Archiv für den Monat: Januar 2009

>Saisoneinstieg

>Da ich beim Team Marathon passen musste war der heutige Winterlauf der Einstieg in die Wettkampfsaison.

Beim Winterlauf muss man 6 Runden um den Auensee laufen. Die Strecke ist nicht ganz 10 Kilometer lang, aber da es (entgegen der Versprechungen) nicht so gut zu laufen war (was ist eigentlich das Gegenteil von „die Wege sind glatt“? Nicht glatt zählt nicht!), man in den Kurven immer raus nehmen musste, das Überrunden einiges an Aufmerksamkeit erfordertet, kann man davon ausgehen, dass man im Laufe der Saison auf alle Fälle die gelaufene Zeit über vermessene 10 km erreichen kann, richtiges Training selbstverständlich voraus gesetzt.
Ich hatte die Lunar Trainer als Besohlung gewählt (wie gesagt, die Meldung war: die Strecke ist eisfrei). Pünktlich mit dem Losfahren fing es an zu schneien. Super! Die Lunar haben eine Sohle, die denen von Badelatschen zum Verwechseln gleichen. Na gut, man kann eben nicht immer alles richtig machen.
Der Start war ok, bloß wieder einige relativ weit vorne eingereiht, die da absolut nicht zu suchen haben.
Leute, wenn Ihr nicht regelmäßig eine Gesamtplatzierung unter den ersten 20 erreicht, dann habt Ihr in den ersten 4 Startreihen überhaupt nichts zu suchen!!!
Durch die Unterminierung der Startphase war die Spitzengruppe zunächst auseinander gezogen und musste sich zunächst wieder finden um sich dann- so wie sich das gehört- wieder auseinander zu ziehen.
Stössss war ja heute ganz weit vorne zu erwarten. Und da André es ja hasst Kraft zu sparen lief er mit Stefan und Detlef an der Spitze. Danach dann bekannte Gesichter und ich lief da einfach mal eine Runde mit. Jörg (Hoyer) und Pierre könnten heute Mitläufer werden, beschloss ich dann so. Jörg belehrte mich schnell eines besseren und war weg. Pierre versuchte es ihm gleich zu tun, blieb aber auf Schlagweite (selten passte ein Wort so sehr wie hier).
Es wurde schwerer und schwerer. Irgendwie habe ich den Punkt überschritten wo ich noch schneller werden kann ohne Tempo zu trainieren. Wenn ich schneller werden will muss ich schneller trainieren. Kling komisch, ist aber so.
Aber Pierre hatte noch schlechter trainiert. Bei Rundendurchlauf 5 war ich dann an ihm dran, und auf dem Gegenwindstück habe ich noch mal die Backen meines supersüßen Popos zusammengekniffen. Wenn Pierre zügig überholt wird bekommt er keinen Motivationsschub. Hilfreich, wenn man so was weiß.
Ins Ziel habe ich mich dann gekämpft. Nur als ich Silke überholt habe konnte ich das lautstarke Einatmen kurz auf ein erträgliches Niveau runter regeln. Angst vor Spott!
Die 36:23 waren (laut Garmin) ein 3:41er Schnitt, 3:40 war das Ziel.
Nicht unzufrieden, es gibt aber noch verdammt viel zu tun!!!

>Fersensporn

>So nach und nach vervollständige ich meinen Erfahrungsschatz der läuferischen Überlastungsschäden- sehr gut!

Neuester Schatz ist der Fersensporn. Ich hatte ja schon viel über ihn gehört und gelesen. Aber wie das immer so ist mit der Überlieferung, es besteht die Gefahr der Legendenbildung.
Und hier nun die Wahrheit über meinen Fersensporn:
Es fing letzte Woche Donnerstag an. Ich verspürte einmal einen ganz leichten stechenden Schmerz beim Auftreten. Sofort wurde die Stelle untersucht, allerdings konnte ich- trotz heftigen Drückens- nichts finden. Am Freitag dann immer mal wieder dieses leichte Stechen, aber nach wie vor so überhaupt nicht der Rede wert. Am Sonnabend status quo.
Am Sonntag, nach dem ersten Auftreten, die Gewissheit: ah ja, jetzt hast Du also auch endlich mal einen Fersensporn . Ich war mir sofort sicher, dass dieser heftigste, stechende, von der Ferse über das Rückenmark ins Hirn schießende Schmerz keine andere Diagnose zulässt (wobei erstmal nur sicher ist, dass es eine Plantarfasziitis ist, ob tatsächlich röntgologisch ein Fersensporn nachgewiesen werden kann ist therapeutisch erstmal unerheblich).
Von den ganzen Verletzungen, die ich das Glück hatte zu erfahren, ist das eine der harmlosesten. Der Schmerz liegt zwar auf einer Skala von 1 bis 10 ungefähr bei 7 bis 8 ist aber sofort weg, wenn die Stelle (die sehr gut punktuell einzugrenzen ist) entlastet wird. Beim Rennen überhaupt kein Problem (laufe ich eben mehr Vorfuß) und somit ist keine Trainingseinschränkung nötig.
Also, wenn jemand über einen Fersensporn jammert ist Mitleid angebracht. Mitleid mit diesem Jammerlappen, der offensichtlich eine Ausrede braucht.

