Archiv für den Monat: November 2008

>Gefallen

>Arzt:

Ihre blauen Flecke gefallen mir aber gar nicht!
Patient:
Ich wollte einem Gefallenen einen Gefallen tun und bin dabei gefallen.
Ich könnte nun auch sagen, dass die blauen Flecke postoperativ sind, was die Wahrheit wäre, was mir aber- genauso wie das mit dem Gefallen sein- auch keiner glauben würde. Zum Glück ist lange Hosen Zeit,  sieht man durch den Strumpf nichts und so bleibe ich vorm Männerhaus bewahrt.
Wenn schon gefallen, dann doch viel lieber als Engel, schließlich ist ja Adventszeit. Der Schöpfer hat sich nun mal beim Menschen reichlich vertan und der Versuch mit Jesus war zwar gut gemeint, hat aber unterm Strich auch nichts gebracht. Da haben die Gefallenen recht, finde ich. Aber das ist eine ganz andere Problematik.
Heute habe ich mit Spaziergehen (das ist walken ohne so zu tun als wäre es Sport) angefangen, Rad fahre ich seit Freitag schon wieder und die Hämatome könnten ja schließlich auch Knutschflecke sein. Wobei, bei solche Knutschflecke können nur bei sodomistischen Praktiken entstehen, da sage ich doch lieber, dass ich gefallen bin.

>Kompressionsstrumpfträger

>Ja, seit heute trage ich am linken Bein einen Kompressionsstrumpf. Aber wenn ich was mache, dann versuche ich das meistens richtig zu machen. Erst einmal habe ich mir überlegt warum man eigentlich so einen Strumpf tragen sollte. Nur albern aussehen kann’s ja wohl nicht sein?!

Wenn man zu 100% gut funktionierende Venen hat gibt’s ja keinen Grund. Also musste erstmal ein Venenleiden ran. Irgendwas was gut klingt, mit dem man sich wichtig machen kann und trotzdem nicht wirklich so richtig gefährlich ist. Und das habe ich dann auch gefunden:
Reflux aus hochsitzender Kniekehlenperforante über Giacomin-Anastomose in distralen Magna-abschnitt links
Das Problem aber war, dass auch da Kompressionstrümpfe nicht hilfreich sind.  Aber als mir dann gesagt wurde, dass nach einer Operation das Tragen von Kompressionsstrümpfen unerlässlich ist, war mein Glück kaum fassbar.
Nun musste noch die Methode der OP bestimmt werden. Das war ganz einfach. Einfach die Methode nehmen die den geringsten Trainingsausfall verspricht. Da habe ich mich blind auf den Fachmann verlassen, der zielsicher die teuerste Variante empfahl. Kein Problem, was soll’s? Ich muss es ja schließlich selbst bezahlen und falle nicht der Solidargemeinschaft zur Last. Der Termin wurde flexibel vereinbart (so bald was frei wird rufe ich Sie an!). Montag kam der Anruf heute kam ich unter die Nadel. Die blutigen Details erspare ich dem Leser. Nur, dass zwischendurch die Betäubung nachgelassen hat und ich mal erfahren konnte was wirkliche Schmerzen sind (wenn ich das nächste Mal beim Training oder Wettkampf Schmerzen haben sollte, rufe ich mir diesen Augenblick ins Gedächtnis) sei erwähnt.
Nach dem Eingriff kam dann endlich der lang erwartete Spruch: „Ich ziehe Ihnen jetzt Ihren Strumpf an!“. Endlich Kompressionsstrümpfe!!!
Aber sind Kompressionsstrümpfe wirklich Kompressionsstrümpfe, wenn Sie einfach so angezogen werden können? Die Schwester, die mich kompressionstrumpfmäßig defloriert hat, hatte eine Art Metallgestell als Anziehhilfe. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass man mit so eingeengten Muskeln überhaupt noch richtig rennen kann!? Ich weiß es nicht und werde es auch nicht ausprobieren. Am 08.12. ist Nachuntersuchung und bis dahin ist erstmal Ruhe und es wird komprimiert was das Zeug hält.

