Archiv für den Monat: August 2009

>Wann ist der Mann ein Mann

>Wir haben ein Recht darauf dich zu erkennen,
auch nickende Masken nützen uns nichts.
Ich will beim richtigen Namen dich nennen,
und darum zeig mir dein wahres Gesicht.

Sag mir, wo du stehst,

Sag mir, wo du stehst,
usw.

Der Mensch muss kategorisieren. Gut oder böse, richtig oder falsch, schwarz oder weiß, links oder rechts, Mann oder Frau.
Und keineswegs darf man selbst entscheiden was man ist, das müssen schon andere tun. Das Ur-Teil erkennen durch Kardinalgriff oder Gentest. Beides geht nie, das darf nicht sein. Da muss abgeschnitten oder zugenäht werden was die Eindeutigkeit verletzen könnte. Verletzungen zur Verhinderung das sich das wohlgeordnete Weltbild verletzen könnte.
Wir lassen uns doch kein X für ein Y vormachen!!!
Ich denke mal, dass viele bei der WM im 800m Finale einen Mann gewinnen sehen haben. Ich auch. Aber zählt was wir sehen? Können wir entscheiden, ob da eine Frau oder ein Mann gelaufen ist? Zählt als was man erscheint oder als was man sich fühlt? Und hat mal einer gefragt wie sich Mokgadi Caster Semenya, die im übrigen als normales Mädchen aufgewachsen ist- wie ihre Familie und Freunde berichten, jetzt so fühlt?
Aber da ja der Konkurrenzkampf unsere Triebkraft ist müssen wir schön in Geschlechter, Klassen und Rassen einteilen, damit wir unsere Leistungen relativieren können und damit einen Schein von Gerechtigkeit erzeugen. Aber wir sind dabei immer so inkonsequent! Warum gibt es nicht zur Geschlechter- noch eine Rassenwertung? Oder eine Religionswertung? Der Ramadan ist eine sehr große Belastung für das Ausdauertraining! Eins Schwanzlängenwertung (je größer, desto lästiger beim Laufen), eine BMI-Wertung, eine Vegetarier-/Veganerwertung, eine IQ-Wertung, eine Verdienstwertung, eine Politischeausrichtungswertung, eine Homosexuellenwertung, eine Schönheitswertung (die B-Note beim Laufen) usw.? Irgendwie könnte dann- durch geschickte Kombination der Wertungen- jeder gewinnen. Oh Mist! Darum geht’s ja nicht! Es geht doch darum, dass die anderen nicht gewinnen.

>Pokalfieber

>Der Glockenturmlaufpokal ist wohl weltweit der am schwersten zu erringende. Muss man doch alle 4 Läufe der Serie in der Altersklasse gewinnen um schließlich den Pott in seinen Händen halten zu dürfen.

Voriges Jahr gelang mir dies. Nie werde ich diesen hoch emotionalen Moment vergessen. Ich schäme mich keineswegs zuzugeben, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Niemand, der das nicht schon erlebt hat, kann das nachvollziehen. Steffi Nerius hat jetzt vielleicht eine vage Vorstellung davon und Silke.
Dieses Jahr wurde- wie viel zu oft auf dieser Welt- vor dem Kommerz kapituliert und der 2. Lauf zu Gunsten des Firmenlaufs zu Ungunsten gestrichen.
Gestern war nun der 2. Lauf, der eigentlich der 3. hätte sein müssen. Bis Mittag war ich mir sicher nicht laufen zu können. Dann dachte ich aber an meine Fans und die Verantwortung die man als Vorbild hat.
Folgerichtig stand ich dann 18:00 Uhr an der Startlinie und es ging auch fast pünktlich los. Ich hatte einen öffentlichen Dienst Lauf geplant, wollte also nur das machen, was unbedingt nötig ist. Also ordnete ich mich auf Platz 2 der Altersklasse ein und wollte das Geschehen von hinten kontrollieren, um dann irgendwann die Initiative zu übernehmen. Das ging einen Kilometer gut und dann dachte ich mir, dass es ja länger dauert, je langsamer ich laufe und joggen ist ja nun auch nicht gerade das was das Publikum sehen will. Und schon war ich an Position 6. Vor mir Karsten, Jörg, Malte, Jonny und Dirk.
Nach ca. 2 km ist dann Ronald auf mich aufgelaufen und zog uns an Jonny und Dirk ran. Da hatten wir ja mal wieder eine schöne LG eXa Trainingsgruppe. Irgendwann holten wir Malte und in der dritten Runde nahm dann Ronald wieder raus. Irgendwie war das ja auch schon am Sonnabend so.
Zu Beginn der 4. Runde ließ ich dann Jonny und Dirk ziehen und am Ende wartete ich noch auf Ronald. Platz 2, 3, 4, 5 und 6 für die LG eXa. Sehr schön!!!
Hinterher gelang es mir dann beim viertelstündigen Abhusten die Lunge im Körper zu behalten.
Ende gut, Alles gut!
Aber das dicke Ende kommt ja noch, der letzte Glockenturmlauf 2009, da geht’s dann um alles oder nichts.

