Archiv für den Monat: Oktober 2008

>Wie ein Karnickel

>Wenn die Vorbereitung auf einen Marathon schlecht lief, man nicht in Form ist und überhaupt, dann bleibt immer noch die Möglichkeit sich in einer großzügigen Geste einem noch schlechteren Läufer als Hase zur Verfügung zu stellen.

So wurde ich zu Renés Bunny.
Sonnabend früh um 9:00 Uhr (normalerweise schlafe ich da noch) trafen wir uns am Zentralstadion zur zentral organisierten Fahrt in die deutsche Bankenzentrale. Diesmal hatten wir einen ziemlich coolen Busfahrer (keinen Wichser, wie letztes Jahr- es gibt nur Wichser und Coole) und waren schon sehr zeitig auf der Marathonmesse. Dort ein paar Sachen abgeklärt und in die Festhalle zur Nudelparty gesetzt. Künstlerisch wertvolle Darbietungen- unter anderem der Galaxy Dancers gesehen, uns von Nicole Leder erläutern lassen warum Beyerdynamics (oder so) bestimmt super geil ist, wenn sie es mal ausprobiert hat, bei Dieter Saubermann nicht wirklich zugehört und auf 17:00 Uhr gewartet, dann ging’s nämlich zum Hotel.
Jens hatte inzwischen auch den Weg aus Frank-Reich nach Frank-Furt gefunden und so nahm er 17:50 Uhr am traditionellen Lockerlaufen teil.
Abends dann Inder komplett (essen und 24 Carat Gold: Hits of KJYesudas- ein Hochgenuss für jeden Bollywood Musikliebhaber, eine Qual für alle anderen).
Die Nacht kaum geschlafen- nicht vor Aufregung, irgendwie kann ich immer die erste Nacht im Hotelzimmer nicht schlafen, aber zum Glück sind das ja nur noch ca. 20 Nächte pro Jahr.
Mit dem Bus konnten wir direkt aufs Messegelände fahren und auf dem Weg zum Start lief Mocki sich an Jens und mir vorbei ein. Ein sehr tiefen Bückling gemacht, der mit einem sehr sympathischen Lachen erwidert wurde. 
Beim Start hatten wir uns (so dachte ich) relativ weit vorne eingeordnet, waren aber viel zu weit hinten.
Der erst Kilometer war in 3:56 völlig ok. Offensichtlich nicht für die Mehrzahl der vor uns laufenden Läufer, die offensichtlich- nach einem Blick auf die Uhr- Angst vor der eigenen Courage bekamen und erstmal raus nahmen. Was dazu führte, dass wir eine immer größere Anzahl menschlicher Slalomstangen zu umlaufen hatten. Bei Kilometer 5 hatte sich das dann weitgehend geklärt und mit 20:10 lagen wir ganz gut.
Dann begann das simple Kilometerablaufen. Die nächsten 5 Kilometer liefen wir in 19:57 und waren somit bei Kilometer 10 nur 7 Sekunden über Plan und gut eingelaufen. So, jetzt wollte ich einen kleinen Puffer aufbauen, ohne zu überpacen. Kilometer 10 bis 15 in 19:48, 15 bis 20 in 19:44. Ich musste eigentlich schon vom Start an pinkeln. Das kenne ich, das ist normal. Aber wenn man Zeit zum Nachdenken hat und eigentlich schneller laufen könnte und dann noch jemanden sieht der sich gerade erleichtert, dann gibt man dem Druck wahrscheinlich eher nach. Also habe ich René kurz vor Kilometer 20 gesagt, dass ich mal pinkeln gehe. ein Stück beschleunigt, an den Busch gestellt und erstmal in aller Ruhe die Blase druckfrei gemacht. René war dann plötzlich 100 Meter vor mir. Einerseits war es ziemlich geil an den verdutzten Läufern vorbei zu ziehen, andererseits wurde mir in dem Moment schon bewusst, dass das auch nach hinten los gehen kann. Hinzu kam, dass ich René erst genau an der Wasserstelle wieder ein hatte und er sich selbst bedienen musste. Man verliert an jeder Wasserstelle 3 Sekunden,  hat Thomas Prochnow mal gesagt. Ein Beweis? Kilometer 20 bis 25 in 20:03!
Kilometer 25 bis 30 in 19:56, dann Kilometer 30 bis 35 in 20:01. Bei Kilometer 35 waren wir in 2:19:39. Hatten also ein Polster von 21 Sekunden raus gelaufen um die magische Joggergrenze von 2:48:48 ( 4 min/km) zu unterbieten (ich weiß, dass das ursprünglich nur für 10 km Läufe gilt).
Gerade als ih so dachte, dass das genug Puffer sei, bat mich René ein bisschen raus zu nehmen. Also beobachtete ich ihn jetzt noch etwas genauer und sah, dass er tatsächlich kämpfen musste als wäre er ein ganzer Mann.
Ich habe mich weiter um ihn gesorgt, ihn umhegt und gepflegt, mit Cola, Roßbacher (Hauptsache süß) versorgt, mich zurückfallen lassen, wenn er abreißen lassen musste, die mitleidigen Blicke der Zuschauer bewusst auf mich gezogen, doch so richtig half das alles nichts. Selbst, dass wir irgendwann auf Jens aufgelaufen waren (der übrigens noch viel mehr kämpfen musste und nur noch für die Mannschaftswertung lief- Respekt!) führte bei René zu keinerlei Reaktion.
Dementsprechend dann Kilometer 35 bis 40 in 21:03 und schon waren wir 40 Sekunden im Minus. Das war nicht mehr raus zu laufen und damit stand fest, dass ich als Hase versagt habe.
Wer gut rammeln kann ist eben noch lange nicht ein guter Rammler!
Auch die beiden letzten Kilometer in 3:57 und 3:56 ändern daran nichts mehr.
Ziel verfehlt, 5, setzen!
Ein guter Hase trägt seinen Meister, wenn’s sein muss.
Wenigstens konnte ich dann im Ziel sagen, dass es wenigstens unter 2:50 und damit nicht ganz so peinlich war. Allerdings fand das außer mir keiner der gerade Anwesenden lustig.
Und dann wurde mein Wettkampfjahr gekrönt:
Falk Cierpinski begrüßte mich und schüttelte mir die Hand. Keinem anderen, nur mir!
Nun hat sch das ganze doch gelohnt, und wie!

