Archiv für den Monat: Dezember 2008

>Systemkritik

>Jetzt- in Zeiten des Wintersports- gibt es neue Versagensausreden:

„Der Sportler mit all seiner Ausrüstung, seiner Trainingsmethodik, seinen Lebensumständen ist ein hoch sensibles System und wenn da irgendwas nicht stimmt können eben keine Topleistungen rauskommen!“
Tja, so ist das eben.
Zur Zeit versuche ich mich- als hoch sensibles System, das schon in die Jahre gekommen ist- überhaupt wieder ans Laufen zu bringen. Im Moment ist das mehr so ein Stottern. Ja, ja ich weiß, mancher würde gerne so rund laufen wie ich stottere, aber das ist nun wirklich nicht mein Problem.
Mein Problem ist vielmehr, dass mir mein arthritisches Knie weh tut. Und das nicht nur beim Rennen und Treppen Steigen, sondern immer und überall, auch dann wenn ich eigentlich schlafen will. Gut daran ist die Selbsterkenntnis, dass ich nicht dazu neige Mittel gegen Schmerzen zu nehmen, wenn nicht eindeutig eine Entzündung vorliegt.
Und da man ja einen Bildungsauftrag hat:
Eine Entzündung im Knie ist ganze einfach zu diagnostizieren. Ein entzündetes Knie ist wärmer als ein nicht entzündetes. Man braucht also bloß ein nicht entzündetes Knie und einen Temperaturvergleich.
Mein Knie ist nicht entzündet, es ist nicht mal dick, tut einfach nur weh. Jeder Arthroseanfänger würde jetzt mit Sicherheit Fehler machen. Die größten Fehler sind Laufpause und Arztbesuch. Ich kenne keinen- und ich kenne da einige- die durch eine der beiden Maßnahmen ihre Beschwerden auch nur ansatzweise reduzieren konnten- im Gegenteil. Man muss einfach nur die Zähne zusammenbeißen, kühlen und durchrennen. Das vergeht wieder!
Und wenn die Schmerzen nicht mehr so stark sind, dass man schreien möchte kann man dann langsam daran arbeiten das System in den Griff zu bekommen.
Doch Systeme haben ihre eigenen Gesetze und wenn man drin steckt kann man diese nicht erkennen und von außen in das System einzugreifen geht auch schief, weil man das System nicht verstehen kann, weil man nicht drin steckt. Eines der vielen Dilemmata.
Vielleicht ist es dann doch das beste das System System sein zu lassen und einfach sein Ding zu machen und alles laufen zu lassen.
Denn, wenn’s läuft, dann läuft’s.

>Konjunkturprogramm

>Die Kanzlerin hat nachgegeben.

Es werden Autobahnen gebaut.
Kenne ich. Und wenn das jetzt nicht hilft kommen dann als nächste Maßnahmen ein Arbeitsverbot für verheiratete Frauen und auf Grund des globalen Terrorismus, der direkten Bedrohung des deutschen Volkes in Afghanistan und und noch viel weiter weg würde man ja auch mit einem gesteigerten Rüstungsetat mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Was interessiert mich der Klimawandel wenn Besitzstandverlust droht?
Ich versuche immer wieder davor weg zu laufen, ich werde immer schneller, ich laufe immer weiter, doch es überholt mich immer wieder ohne mich eingeholt zu haben.

>Der kleine Unterschied

>Der Mensch- das primitive Wesen- erkennt durch Unterscheidung. Animalisch ist das ja auch notwendig. Man muss ja entscheiden können, ob das was da so rum liegt ein Stock oder eine Schlange ist. Beim Stock sollte man dann noch gleich unterscheiden können, ob er zu irgendetwas zu gebrauchen sein könnte oder nicht und idealerweise kann man gefährliche von ungefährlichen Schlangen unterscheiden. Aber wirklich wichtig ist das nicht, man kann ja ruhig immer weg rennen, wenn man auf eine Schlange trifft.