>Ultra Sports

>Marathon laufen ist bescheuert, Ultra (per Definition alles was länger als Marathon ist) laufen ist total bescheuert und mit einer (wenn auch nur leichten) Erkältung bei einem Ultra starten zu wollen ist wahrscheinlich pathologisch, klinisch.

Folgerichtig habe ich mich gestern für die 50 km innerhalb des Leipziger 100 km Lauf angemeldet. Ronald wollte ja ohnehin starten, Dirk fand es eine gute Idee seinen langen Lauf da hin zu verlegen und schließlich war es mir noch gelungen Jens zu überreden.
Verabredet war ein lockerer Trainingslauf mit der Option sofort aufzuhören, wenn es weh tut.
Früh um 4:00 Uhr aufgestanden, gefrühstückt, den Rucksack gepackt und im Korridor bereit gestellt, angezogen, Stuhlgang usw. und 05:00 Uhr vors Haus gegangen, wo mich Ronald dann mit seinem KFZ aufgegabelt hat.
Um 05:30 waren wir am Auensee, Rucksack aus dem Auto geholt und festgestellt, dass ich den falschen Rucksack angesackt hatte. Schuhe hatte ich die richtigen an und die Laufsachen drunter. Gels hatte Ronald noch eine große Auswahl und da er kein squeezy hatte entschied ich mich für Powergel Vanille. Blieb bloß noch das Problem mit der Startnummer zu klären.
Also zur Anmeldung, dort Bedauern und die Aussage: „Keine Chance!“
Also musste ich Lothar, der als Wettkampfleiter sicherlich andere Sachen zu tun hatte, belästigen und er ist mit mir wieder zur Anmeldung gegangen, hat sich eine nicht abgeholte Startnummer geben lassen und für die Umschreibung gesorgt. Danke Lothar!
Implizit war natürlich damit auch ein gewisser Druck aufgebaut worden durchzulaufen.
Wir hatten uns relativ weit hinten im Starterfeld eingeordnet und sind sehr kontrolliert angelaufen. Aber irgendwie tauchte Dirk nicht auf. Bei Kilometer 3 registrierten Jens und ich Dirk und Ronald hinter uns, nahem ein bisschen raus und ab Kilometer 4 liefen wir dann zusammen, die LG eXa Trainingsgruppe wie Roman beim ersten Durchlauf richtig feststellte. Die Kilometerzeiten pegelten sich so um die 4:15 ein, wir liefen und quatschten, wobei sich Ronald relativ wenig am Gespräch beteiligte. Er nahm dann auch raus und lief sein eigenes Wohlfühltempo weiter. Bei Kilometer 25 verkündete Dirk dann, dass er bei 35 aussteigen wird. Wenn wir also in die Mannschaftswertung kommen wollten müsste ich durchlaufen, noch mehr Druck!
Bei Kilometer 33 ließen dann Dirk und ich Jens ziehen, der etwas schneller geworden war und bei Kilometer 35 ließ Dirk- wie geplant- dann mich ziehen.
Ich konnte das Tempo weiter halten und fühlte mich nicht so schlecht. Super wäre es gewesen, wenn der Lauf nach 40 km, oder spätestens nach dem Marathon vorbei gewesen wäre, war er aber nicht.
Das letzte Gel, kurz vor km 40 konnte ich nur unter Aufbringung aller Willenskraft verzehren, Gehirn siegte über Magen.
Den Marathon in 3:00:05, schade eigentlich. Und dann musste mein Gehirn meinen ganzen Körper zwingen weiter zu laufen. Bei Kilometer 46 stand Dirk, schon sehr gut erholt, und rief mir zu „noch 4 Kilometer die richtig weh tun, aber dann!“. Gut gemeint, half aber nicht. Kurz vor Kilometer 47 längere Pause an der Wasserstelle und dann Körper dicht und durch!
Angekommen bin ich schließlich in 3:37:4, die 10 Kilometersplits sprechen für sich:
– 43:23
– 42:12
– 42:01
– 42:38
– 47:34
Jens ist 5. geworden, Ronald 7. und ich 6. Damit haben wir ziemlich deutlich die Mannschaftswertung gewonnen.
Die Veranstaltung war perfekt organisiert, nur die Strecke war etwas zu weit.
Die medizinische Abteilung hatte sogar was für meinen Hals dabei.
Wie ich mich kenne war das nicht das letzte Mal, dass ich im August morgens 06:00 Uhr auf der August-Bebel-Kampfbahn an der Startlinie stehe.