>Frank fort mein hätten

>Marathonläufer von herabstürzenden Banker erschlagen!

Diese Schlagzeile wird es wohl so bald nicht geben. Denn es gab 1929 noch keine Stadtmarathons der heutigen Größe und 2009 gibt es keine Banker mehr die aus Existenzangst (brauchen sie nicht haben) oder Scham (dürfen sie nicht haben) den Freitod wählen.
Dafür gibt es dieses Jahr beim Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon, dem letzten- zumindest mit diesem Namen, eine Businesskasper Wertung. Sehr gut, denn auch der Businesskasper könnte eine bedrohte Art sein.
Der moderne, wirklich gefährliche Terrorist ist der, der sein Geld dem Geldkreislauf entzieht und damit den Wirtschaftskreislauf schwächt. Ist es nicht Staatsdoktrin gerade jetzt, in diesen schweren Zeiten, sein Geld auf der Bank zu lassen? Und wer gegen Staatsdoktrin verstößt ist nun mal ein Staatsfeind.
Doch die Leute haben sich seit 1929 entwickelt. Sie sind manipulierbarer und korrumpierbarer geworden. Die Finanzkrise ist plötzlich nicht mehr so schlimm, wenn mir der Staat verspricht, dass meine Spareinlagen sicher sind. Das Gesundheitssystem, die Renten, die Bildung alles nicht mehr finanzierbar, aber die Spareinlagen sind sicher. Zur Not müsste eben die Staatsverschuldung erhöht werden…
Und nun mal 1 und 1 zusammen gezählt und gefragt bei wem die Bundesrepublik Deutschland diesen Kredit aufnehmen soll? Es müsste ja irgendwo sein wo die Finanzkrise nicht hinreicht. Kuba, Nordkorea?
Also ist doch Fakt, dass wenn die Sparer anfangen in Größenordnungen ihr Geld abzuheben fällt das ganze Kartenhaus in sich zusammen und Geld verkommt wieder zu dem wofür es eigentlich erfunden wurde. Produzieren und nicht jonglieren und illusionieren werden wieder die in der Gesellschaft höchst honorierten Tätigkeiten.
Ich kann daran nicht schlechtes finden.
Am Sonntag werde ich erst einmal den Todeshauch der Bankenmetropole suchen und hoffentlich auch finden.  Vielleicht sehe ich auch schon ein paar leere Büroräume und vielleicht muss ich nicht an meine Grenzen gehen.
Irgendwie freue ich mich nun doch auf den Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon.