>Hormonspiele

>Es ist allgemein bekannt und akzeptiert, dass der Mensch hormongesteuert ist. Weniger bekannt ist, dass der Mensch auch parasitengesteuert sein könnte. So pflegen z.B. Menschen mit Toxoplasmose konservativere Wertvorstellungen auszuleben. Das ist ein sehr weites Feld, aus dem man sich hin und wieder mal einen Teil herausgreifen kann, um dem geneigten Leser unterhaltend zu bilden und wichtige Erkenntnisse fürs Leben, dass ja immer Training sein sollte, zu vermitteln.

Serotonin
Alle reden immer von Endorphinen als Glückshormonen. Aber Endorphine sind nur für den kurzen, trügerischen Rausch zuständig. Sie erzeugen den Flash, sind die Droge unter den Hormonen. Die Wiege des Glücks liegt im Serotonin. Der gegebene Serotoningrundspiegel entscheidet darüber wie glücklich ein Mensch leben kann. Menschen mit hohem Serotoninspiegel gehen locker, leicht durchs Leben, ohne sich groß Gedanken zu machen.
Passt schon!!!
So weit so gut. Richtig interessant wird es, wenn man die Menschen mit einem geringen Serotoninspeigel betrachtet. Die sind nicht so glücklich. Das ist ja sowieso klar. Einleuchtend ist ja, wenn man den vorhergehenden Ausführungen gefolgt ist, dass einige Antidepressiva dadurch wirken, dass sie dem Abbau von Serotonin entgegenwirken.
Aber Menschen mit Serotoninmangel zeichnen sich auch durch eine überdurchschnittliche Genauigkeit aus. Je pedantischer um so unglücklicher, könnte man so einfach konstatieren.
Doch so einfach ist es leider nicht. In dieser Gesellschaft zählt Erfolg. Und der stellt sich normalerweise nicht von alleine ein. Es passt eben nicht schon immer schon. Man will ja schließlich auch akzeptiert werden. Andererseits gehen einem ja Krümelkacker tierisch auf den Sack.
Also gilt es auch hier wieder die Mitte zu finden.
Und wie immer ist das Laufen gut als Bild für das Leben geeignet.
Als erstes gilt es selbstkritisch herauszufinden wie man selbst disponiert ist. Das ist nicht einfach- im Gegenteil. Das kann verdammt hart sein und befindet man sich im oberen oder unteren Bereich der Serotonin-Skala kann es unmöglich sein.
Dann muss man sein Training darauf abstimmen.
Der lockere Typ muss das Training und den Plan sehr genau nehmen. Nicht nur, dass sonst die Gefahr bestünde, dass der Schlendrian Einkehr hält, es wird ihm auch mehr Befriedigung bringen.
Der genaue Typ muss den Plan Tag für Tag seinem Gefühl anpassen. Wenn er sich auf den Plan versteift wird es Arbeit und er verkrampft über kurz oder lang.
Und nicht vergessen:
Letztlich geht es im Leben darum glücklich zu sein.

