Archiv für den Monat: September 2009

>Schweißverbot

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Ich hatte da so einen Fleck, vorne an der Schulter. Der juckte und wuchs. Also war ich vor ein paar Wochen bei der erstbesten Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Das Wartezimmer voll, aber gleich ran gekommen. Aha! Eine Unterstützerin der Zweiklassenmedizin. Aber- inkonsequent wie ich nun mal bin- war mir da die schnelle Gewissheit näher als die solidarische Haltung.
Die Doktorin so um die 50, gepflegtes Äußeres, stewardessennett und vom Psychotyp her genaus so wie ich mir eine Frau vorstelle, die sich über viele Jahre Hautflechten, Geschwülste, Tripper, Pilzinfektionen usw. angeguckt hat. Da muss das sensible und schöngeistige einfach auf der Strecke bleiben.
Mein Geschwulst war eine Alterswarze. Kann diese blöde Pute nicht einfach beim medizinischen Fachbegriff bleiben? Wobei Melanolakanthom hätte ich auch nicht so direkt hören wollen.
Klar habe ich das Angebot mal gleich mal den Rest der Haut abzuchecken nicht abgeschlagen.

Suchet so werdet Ihr finden.

Und das klang dann in etwa so:
„Der eine, erhöhte, vergrößerte Leberfleck auf dem Rücken ist asymmetrisch, nicht klar begrenzt und dreifarbig. Es ist wahrscheinlich noch kein Krebs, aber der muss auf alle Fälle raus.“
Der Termin zur Entfernung war dann auf heute morgen vereinbart.
Die „OP“ hat- mit nähen- ca. 2 Minuten gedauert und mir wurde befohlen 14 Tage nicht zu schwitzen.
Gut, dann machen wir eben jetzt die Saisonpause. Was soll’s?!

>Berlin Marathon 2009

>Die Kurzfassung:

Irgendwie schaffe ich es doch noch auf den Tag genau ziemlich fit zu sein. Und dann läuft mir so ein Kretin in die Hacken, ich verzerre mich und muss nach 10 Kilometern raus.
Die längere Fassung:
Unmittelbar nach dem Leipzig Marathon hatte ich beschlossen Berlin zu laufen. Bei gleicher Form- so sagt man- macht man in Berlin sicher 2 Minuten gegenüber Leipzig gut.
Die Vorbereitung lief eigentlich so wie immer. Ausfälle, die es bis 2 Wochen vorm Marathon sehr fraglich machten, ob das eine so gute Idee wäre. Und irgendwie habe ich es dann doch wieder gepackt in Form zu kommen.
Ich bin Sonnabend 11:00 Uhr zu Jörg ins Auto gestiegen, weil er mal noch eben schnell beim Allianz Sportfest die 1.500 Meter gewinnen wollte. Hat auch problemlos geklappt. Wir waren dann am frühen Nachmittag auf der Marathon Messe und da bekam man schon mal eine Vorahnung vom Gigantischen der Veranstaltung.
Jens- als erfahrener Berlin Läufer- hatte festgelegt, dass 08:00 Uhr Treff ist und das war verdammt gut so! Bevor wir ins Sperrgebiet gingen ließen wir uns nicht die Gelegenheit entgehen mal an den Reichstag zu pullern. Allerdings hat keiner das- was wir im Nachhinein als politischen Protest glorifiziert haben- wahr genommen.
Dann ging’s hinter die Gitter. Gaderobe nach Startnummer, alles noch schön leer, auf den Weg zum Startblock noch 4 mal protestiert und viele taten es uns gleich, steigerten das ganze dann sogar noch, in dem sie zeigten, dass sie auf die Konformität des Systems scheißen und sich nicht in Dixies pressen lassen. Na, da haben wir doch gleich mal mitgemacht.
Leider hatte ich vergessen Jörg noch mal anzurufen und so trafen wir uns vorm Start nicht mehr.
Dank Jens‘ Ortskenntnis waren wir im leeren Teil des Startblocks und konnten uns in aller Ruhe einlaufen und ausgiebig, mehrfach protestieren.
Dann trafen wir auch noch den anderen Jörg, den vom anderen Verein, in den er eigentlich wirklich nicht gehört, Jens hatte damit seinen Startpartner.
Super vom Start weg gekommen, keine Probleme, wenig Slalom laufen, nur das erste Kilometerschild verpasst. Beim 2. Kilometer dann gesehen, dass ich so halbwegs im Plan war und weiter im Strom mit geschwommen.
Der Plan:
Der Plan war den 1. Halbmarathon so zwischen 1:17:00 und 1:17:30 angehen und versuchen auf dem 2. Halbmarathon so wenig wie möglich einzubüßen. Der erste Teil stimmte mit dem ersten Teil von Jörgs Plan überein.
Dann sah ich vor mir Melanie Schulz. Sie hatte ja einen Halbmarathon in 1:15 abgeliefert und war genau in meinem Tempobereich. Sehr gut!!!
Was ich allerdings mal wieder unterschätzt habe ist der Egoismus des Läufers. Die haben tatsächlich riskiert Melanie in die Hacken zu laufen- nur um auf der Ideallinie zu bleiben. Vollidioten!!! Als ich dann mal- ich schwöre, es war Zufall- auf der Ideallinie war lief mir doch tatsächlich so ein Vollidiot, zum ausdrücklichen Zwecke der Verdrängung- in die Hacken.
Startnummer: 8581
Ich versuchte dann dort zu laufen wo etwas mehr Freiraum war, aber es war offensichtlich schon zu spät. Ich spürte hinten im Oberschenkel einen permanenten Schmerz. Nun ist es ja normal, dass ich beim Laufen Schmerzen habe. Manche kommen, gehen dann wieder weg, kommen dann wieder und ich kann gut mit ihnen leben, in dem ich sie einfach ignoriere. Aber der Schmerz hier ließ sich nicht so richtig ignorieren und bei Kilometer 5 akzeptierte ich ihn dann auch.
Es lief wirklich richtig gut. Die Beine waren locker (trotz Schmerz). Luft war kein Problem. Die Bewegungsabläufe stimmten, es rollte. Magen, Darm, Blase verhielten sich ruhig. Und ich war heiß wie lange nicht. Nach km 9 war dann auch Jörg aufgelaufen und wir liefen nun nebeneinander.
Aber dieser Schmerz ging einfach nicht weg. Irgendwann war dann auch noch 2x ein kurzes Stechen und mir war klar, das hältst Du keine 32 Kilometer mehr aus. Kur nach Passieren der 10 km Marke dann Verabschiedung von Jörg und raus.
Wenn man in Tights und Singlet mit Startnummer über den Alex und Unter den Linden lang läuft ist es nicht so, dass man nicht auffallen würde.
So ein Abbruch hat aber auch Vorteile:
Ich war ganz allein unter der Dusche (gut, das Wasser war noch nicht warm, aber das macht ja einem Naturburschen wie mir nichts aus). Ich war der erste bei der Massage und konnte mir 2 Masseusen aussuchen. Die ließen sich dann richtig Zeit und gaben sich unheimlich viel Mühe. Ich habe ihnen aber trotzdem nicht meine Handynummer gegeben. Schließlich bin ich es ja gewohnte gebrochene Herzen zu hinterlassen.
Und dann konnte ich ja auch noch völlig entspannt bei den Zeileinläufen zugucken und sehen wie Jörg unter 2:35 einläuft.
Und was haben wir gelernt?
Der Franzose ist und bleibt der Erbfeind.
Der Unterschied zwischen dem Frankfurt Marathon und dem Berlin Marathon ist ungefähr so wie der zwischen dem Leipzig Marathon und dem Frankfurt Marathon.
Nächstes Jahr wieder Berlin!!!
Strecken und recken, dehnen und sehnen sind vielleicht doch nicht so unnötig. Es wird ein Gymnastikanzug gekauft und das ABC des Laufens regelmäßig repetiert.
Und wenn mir dann wieder einer in die Haxen latscht, kann ich austreten.

>Doch irgendwie halb voll

>Ich konnte die letzten Wochen nicht nach Plan laufen. Die Erkältung, die irgendwie durch die Wettkämpfe zwischendurch nicht schneller abgeklungen ist, hat verhindert auch nur halbwegs an die Tempi ran zu kommen die im Plan stehen.