>quasi modo

>Geschafft, endlich!

Neben den ganzen Pokalen von Jens, in der Vereinsvitrine, steht jetzt auch einer von mir (Silke hat auch gleich noch einen dazu gestellt) und das kam so:
Pokale gewinnen ist ja an sich kein Problem. Man sucht sich irgendwo einen Lauf wo es Pokale und knackbare Siegerzeiten gibt. Jedem, der noch keinen Pokal hat, kann ich da den Kurparklauf in Bad Freienwalde empfehlen. Die 14 km gingen dieses Jahr mit einer 58:xx weg.
Es geht aber eben auch anders. Nachdem ich beim letzten Glockenturmlauf- dank Martins sportlicher Geste- 3 Siege in Folge hatte musste gestern der 4. Sieg und damit der Pokal her.
Natürlich wollte ich mich als würdig erweisen, aber richtig trainiert hatte ich ja nun wirklich nicht. Das Bein tut immer noch weh. Nicht mehr heftig, nur noch dumpf und permanent. Und dann hatte sich ja Martin auch wieder angekündigt…
Martin kam nicht und der Rest eigentlich auch anders als ich mir das gedacht habe. Mit Veiko konnte ich noch schnell abklären, dass er noch (lange) in der M40 ist. Frank-Martin war somit der schnellste der AK-Mitstreiter. Das sollte zu schaffen sein.
Den Sieg würden wohl Stefan und Karsten unter sich ausmachen und mit André, Veiko und Gregor sind noch drei weitere da, die ich nicht verletzt schlagen kann.
So war ich dann zum Start völlig entspannt. Dass ich mich wieder rausschieße war mir völlig bewusst. Aber damit kann man ja leben, wenn man die Saison abgehakt hat.
Nach dem Start bildete sich sofort eine Gruppe mit den genannten, die durch Kathrin ergänzt wurde. Karsten lief vorne, danach Stefan, dann die anderen und dann ich. Das Tempo kam mir verdammt langsam vor, aber ich wollte doch vorne nicht mitlaufen. Also ließ ich mich ein bisschen zurück fallen, aber da war niemand, was soll’s?! Bin ich eben wieder ran gelaufen. Die ersten beiden Kilometer gingen jeweils mit 3:38 weg. Das war ok, aber unnötig. Kathrin war dann irgendwann weg, aber der Rest der Gruppe hielt noch. Kilometer 4, 5 und 6 in 3:42, 3:44 und 3:44. Das Gegenwindstück auf der langen Gerade (da hatten sich Stefan und Karsten abgesetzt) dann in 3:52 und 3:54. Irgendwann war ich dann 3., Gregor und Veiko hinter mir.
Vor den letzten 1,5 Kilometern musste ich mich sogar noch ein bisschen abgesetzt haben, denn ich konnte sie nicht mehr hören. Sehen konnte man sowieso nichts, weil es dunkel war und die Strecke voller Läufer war die man entweder überrundete oder die einem entgegen kamen.
Kurz vor Ziel rief ein Radfahrer kurz hinter mir: los, den kriegt Ihr noch.
Er sollte Recht behalten.
Wahrscheinlich wusste er, dass ich- wenn immer es geht- nicht versuche zu spurten, oder er wusste nicht, dass das mein Laufstil ist. Egal!
Pokal geholt, nur das zählt!!!
Wobei, nicht ganz. Mit 45:01 bin ich genau einen 3:45er Schnitt gelaufen. Damit bin ich qualifiziert in Frankfurt für René den Hasen für die sub 2:48:48 zu machen.

