>Bruchpilot?

>Sonntag waren die Schmerzen (nein, ich schreibe jetzt nicht „besser geworden“) dann weniger zu spüren als am Sonnabendabend.

Ich konnte zwar noch nicht so richtig (eigentlich gar nicht) die Arme heben, aber popeln- äh an der Nase jucken- ging zumindest schon wieder.
Gute Besserung!
Also Montag frohen Mutes auf die Arbeit fahren lassen, dort schweißtreibend geschindert wie eine Hafennutte (zumindest so getan, in Wirklichkeit nur Aufgaben verteilt, was auch schweißtreibend sein kann, zumindest für die denen die Arbeit zugeteilt wurde) und gegen Mittag wieder versucht Ruhe und meine Mitte zu finden. Meditieren heißt vollständige Ausschaltung der Körperlichkeit. Doch wenn der Körper sich immer vorlaut in den Vordergrund drängt kann man nicht den Geist los lösen und in höhere, friedliche Sphären vorstoßen. Im Irdischen fühle ich mich schon lange eingeschränkt und gefangen: „Ich will hier raus!“. Und da mir meine Erfahrung, Erziehung, Bildung und Intelligenz die Einahme- ohne klinische Indikation- jeglicher Substanz die bewusstseinsverändernd wirken könnte verbietet, musste ich im Hier und Heute (bzw. Gestern) handeln.
Also gleich mal zum nächsten Orthopäden auf den Weg gemacht. Leeres Wartezimmer, gut! Junge, hübsche Schwester, auch nicht schlecht!
„Guten Tag!“
„Guten Tag!“
„Ich bin Sonnabend mit dem Fahrrad gestürzt und nachdem ich erst dachte, dass es nichts weiter sei, denke ich nun, dass doch etwas sein könnte.“
„Wir haben jetzt aber keine Sprechstunde!!!“
„Ja, ne, is klar, aber Sie haben doch jetzt Privatsprechstunde?!“
„Ja, ne is klar, aber wir haben noch einen Patienten, dann noch ein Gutachten und dann muss Frau Doktor weg!!!!!!“
„Ja ne, is klar, aber mehr als 10 Minuten brauch sie für mich nicht!“
„Ja, ne is klar, aber wir haben noch einen Patienten, dann noch ein Gutachten und dann muss Frau Doktor weg!!!!!!“
„Ja ne, is klar, aber ich habe Schmerzen!“
„Ja ne, is klar, Sie können ja morgen 08:30 Uhr kommen, müssen dann aber gaaanz lange warten…“
„Ja ne, is klar, aber ich dachte mehr so an heute.“
„Ja ne, is klar, wollen Sie nun morgen 08:30 Uhr kommen?“
„Leck mich am Arsch Du dumme Sau!“
Gut den letzten Satz habe ich bloß gedacht und gesagt:
„Nein Danke, so lange will ich das mich aushalten.“
Schön wenn man Dialoge schreiben kann in denen ohne explizite Nennung klar ist wer was gesagt hat, außer ganz am Anfang vielleicht.
Also habe ich mich dann auf den Weg zum nächsten Orthopäden auf den Weg gemacht, der nun, durch Ausfall des ursprünglich nächsten, zum nächsten geworden war.
Das Wartezimmer war voll, die Schwester hatte ihr Frühlingserwachen bereits hinter sich, dennoch startete der Dialog ähnlich. Aber der Schwester war eben nicht egal, dass da jemand mit einem Problem vor ihr stand. Bis zur Übergabe der Chipkarte wusste sie auch nicht, dass ich Privatpatient bin und so lange musste ich auch nicht warten.
Dann wurde ich untersucht, röntgen und die Verabreichung einer Tetanus Spritze wurde vereinbart (die letzte hatte ich, da gab es noch ein SV-Buch, Reihenuntersuchungen und all so einen Quatsch, der dazu führte, dass wichtige Impfungen nicht vergessen werden konnten).
Auf dem Röntgenbild sah sie dann eine Fraktur im Brustbein und wegen therapeutischer Unsicherheit wurde ich in die Unfallchirugie der Uniklinik überwiesen. In den 3 Stunden die ich dann dort wartete waren immerhin 5 Patienten vor mir dran. Dann wieder ein interessanter Dialog, den ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten will, wobei ich bewusst auf die mir wesentlich erscheinenden Stellen verkürze:
„Also, ich kann auf den Röntgenbildern keine Fraktur erkennen.“
„Ich auch nicht.“
„Wenn da eine Fraktur wäre, das bilde ich mir ein, würde ich sie aber erkennen.“
„Ich nicht.“
„Wenn ich mal ganz ehrlich bin, dann kann ich auf den Bildern überhaupt nichts erkennen.“
„Ich auch nicht.“
„Bloß jetzt noch mal röntgen find ich nicht notwendig.“
„Ich auch nicht.“
„Außerdem sind sie so dünn, da würde man einen Bruch auch ohne röntgen sehen.“
„Oh Danke, Du Gott in weiß!!!“
„Therapeutisch wäre da auch kein Unterschied, ob gebrochen oder geprellt.“
„Und wie sieht’s mit Sport aus?“
„Kein Problem, wenn’s nicht gut ist, das merken Sie dann schon.“
„Laufen, schwimmen, Rad fahren, Schach, Käfigkämpfe?“
„Kein Problem, wenn’s nicht gut ist, das merken Sie dann schon. Bloß Angeln, das sollten Sie wirklich sein lassen!“
„Oh Danke, Du Zeus im Tempel der Götter in weiß!!!“
Dann musste ich bloß noch 20 Minuten auf den Arztbrief warten und schon war ich durch.
Mein medizinischer Ausflug gestern hat gerade mal knapp 5 Stunden gedauert und wenn ich Kassenpatient wäre würde ich jetzt behaupten, dass es eine 2-Klassen-Medizin gibt. Auch wenn das stimmt, so ist das bloß eine Randerscheinung. Das Gesundheitssystem ist krank!!!
Aber was juckt’s mich, ich bin gesund, irgendwie.

4 Gedanken zu „>Bruchpilot?

  1. Martin

    >Wenn's nicht so traurig wäre, könnte ich jetzt getrost verraten, dass ich mich beim Lesen amüsiert habe. Gute Besserung (auch wenn du Gesund bist, irgendwie; bemerkbar macht es sich ja dennoch)

    Martin

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  2. Ronald Speer

    >Schöner Beitrag und beim nächsten Mal (Ich weiß, diesmal zu spät und ein nächstes mal sollte es nicht geben) empfehle ich die Notfallzentrum Thonbergklinik. Dort nur gute Erfahrungen gemacht und nie lange gewartet.

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  3. Sachsenwilli

    >5 Stunden habe ich auch schon gewartet (OK, am Stück in der Notaufnahme, aber als Kassenpatient).
    Das ist Realsatire in höchster Vollendung und wie schon beim Unfallbericht wünsche ich Dir nochmals gute Besserung!

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