Immer wenn ich dachte, dass es wieder gehen könnte hab ich’s versucht, es ging auch, doch dann am nächsten Tag ging nichts mehr.
So auch diese Woche. Am Montag dann den ersten Intervallversuch in dieser Vorbereitung nach dem vierten 1.200er wegen Sinnlosigkeit abgebrochen. Dienstag dann wieder bisschen Grundlagen, Mittwoch und Donnerstag Tee getrunken. Freitag und Sonnabend jeweils einen kurzen lockeren Lauf und heute stand dann der Halbmarathon in Halle auf dem Plan. Bezahlt war, Annett wollte auch nach Halle, testen muss ohnehin sein und ein Halbmarathon geht ja schließlich immer.
In Halle ist es ja so, dass der 10 km Lauf am Vorabend stattfindet und der Marathon in Spergau startet. Da beim Halbmarathon (wenn ich das richtig sehe) nur exakt 1.000 LäuferInnen angekommen sind und wir ausreichend zeitig da waren, gestaltete sich die Anmeldung sehr entspannt.
Eigentlich sah das Wetter die ganze Zeit gut aus, aber 20 Minuten vor Start fing es an zu regnen. Also lief ich mich nur ganz kurz ein und suchte dann einen Unterstand. Im Startbereich herrschte dann Herdenwärme und pünktlich mit dem Startschuss hörte der Regen auf.
Zunächst ging es erst einmal eine Runde durch die Stadt mit erneutem Start/Zielbereich Durchlauf. Diesmal standen keine Autos im Weg und als wir dann auf der Hochstraße waren hatte sich das Vorderfeld weitgehend formiert. Beim Kilometer 2 hatte ich 6:53 weg und ich einigte mich mit einem Mitläufer, dass das Schild falsch steht. Bei km 3 dann 10:37, das sah schon besser aus. Ich fühlte mich gut und fing jetzt an meinen Test durchzuführen. Schön das Tempo hoch halten und dann mal sehen was passiert. Kilometer 5 passierte ich in 17:45 und alles war gut. Dann ging es in den Stadtpark (nennt man das in Halle so?) Parkwege, vom Regen ein bisschen aufgeweicht, viele spitze Kurven, einige An- und Abstiege… Aber ich war nicht mehr allein. Erst waren wir zu zweit, dann zu dritt und das Tempo war nach wie vor ok. Dann- es muss so bei km 9 gewesen sein- kam noch einer dazu. Den kennst Du doch?! Ist das nicht der Japaner der die 100 km von Leipzig gewonnen hat? Kurze Verständigung und nochmalige Respektbezeugung. Bei Kilometer 10, teilten wir uns dann in zwei Zweiergruppen, wobei ich in der zweiten war. Zwischenzeit übrigens 35:54.
Aus unserer Zweiergruppe wurden dann auch zwei Einergruppen und ich diesmal in der ersten, wobei ich mich immer wieder zwingen musste nicht in einen Trott zu fallen.
Irgendwann dann, bei Kilometer 15, 16 oder so ging es zur Burg Giebichenstein. Normalerweise würde man jetzt von einem kurzen, knackigen Anstieg schreiben. Aber ich fand den wirklich nicht kurz und war, oben auf dem Kopfsteinpflaster angekommen, so richtig im Arsch. Nach kurzer Orientierungslosigkeit erkannte ich dann, dass es links weiter gehen musste, weil rechts der Weg aufhörte. Dann brauchte ich erstmal eine ganze Weile bis ich wieder bei mir war und schon war ich wieder auf einem Parkweg.
Bin ich noch richtig? Keine Ahnung! Einfach weiter laufen! Ah, eine Absperrung, doch richtig!
Dann kamen mir Läufer entgegen, auf der Erde waren Pfeile in beiden Richtungen, also angehalten und erstmal Passanten nach dem Weg gefragt.
Rückstand nach vorne riesig, Vorsprung nach hinten vielleicht 50 Meter. Egal!
Bei Kilometer 18 war ich dann auf einer Zielzeit von knapp über 1:17. Aber ich wusste, dass ab jetzt nur noch fester, harter Untergrund kommt und dass es am Schluss bergab geht.
Sehr schön war, dass genau 1 Kilometer vorm Ziel jemand mit Stoppuhr stand und mir 1:13:07 zurief. Einwandfrei, es bleibt unter 1:17.
Am Ende ist es eine 1:16:42 geworden. Test bestanden! Berlin kann kommen!!!
Nebenbei bin ich noch 10. der Gesamtwertung und 1. in der Altersklasse geworden.