>tradere

>Manchmal muss ich mich übergeben, wenn ich sehe wie Traditionen preisgegeben werden.

Den Satz lassen wir mal einen Moment wirken, auch für die Nichtlateiner.
Nicht nur, dass das Varadero aus dem Barfußgässchen vertrieben wird, auch der Team Marathon im Berliner Plänterwald soll nicht mehr stattfinden.
Was brauchen wir einen Team Marathon, wo wir doch jetzt die neue Tradition der Firmenläufe haben?! Passt ja auch viel besser in unsere Zeit. Dynamische Manger, die es schaffen die 5 Kilometer durch zu laufen und dabei Spaß zu haben. Nebenbei zeigen sie dann noch ihren Angestellten, dass sie ganz normale Menschen sind und durchaus in der Lage sich- natürlich nur ganz privat- auf eine Ebene zu begeben.
Der Team Marathon war mit sehr viel Liebe organisiert. Wo Liebe im Spiel ist muss Professionalität in den Hintergrund treten. Zwei Seiten einer Medaille können nicht vermittelt werden.
Und Professionalität ist heutzutage gefragt, Liebe nicht.
Ich finde, dass hier nun wir Leipziger gefordert sind:
– Leipzig ist ein Klein-Paris
– Paris ist die Stadt der Liebe
–> Leipzig ist die Stadt der kleinen Liebe(n)
Ich bin für den Team Marathon 2009 in Leipzig!!!

>Superkompott

>Weil ich’s jemanden versprochen habe hier ein paar Worte zur Superkompensation.

Es waren- glaube ich- Mäuse bei denen man festgestellt hat, dass nach einer erschöpfenden Belastung mehr Glykogen in Muskeln und Leber eingelagert wurden als nötig. Nach einer Belastung passt sich der Körper also an, um zukünftig dieser Belastung gewachsen zu sein.
Wenn man ihn dann noch mehr belastet passt er sich noch mehr an und so weiter.
Keine Grenzen, die Mauer muss weg, Superkompensation für alle, wir sind die Superkompensierer.
Darauf aufbauend wurden dann verschiedenste Trainingsmodelle entwickelt nach denen man sicherlich erfolgreich trainieren kann, wenn man sich in der Bewertung dessen was man als erfolgreich bezeichnet einschränkt.
DDR-Sportler haben das zu gemacht (Periodisierung), Greif Jünger machen das, Pfitzinger, Daniels Anhänger ebenfalls, fast alle tun es.
Wenn man aber auf maximale Trainingserfolge aus ist, dann ist das eben nicht so einfach.
Herr Peter Greif- selbsternannter Läufermedizinmann- schreibt in seinem aktuellem Newsletter, dass der Leistungssprung Irina Mikitenkos trainingsmethodisch nicht erklärbar wäre (da versucht er ja wieder mal seine eigene Beschränktheit zu objektivieren).
Mal abgesehen von der populistischen, infamen, gemeinen Unterstellung ist es sehr gut erklärbar.
Irina läuft noch nicht so lange Marathon. Die Anpassungsprozesse im Körper dauern unterschiedlich lange (das geht bis auf die zelluläre Ebene runter) und sind von Alter, Geschlecht, Trainingszustand, Sportart und letztlich der individuellen Disposition (es gibt eine individuelle Anpassungsreserve) abhängig. Wenn der ganz individuelle Trainingsplan das und noch einiges mehr berücksichtigt, dann sind- aus meiner Sicht- solche Leistungssprünge auch trainingstheoretisch (Methodik analysiert nicht) zu erklären.
Und was lernen wir daraus?
Nichts!