>Gegenspieler

>Ein System ist nur perfekt, wenn es in Balance ist. Das heißt, dass es immer 2 Seiten geben muss, die miteinander vermittelt werden und immer wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Ich erspare mir an dieser Stelle eine Einführung in die Dialektik und komme gleich zur Praxis.
Systeme bestehen aus Systemen und verbinden sich zu Systemen. So gab es mal innerhalb des Weltsystems 2 antagonistische Systeme und trotzdem (gerade deshalb) war die Welt irgendwie im Einklang. Es gab zwar immer die Gefahr, dass das Gesamtsystem sprichwörtlich explodiert, ist es aber nicht. Jetzt ist das Weltsystem eindeutig einseitig übermächtig. Die Gesamtstabilität scheint zwar höher zu sein, aber es kränkelt an allen Ecken und Enden. Offensichtlich lohnt es ja nicht mehr permanent auf jeden Krieg, jede ethnische Säuberung hinzuweisen. Was juckt es uns, was in Sri Lanka, in Kongo und sonst wo passiert, wo die unmittelbaren Auswirkungen auf uns nicht offensichtlich sind?
Nun komme ich mit meinen Erfahrung mit meinem Körper ins Spiel:
Ich habe immer das lange Laufen trainiert. Dabei gelang es mir die laufspezifische Muskulatur (für meine Verhältnisse) recht gut auszuarbeiten. Die war dann das Beste, was meinem Körper überhaupt passieren konnte. Sehr gerne betrachtete ich mir meine definierten Waden, strich gedankenverloren, zärtlich über dieselbigen und war stolz und voller Selbstgefälligkeit.
Gut, zum Marathontraining gehören Schmerzen wie Demagogie zu jeder Form von Politik, da muss man durch. Kollateralschäden sind immer und überall zu vernachlässigen wenn es um das Große und Ganze geht.
Aber irgendwie war dann doch das Training gefährdet. Das rechte Knie tat weh, die linke Wade um die Achillessehne rum,  die Hüfte bis in den rücken hoch rechts. also habe ich einen Termin mit Thomas ausgemacht. Ich dachte einfach mal manuelle Therapie (Erlösergriff) und das hat sich wieder. Aber Thomas konnte mich nicht erlösen. Die Problemursache ist, dass ich mein Knie nicht durchdrücken kann, dadurch einen ziemlichen Beckenschiefstand habe und das wiederum führt zu dem ganzen Rest.
Es gibt nur eine wirkliche Lösung:
Die verkümmerten Gegenspieler der wunderschönen Laufmuskulatur müssen aufgepäppelt werden. Dass das der richtige Weg zu sein scheint merke ich schon daran, dass das (aktive) Dehnen höllisch weh tut. Aber zum Durchdrücken (das Ziel sind 177 Grad) des Knies fehlen nach 3x Physio und täglichem Üben auch nur noch ca. 10%. Das ist doch schon was.
Also investiere ich weiter in die Gegenspieler und werden dann (hoffentlich) mein System in Einklang bringen.
Vorsichtig muss man da aber trotzdem sein. Schließlich war es ja Israel die die Hamas überhaupt erst stark gemacht haben.

>kaum das Jahr begonnen und schon einen neuen persönlichen Rekord intus

>Als ich noch völlig verrückt war fiel ab -10 Grad Celsius das Training aus.
Aber da die eiskalte Atemluft das Risiko sich ein Asthma bronchiale einzufangen erhöht und dass es ja dann legal diesen geilen Spray gibt den die ganzen Radfahrer haben, weil sie immer bei Kälte trainiert haben, und ich ja schließlich eine Verpflichtung gegenüber meinen Fans, dem Sächsischen Leichtathletikverband, (neuerdings auch) dem Sächsischen Triathlonverband, dem Stadtsportbund, meiner Familie, dem Weltfrieden, der Arbeiterbewegung und den Baijis habe geht es natürlich raus.
Nachdem am Montag die Radfahrt zum Wochentagsaufenthaltsort ziemlich unerfreulich war- nicht nur weil mich ein Linienbus in eine Schneewehe gedrückt hat- laufe ich jetzt morgens 10 Kilometer her und Abends 10 Kilometer her.
Gestern früh dann gleich mit -16 Grad Celsius einen Rekord aufgestellt, den ich gleich am Abend auf -20 Grad Celsius pulverisiert habe. Damit bin ich zufrieden und ich habe eigentlich nicht vor diesen Rekord noch einmal zu steigern. Das Gefühl, dass die Wimpern an den Augen anfrieren, ist nur kurzzeitig interessant.
Und (zur Beruhigung meines Ärzteteams):
Natürlich trage ich einen Schutz vor dem Mund. Bin ja schließlich nicht verrückt!

Oder doch irgendwie? Hatte ich doch zunächst diesen Post in den falschen Blog gestellt. Demenz, alzheimer, Arthrose kann man auf Dauer nur verhindern in dem man stirbt.