man das Training abbricht und dann den Fehler macht trotzdem an den Start zu gehen, bekommt man die Quittung ganz unmittelbar. Alle Versuche zu blenden, das Wort im Mund rum zu drehen, andere verantwortlich zu machen, sind durch einen Blick auf die Ergebnisliste entlarvt.
Es ist ein ehrlicher Sport in einer unehrlichen Welt (mal abgesehen von den Idioten, die selbst hier bescheißen). Wer hier vorne ist, ist vorne, wer hinten ist, ist hinten und wer abgebrochen hat, ist ganz hinten. Warum kann das Leben nicht wie ein Marathon sein?
Weil im wahren Leben Leistung nicht als Leistung zählt, sondern wie sie verkauft wurde. Wobei ja in Berlin am Sonntag alle mit um den Weltrekord laufen würden, wenn sie mehr Zeit hätten, nicht so viel wiegen würden, Äthiopier oder Keniaten wären und überhaupt haben es die anderen sowieso viel leichter.
Ich kenne (leider nur sehr flüchtig) einen, der am Sonntag in Berlin am Start stehen wird (gut, ich kenne einige, teilweise sogar sehr sehr gut, aber um die gehts hier nicht). In den Ergebnislisten wird er wohl so ziemlich in der Mitte auftauchen. Ich denke mal, dass es in Berlin zumindest einen Kurznachchemomarathon-Weltrekord gibt.
Ich werde an mir arbeiten um irgendwann mal ähnlich strong zu werden.
Viel Glück, allen, die in Berlin versuchen werden nicht abzubrechen!

>Umwertung aller Werte

>Mir ist es egal wie schnell oder langsam ich bin. Hauptsache ich kann wieder laufen. Und seit gestern kann ich das, na ja zumindest kann man es so bezeichnen, wenn man auf die Geschwindigkeit pfeift.

Fast schon eine Woche ohne Schmerzmittel, auch ein nicht zu unterschätzender Wert.
Ohne Training hatte ich zwar mehr Arbeits- und Freizeit zur Verfügung, aber gemacht habe ich daraus nichts. Also kostet mich Training keine Zeit, sehr schön, wenn ich trainieren kann.
Wettkämpfe, Bestzeiten, Siege, Niederlagen… alles völlig egal. Das Training ist das Ziel!
Und der Selbstversuch hat es auch wieder gezeigt: Ruhe beschleunigt den Heilungsprozess in keinster Weise. Sich regen bringt Segen. Entzündungen brauchen Durchblutung. So richtig geschadet hat mir die Ruhe auch nichts. Aber das nächste Mal bleibe ich bei meinem Prinzip: Schmerzen müssen raus gelaufen werden. Ich muss bloß aufpassen, dass ich mir durch sinnlose Wettkämpfe nicht wieder Schmerzen rein laufe.
Schön ist es auch, wenn man Anfang September schon eine Saison abgeha(c)kt hat. Ich will dieses Jahr keine Marathonbestzeit mehr laufen. Falls ich Berlin nächste Woche laufen sollte versuche ich einfach mit Anstand unter 3 Stunden zu bleiben und in Frankfurt laufe ich vielleicht mit den sub 2:48:48 Läufern mit, wenn ich da überhaupt laufe.
Schön wäre es jetzt, wenn ich im September noch auf über 300 Kilometer kommen würde. Im Moment steht der Tacho bei 91, da gilt es also noch den einen oder anderen schmerzvollen Meter zu überlaufen.
Das Taining ist das Ziel!

>going down

>Gestern bei hattrick den- eigentlich sicheren- Aufstieg versaut und heute so überhaupt keine Lust auf einen Halbmarathon durch Halle. Aber irgendwie muss ich ja wieder in die, oder aus den Pötte(n) kommen und da ist ein intensiver Halbmarathon effektiver als ein extensiver 35er.