>So ein Rotz!

>Gestern früh, eigentlich hatte sich das schon vorgestern abend angedeutet, dicker Hals und verschleimte Nasenschleimhäute, körperliches Unwohlsein. Ursache war wohl der Lauf am Montag. Eine Stunde im Regen. Kein schöner Sommerregen, sondern mehr so ein mother nature’s hissyfit. Dafür war ich ja auch völlig alleine im Wald. Alle Unterstellmöglichkeiten waren überfüllt. Die Untergestellten guckten von begehrlich (das bin ich gewohnt) über bewundernd (auch das) bis verwundert (das sowieso), hatten so zumindest einen Gesprächsauslöser und kamen sich dadurch vielleicht sogar näher.

Was tut man nicht alles für die Völkerverständigung?!
Bloß mein Körper, die Bremse meines Willens, fand das nicht so gut.
Gestern also gezweifelt, soll ich starten oder nicht? Schließlich habe ich die Entscheidung auf eine objektive Grundlage gestellt: Fieber-kein Start.
Die axiale Messung um 16:45 ergab 36,7 Grad Celsius- Starterlaubnis.
Mit Jens und Dirk war vorher ausgemacht, dass wir 3.40/km laufen und wenn ich nicht mehr kann laufen sie alleine weiter, damit ich ihnen nicht auch noch das Training versaue.
Pünktlich eine viertel Stunde vor Start setzte dann der Regen ein. Super!
Gestartet wurde in 30 Sekundenabständen, 34 Mannschaften, wir starteten als vorletzte hinter der durch Ronny verstärkten Oberholzer Truppe. Allerdings mussten die Olaf durch Marc ersetzen. Olaf ist noch verletzt, Marc gerade genesen.
Schon unmittelbar nach dem Start war klar, dass der Sportfreund Gersonde sehr gut aufgelegt war. Ich rief im immer zu, was mein Garmin anzeigte, da nahm er dann mal 2 Sekunden raus, dann rief ich wieder usw. Der erste Kilometer in 3:36, im Toleranzmaß.
Dann kamen wir auf den Weg, auf dem mein Garmin sowieso immer nicht klar kommt. Entsprechend wurde dann ein Schnitt von 3:54 angezeigt und ich ließ das mit der Tempokontrolle sein. Noch bevor der 2. Kilometer erreicht war hatten wir Karsten, Marc und Ronny überholt (natürlich hat Jens beim Überholvorgang noch mal beschleunigt). Dann begann das Einsammeln. Eine Mannschaft nach der anderen wurde überholt, das Tempo war eigentlich super, wir liefen gut zusammen, aber ich bekam keine Luft mehr. Nach 4 Kilometern ließ ich dann Jens und Dirk ziehen und trabte aus. Das war zu heftig! Sicherlich hätten wir in einem 3:50er Schnitt weiter laufen können, aber das wäre weder für Jens, Dirk noch mich trainingstechnisch wertvoll gewesen. So habe ich Dirk und Jens nicht noch das Training versaut, sie sind dann mit 54:17 angekommen und haben somit ihr Ding schön durchgezogen.
Bei mir geht’s jetzt weiter mit Krügerol und Ricola und es gilt am Wochenende wieder einen langen Lauf machen zu können. Der Rest ist Kür.

>Sommerabendlauf 2009

>Total verkackt. Exakt 4:02 über Zielzeit.

