>Da ist was im Anzug

>Gestern hatte ich wieder mal einen Termin in Köln.
Nun ist ja Fliegen an sich schon eine ökologische Sauerei, aber Inlandsflüge gehen eigentlich so gar nicht. Gut, man könnte darüber diskutieren, ob Leipzig und Köln wirklich im selben Land liegen, aber das wäre Haarspalterei.
Aber in einem Staat wo es nicht um Erhalt von Leben, sondern um Profitmaximierung geht, kommt man eben auf die Idee ökologische Transportmittel ausschließlich nach rein ökonomischen Gesichtspunkte zu betrachten.
So dauert eine Fahrt von Leipzig nach Köln mit dem Zug nicht nur ewig lange, sie ist auch noch teurer als ein Flug. Tut mir leid, aber ich verstehe das wirklich nicht. Ich musste gestern aus Zeitgründen fliegen und hätte zu Recht mindestens das Fünffache einer Fahrt mit dem Zug zahlen müssen, habe ich aber nicht, genauso wie die ganzen anderen Leute die im Flieger saßen.
Interessant ist so ein Flug aber schon immer wieder.
Da sieht man sie die Wichtigtuer. Noch beim Einsteigen telefonieren, sofort nach der Landung wieder telefonieren, wenn man nicht allein ist ganz laut ganz wichtige Sachen sagen und schön dressed for business.
Gestern habe ich dann mal überlegt, warum diese Typen eigentlich immer mit Schlips rum laufen müssen. Uniformierung ist ja immer eine Abgrenzung. Die Robe am Gericht soll die Verbrecher von den normalen Menschen unterscheiden helfen, die Polizeiuniform soll das Recht auf Gewalt(en)ausübung demonstrieren und der Schlips?
Erst einmal sagt so ein Schlipsträger ja aus: ich schaffe nichts. Der Schlipsträger nimmt höchstens von anderen Geschaffenes, bläht es künstlich auf, baut ein paar Blasen drum rum und versucht es dann so teuer wie möglich zu verkaufen. Dabei bildet er sich ständig ein Mehrwert zu schaffen. Schafft er aber nicht, er schafft maximal Geld, also virtuellen Gegenwert, also nichts was wirklich gebraucht werden würde.
Und als ich das so vor mich hin dachte, da taten sie mir sogar ein bisschen leid, die mit den Schlipsen.

Edit (rs‘ Kommentar aufnehmend)

8 Gedanken zu „>Da ist was im Anzug

  1. Anonymous

    >Wenn jemand nen Schlips trägt, nennt man das Anstand und sie telefonieren ständig und überall, weil genau das die Zeit ist, wo sie Zeit für haben…
    Als ob es sonst keine Probleme gäbe?! ^^

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  2. Carsten Paul

    >Also ist es unanständig keinen Schlips zu tragen?!
    Womit die Frage, warum es anständig sein sollte einen Schlips zu tragen, unbeantwortet bleibt.
    Die wichtigen Telefongespräche nach der Landung gehen ja dann in etwa so:
    – ich bin pünktlich gelandet und in ca. 30 Minuten zuHause
    – so, ich bin jetzt da, blah. blah, blah…, da können wir ja gleich noch im Auto drüber reden
    – …
    Wirklich wichtige Sachen werden schriftlich fixiert und nicht am Telefon besprochen. Vieltelefonierer sind einfach Leute die sich nicht um die Kosten kümmern müssen die sie damit verursachen.
    Ja, Schlipsträger sind zum Teil Ursache und Bestandteil großer Menschheitsprobleme.

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  3. Anonymous

    >Mir gehen die Wichtigtuer (Dauertelefonierer) auch gehörig auf den Sender.

    Dauernd dieses Geklingle vom Telefon und Gespräche, um den unbedeutensten Mist.

    Ist mir übrigens auch in öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn, Bus) aufgefallen und auch bei Jugendlichen weit verbreitet!

    Na, wenn man keine andere Möglichkeit hat auf sich aufmerksam zu machen, dann gute Nacht armes Deutschland!

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  4. Anonymous

    >nein, ich bin kein schlipsträger. aber was, wenn ich die frau von einem bin und mich darüber freue, wenn er anruft und ich weiß, dass er gleich zu hause ist oder das er gut gelandet ist?! was ist, wenn ich das kind von einem schlipsträger bin und mich einfach nur freue, meinen vater am telefon zu erwischen, weil er dienstlich nun mal dauern unterwegs ist?!
    was ist, wenn ich der chef von einem schlipsträger bin und ich auf heißen kohlen sitze und dankbar bin, wenn er sich meldet und ich weiß, dass er gleich im auto sitzt und ich endlich ein bestimmtes thema durchgehen kann.

    und ja klar, immer sind alle anderen an den problemen schuld, die es in der welt gibt…

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  5. Carsten Paul

    >Ich weiß nicht mehr genau wie oft ich im Jahr 2001 geflogen bin, über 150 Flüge (alle ohne Schlips) waren es allemal (ich habe dann so eine Karte bekommen die man erst bekam wenn man mindestens 150 Mal in einem Jahr geflogen ist).
    Da denke ich mir so, dass ich durchaus weiß wie es ist wenn man viel unterwegs ist.
    Und irgendwie konnte ich immer die 5 Minuten warten bis ich aus dem Flugzeug raus war bis ich das Handy angeschaltet habe.
    Anstand ist nicht einen Schlips zu tragen, Anstand ist andere nicht zu belästigen, sich nicht wichtiger als den Anderen zu nehmen, finde ich zumindest.

    Der unanständige Fiat Chef hat es sich doch tatsächlich erlaubt ohne Schlips zur Kanzlerin zu gehen. Dem dürfen wir Opel auf keinen Fall überlassen!

    Als in Venezuela mal die Schlipsträger streikten (2002 war das, glaube ich) organisierten die Arbeiter und Ingenieure die Ölproduktion kurzerhand selbst, so völlig ohne Schlipsträger. Management heißt Entscheidungen zu treffen. Dafür braucht man in erster Linie fachliche und soziale Kompetenz. Ein Schlips ist dafür keinesfalls nötig. Er kann höchstens dazu dienen auszeichnen zu sollen, dass man der Meinung ist über diese Kompetenz zu verfügen, kann aber genau das Gegenteil beim Gegenüber erzeugen, weil ich sicherlich nicht der einzige bin der Schlipsträgern erstmal a priori Inkompetenz unterstellt.
    Erfahrung macht voreingenommen!

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  6. laufrakete

    >Rücksichtnahme auf seine Mitmenschen scheint für Einige in der heutigen Zeit ein Fremdwort zu sein.

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