Doch dann hat es der Mensch mal wieder übertrieben. (Na ja, ich weiß nicht, ob da Gott nicht vielleicht auch so ein bisschen Schuld hat mit seiner Hell-Dunkel-Unterscheiderei.)
Jedenfalls hat der Mensch dann irgendwo mal noch festgelegt, dass die Schlangen gar nicht alle Schlangen sind, sondern dass es da auch Schleichen und alles so was gibt. Mir ist nicht bekannt, ob es im Paradies nur eine Schlange gab, oder ob einfach bloß völlig unspezifisch Schlange gesagt wurde. Und mit dem Apfel ist das ja auch so eine Sache, die ja erst in die Welt gekommen ist nachdem die Bibel übersetzt wurde (für die Lateiner der werten Leserschaft, malum).
Wie auch immer, der Mensch hat die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis genascht und ist damit in den Unterscheidungswahn geraten. Und da kommt er einfach nicht raus. Auf ewig verdammt zu unterscheiden und damit nicht mehr das Wirkliche zu erkennen.
Ich- ganz persönlich- versuche ja den sanften Entzug. Ich unterscheide mich zu mir selbst und versuche jede Unterscheidung zu anderen zu vermeiden.
In einem Wettkampf werden ja gerne z.B. folgende Unterscheidungen getroffen:
  • Gesamtplatz
  • Platzierung in der Geschlechterwertung
  • Platzierung in der geschlechtsspezifischen Altersklasse
  • Platzierung zu denen die meistens ähnlich platziert sind
  • Platzierung die es gewesen wäre wenn der eine oder andere nicht gestartet wären
  • Platzierung die man gehabt hätte wenn man so viel trainiert hätte wie die anderen
  • Platzierung die man oder derjenige hätte, wenn man oder derjenige gestartet wären

Alles Blödsinn!!! Mancher 46 jähriger hat einfach Voraussetzungen die ihm erlauben im hohen Alter noch schneller zu laufen als andere im besten Saft. Mancher (vielleicht auch dieselben) 46 jähriger haben einfach einen höheren Östrogenspiegel als andere die Frauen sind. Mancher 46 jähriger hat einfach körperliche Defizite die ihn hindern schneller zu sein. Und mancher 46 jähriger ist ganz einfach 46.

Der einzige Unterschied der wirklich zählt ist der, ob ICH hätte schneller sein können, was ICH hätte anders machen sollen. Der Rest ist einfach nur klein.
Andere- denen das wichtig ist- ärgern oder sie anzustacheln ist mindestens genauso klein. Macht aber Spaß!

>Klare Ansage

>Heute war Nachuntersuchung. Soweit alles klar, es fließt kein Blut mehr durch die verschweißten Venen. Die Entzündung im Oberschenkel, die alle Symptome einer Entzündung hat, ist eine „oberflächlich geplatzte Vene“ [sic], auch wenn sie nur wenige Symptome einer oberflächlich geplatzten Vene hat. Aber Venenplatzen passiert nun mal, Entzündung kommt irgendwo her, da diagnostizieren wir doch lieber mal das Platzen.

ER: „Sie sehen so aus als würden Sie ziemlich viel Sport treiben?!“
Na was denkt der denn wo man so stramme Waderln und einen BMI um die 19 (ich vermute, dass der jetzt so hoch geschossen ist- nach 10 Tagen Trainingspause)  her bekommt?
ICH: „Ja tue ich, ich renne gelegentlich.“
ER: „Jetzt mal noch ein bisschen reduzieren!“
ICH: „Was heißt’n das?“
ER: „Na ja was trainieren Sie den im Moment?“
ICH: „&%$§’*+?“
ER: „Häh?“
ICH: „&%$§’*+?“
ER: „Na ja, noch ein bisschen reduzieren!“
ICH: „Was heißt’n das?“
ER: „Na ja, noch nicht übertreiben!“
Und dann habe ich ihm einfach mal ein Angebot gemacht.
ICH: „Also täglich eine bis anderthalb Stunden?“
ER: „Na ja vielleicht kürzer, nicht volle Power und nicht jeden Tag!“
ICH: „Ich würde es doch aber schon bemerken, wenn ich das Bein überlaste?“
ER: „NEIN!“
Weisse Bescheid!