Aber der Reihe nach:
Sommerabendlauf klingt ja harmlos. Viele Nichtläufer lassen sich dennoch zu einem Sommerabendlauf hinreißen. Deshalb sind die Laufstrecken an Sommerabenden ja auch viel voller als an Wintermorgen.
Der Sommerabendlauf, der hier abgehandelt werden soll, ist ein 20 Kilometer Rennwettstreit am Auensee über 2 Runden.
Start war 18:00 Uhr und es war heiß. Dass den Gesamtsieg Oliver Uhlig und Jens Borrmann unter sich ausmachen war schnell ausgemacht.
Der Start eigentlich wie immer, wenn von der August-Bebel-Kampfbahn gestartet wird. Am Anfang eine große Traube aus der dann auf den ersten 2 Kilometern eine Schlange mit kleinen Gruppen wird, die sich dann wiederum weiter ausdünnen. Nach der Verschlankung waren vorne Oliver, Jens und die beiden Jörgs, danach Pierre ganz alleine (wobei ich nicht glaube, dass das irgendwie als ausländerfeindlich eingestuft werden sollte) und danach Jens-Olaf, Karsten und ich. So liefen wir also und weil selbst Karsten für seine Verhältnisse sehr gleichmäßig lief konnten wir zusammenbleiben. Nun war es nicht so, dass ich unbedingt Gesellschaft haben musste, ich hätte auch nichts dagegen gehabt bei Pierre mitzulaufen, aber ich konnte einfach nicht schneller. Dabei waren die Beine locker und die Luft auch ausreichend. Irgendwo war da so was wie ein Gummiband, dass mich nicht los schießen ließ. Und so liefen wir und liefen und waren dann das vorletzte Mal im Zielbereich, kurz nach dem Durchlauf verkündete Bernd, dass nun 38 Minuten um seien. Da hatten wir die 10 km Marke vielleicht 100 Meter hinter uns. Nicht gut!!! Und es ging weiter wie bisher. Dann waren wir wieder an der Brücke und auf unserer Seite ein Radfahrer der sein Gefährt schob und auf der anderen Seite die entgegenkommenden Läufer. Jens-Olaf und ich konnten passieren, aber Karsten musste warten.
Klar, das Hindernis war auf unserer Seite. Aber ich- als langsamerer Läufer hätte den schnelleren Läufer passieren lassen. Und ich bin überzeugt, dass fast jeder so gehandelt hätte, aber eben nur fast. Wobei ich vorher wusste, dass der nicht warten würde.
Nomen est Omen! Auch wenn unvollständig und nur phonetisch identisch. Platz da, hier komme ich!!!
Also haben wir auf Karsten gewartet, der darüber aber gar nicht so glücklich schien. Und weiter ging’s. Kurze Zeit später verloren wir dann Karsten endgültig und nach der 2, Wasserstelle am Auensee (Danke LCA!!!) war ich dann alleine. Ich war aber nicht schneller geworden. Also musste ich die letzen reichlichen 5 Kilometer irgendwie einsam hinter mich bringen. Ich nutzte die Zeit, nachdem mir Kerstin mitgeteilt hatte, dass nach hinten viel Platz sei, einige Schachpartien von Bobby Fischer im Kopf nachzuspielen, ein Konzept für die SPD zu entwickeln, dass dieser die absolute Mehrheit bei der Wahl sichern würde (schicke ich aber nicht ab, weil der Kanzlerkandidat einen Namen hat, der- phonetisch- Unbehagen bei mir auslöst), eine Primzahl zu errechnen die mehr als 10 Mio. Stellen hat und mir Lady Gaga nackt vorzustellen.
Dann im Ziel bei 1:17:22.
Ausreden gäbe es jetzt genug. Als erstes bietet sich ja die Hitze an. Aber Hitze ist für einen so heißen Typ wie mich eher ein Vorteil, weil ja weniger Wärmeaustausch stattfinden muss. Und wenn mich die Hitze 4 Minuten gekostet hätte, dann müsste sie das auch bei den 5 vor mir Platzierten gemacht haben. Ich- persönlich- traue das ihnen aber- bei allem Respekt- nicht zu.
Was gefehlt hat waren Tempo und Tempohärte. Und wo holt man sich die?
In Wettkämpfen!!!
Auf in den Kampf Picadores…