>Aue Wald Lauf 2008

>

Ich bin immer noch verletzt und konnte nicht richtig trainieren. Ich weiß, dass mir das kaum einer glaubt, aber:
DAS IST DER WAHRHEIT
und kein Understatement!
Aber mir hat es Spaß gemacht mal wieder so richtig schön im Arsch zu sein. Die erste Runde war noch völlig ok. Wir waren eine schöne 6er Gruppe (Eric war weit voraus geeilt) mit den beiden Jörgs, Ronny, Olaf und Gregor. Kurz nach dem 10 Kilometer Durchlauf war dann Ronny in Führung. Erst fielen Gregor und Jörg Matthé ab (der hat noch viel weniger als ich trainiert und ist noch viel verletzter), dann kam Jörg zurück und dann konnte ich eine Lücke nicht mehr schließen. Und so ging’s dann auf den Damm wo heute erheblicher Gegenwind herrschte. Hätte ich noch fluchen gekonnt, ich hätte es getan. Da half es auch nichts, dass es Gregor hinter mir genauso ging.
Wieder im Wald nahm dann Jörg wieder raus und ich passierte ihn. Normalerweise geht man ja in die Analen der Leipziger Laufszene ein, wenn man mal schneller als Jörg Matthé war. Aber heute hatte es den faden Beigeschmack von Leichenfledderei. Die Gruppe war nun völig auseinander gebrochen. Ganz vorne lief unser Jörg, dann mit schon einigem Rückstand Ronny, dann Olaf und dann ich.
Am Pilz stand dann Roman, der wieder unwahrscheinlich Stimmung machte, und rief mir zu, dass Olaf schlechter aussieht und dass das nur 150 Meter seien. War ja lieb gemeint, konnte aber nicht stimmen. Das mit den 150 Metern schon, aber ich sah bestimmt wesentlich beschissener aus als Olaf.
Die letzten 4 Kilometer waren richtig hart, mit Seitenstichen und so.
Wann ist der Mann ein Mann?
Der Rest ist schnell erzählt. Platz 5 in 1:14:35 für 20 Kilometer. Gute Organisation, Siegerehrung sofort im Anschluss (aber warum muss es denn immer Sekt oder Bier geben?), der Rest unserer Truppe auch gut unterwegs (die Ehre den LG eXa Blog zu füllen hat diesmal wirklich nur Ronald verdient).
Jetzt geht hoffentlich wieder richtiges Training los.

>No, we can’t

>Vor 10 Jahren ist Niklas Luhmann gestorben. Und seit 10 Jahren sage ich mir immer wieder, Du musst Dich mal wieder mit Niklas Luhmann beschäftigen. Habe ich aber nicht und so interpretiere ich mal (wahrscheinlich falsch) aus einer 20 Jahre alten Erinnerung.

Politik ist ein gesellschaftliches Funktionssystem in dem es um nichts anderes als Macht geht. Sicherlich, es ist gut, dass ein schwarzer Präsident der USA werden kann. Dafür muss  er allerdings ein sehr guter Entertainer sein. Nicht das, was ich als „main skill“ eines US Präsidenten sehen wollen würde. Durch Obama wird die USA nicht besser werden, wahrscheinlich wird sie durch ihn nicht mal anders werden und schon gar nicht die Welt. Durch die Machtbeteiligung der Grünen ist die Welt auch nicht friedlicher geworden- im Gegenteil, die Grünen haben geholfen deutsche Soldaten wieder in Kriege zu schicken.
Medien stellen nicht die Wirklichkeit dar, Medien konstruieren Wirklichkeit.
Ich weiß nicht wie viele Millionen Busse Tag für Tag ohne besondere Vorfälle durch die Welt fahren. Das ist die Wirklichkeit. Die Medien berichten normalerweise nur über Busse, wenn es Tote gibt. Ist sicherlich auch Wirklichkeit, aber von der Häufigkeit so wenig signifikant, dass es die Wirklichkeit nicht wesentlich ausmacht.
Ein Bus fuhr nach Frankfurt. In Frankfurt starteten 28 Leipziger beim Frankfurt Marathon. Davon bleiben 5 unter 3 Stunden, der „langsamste“ kam in 4:31 an, eine herausragende Leistung für jemanden, der in der M60 startet. Nur Dank des Engagements von Dietmar Knies berichtete die Lokalpresse in einem Absatz im Lokalsport-Feuilleton.
Aber Helden sind laut LVZ (unzählige große Artikel im Vorfeld und danach) die Leipziger, die in New York gestartet sind (der schnellste 3:49). 
Es interessiert eben nicht die sportliche Leistung, sondern ganz allein die Verkaufbarkeit.
Ich muss mich verkaufen können, wenn ich die Anerkennung der Gesellschaft haben will. Egal ob als Präsident oder Läufer. Es ist nicht interessant was ich will oder nicht, was ich kann oder nicht, sondern ob ich im System funktioniere wie man im System zu funktionieren hat. Wenn ich mich außerhalb des Systems stelle hat das keinerlei Einfluss auf das System. Wenn ich mich in das System stelle allerdings auch nicht.
Wenn ich also in die Presse will muss ich Schlagzeilen machen die sich verkaufen lassen.
Wahre Kunst (Herr Fischer!) ernährt den Künstler nicht. Ich will lieber schneller laufen als mehr in der Zeitung stehn. Und ich will Niklas Luhmann noch mal lesen. Und der Rest? No, I won’t!