Also gings heute mit Ronald nach Halle. Offensichtlich muss beim MDM reichlich gespart werden. Die Startnummern wurden nicht zugeschickt und man war dementsprechend gezwungen ins Meldebüro zu gehen. Dort eine riesige Schlange, anch 15 Minuten hatten wir dann die Startnummer. Zusätzlich gab’s dann noch ein T-Shirt, wahlweise in L ode XL. Kleiderbeutel waren alle. Aber- Profis wie wir sind- hatten wir selbstverständlich Ersatzkleiderbeutel eingepackt. Dann auf den Parkplatz und zum Start. Schon beim Gehen tat das Bein weh und irgendwie bekam ich nicht mehr Lust auf den Lauf. Vorm Start noch Jörg und Knut getroffen, zum Start in der 3. oder 4. Reihe und los gings. Aber immer noch keine Lust.
Ich hatte mir als Ziel gesetzt die ersten 10 Kilometer exakt in einem 3:45er Schnitt zu laufen. Bei Großeveranstaltungen kann man sich ja auf die Kilometerschilder verlassen, dachte ich. Doch nach 4 Minuten hatte ich noch kein Kilometerschild gesehen. Gut das erste Kilometerschild übersieht man ja im Gedränge gerne mal. Nach 8 Minuten immer noch kein Kilometerschild. wie schnell laufe ich denn nun? Ziemlich viele Menschen mit einem BMI über 22 um mich rum. Entweder übernehmen die sich total oder ich bin total langsam. Wo ist Ronald, Blick nach inten, aha, so 10 Meter hinter mir. Also bin ich total lahm. Ronald ist ja schließlich bei den letzten Intervallen nicht über eine 3:55 hinaus gekommen. Was soll der Scheiß? Ich sollte einfach aufhören. Schon 12 Minuten und immer noch kein Kilometerschild. Jetzt versucht der Dicke, den ich gerade überhole, hechelnd gegen zu halten. Hey was soll das? Das Tempo hältst Du sowieso nicht durch und mir ist das so was von scheißegal! Jetzt sind 16 Minuten vorbei und immer noch kein Kilometerschild. von hinten kommt die Gruppe mit Ronald, ah Jürgen ist ja auch dabei. Hallo Jürgen! Dranbleiben? Warum?! Ist doch eh alles egal. Ich steige hier bei Kilometer 10 aus. Hier ist ja endlich das erste Kilometerschild, das mit einer 5 drauf. Ah die Kilometerschilder wurden von kreativen Kindern in Tarnfarben gemalt und sind nur zu entdecken, wenn sie sehr prominent positioniert sind.
Hätte ich an dieser Stelle mal auf die Uhr geguckt  hätte ich festgestellt, dass ich mit 18:46 genau im Plan war. Habe ich aber nicht!
Dann ging es auf Parkwegen weiter. Durch den gestrigen Regen waren diese aufgeweicht und die spitzen, rutschigen Kurven sorgten für stromschlagartige durch den Körper peitschende Schmerzen. Ständig war ich damit beschäftigt das Für und Wider des Aufhörens abzuwägen. Kilometer 10 habe ich wieder nicht gesehen, aber irgendwo muss er gewesen sein. Ich wurde überholt, das war mir völlig egal. Irgendwie musste ich ins Ziel, da lagen ja meine Sachen, und die Hälfte war ja schon geschafft.
Zum Glück wurden die Schmerzen nicht schlimmer und so langsam brach Ronalds Gruppe auseinander. Leider brach auch Ronald auseinander, musste anhalten und hat seine Wade gedehnt. Als ich dann bei ihm war habe ich ihm vorgeschlagen, dass wir zusammen ins Ziel joggen und versuchen zumindest eine Zeit unter 1:24 zu laufen.
Doch Ronald konnte, wollte nicht und schickte mich weg.
Bei Kilometer 15 habe ich dann mal kurz gerechnet. Auf die 1:24 bin ich zur Zeit 26 Sekunden zurück. Da reicht es, wenn ich anfange ab Kilometer 19 ein bisschen schneller zu rennen. Also weiter bis das KM 18 Schild kommt (hoffentlich steht da ein Schild).
Das Schild stand da und jetzt gings ab. Ab da hat der Lauf wirklich Spaß gemacht. Ich war weit davon entfernt auf Anschlag zu laufen, ganz im Gegenteil zu denen die ich einsammelte.
Ich stoppte dann die Uhr bei 1:24:00. Gut brutto waren es dann 1:23:58, netto 1:23:55 und somit keine Punktlandung. Aber zumindest weiß ich jetzt, dass- wenn das Bein mir wieder verzeiht- eine vernünftige Vorbereitung auf Frankfurt möglich ist.
Ab Dienstag geht wieder richtiges Training los.