>Berlin Marathon 2009

>Die Kurzfassung:

Irgendwie schaffe ich es doch noch auf den Tag genau ziemlich fit zu sein. Und dann läuft mir so ein Kretin in die Hacken, ich verzerre mich und muss nach 10 Kilometern raus.
Die längere Fassung:
Unmittelbar nach dem Leipzig Marathon hatte ich beschlossen Berlin zu laufen. Bei gleicher Form- so sagt man- macht man in Berlin sicher 2 Minuten gegenüber Leipzig gut.
Die Vorbereitung lief eigentlich so wie immer. Ausfälle, die es bis 2 Wochen vorm Marathon sehr fraglich machten, ob das eine so gute Idee wäre. Und irgendwie habe ich es dann doch wieder gepackt in Form zu kommen.
Ich bin Sonnabend 11:00 Uhr zu Jörg ins Auto gestiegen, weil er mal noch eben schnell beim Allianz Sportfest die 1.500 Meter gewinnen wollte. Hat auch problemlos geklappt. Wir waren dann am frühen Nachmittag auf der Marathon Messe und da bekam man schon mal eine Vorahnung vom Gigantischen der Veranstaltung.
Jens- als erfahrener Berlin Läufer- hatte festgelegt, dass 08:00 Uhr Treff ist und das war verdammt gut so! Bevor wir ins Sperrgebiet gingen ließen wir uns nicht die Gelegenheit entgehen mal an den Reichstag zu pullern. Allerdings hat keiner das- was wir im Nachhinein als politischen Protest glorifiziert haben- wahr genommen.
Dann ging’s hinter die Gitter. Gaderobe nach Startnummer, alles noch schön leer, auf den Weg zum Startblock noch 4 mal protestiert und viele taten es uns gleich, steigerten das ganze dann sogar noch, in dem sie zeigten, dass sie auf die Konformität des Systems scheißen und sich nicht in Dixies pressen lassen. Na, da haben wir doch gleich mal mitgemacht.
Leider hatte ich vergessen Jörg noch mal anzurufen und so trafen wir uns vorm Start nicht mehr.
Dank Jens‘ Ortskenntnis waren wir im leeren Teil des Startblocks und konnten uns in aller Ruhe einlaufen und ausgiebig, mehrfach protestieren.
Dann trafen wir auch noch den anderen Jörg, den vom anderen Verein, in den er eigentlich wirklich nicht gehört, Jens hatte damit seinen Startpartner.
Super vom Start weg gekommen, keine Probleme, wenig Slalom laufen, nur das erste Kilometerschild verpasst. Beim 2. Kilometer dann gesehen, dass ich so halbwegs im Plan war und weiter im Strom mit geschwommen.
Der Plan:
Der Plan war den 1. Halbmarathon so zwischen 1:17:00 und 1:17:30 angehen und versuchen auf dem 2. Halbmarathon so wenig wie möglich einzubüßen. Der erste Teil stimmte mit dem ersten Teil von Jörgs Plan überein.
Dann sah ich vor mir Melanie Schulz. Sie hatte ja einen Halbmarathon in 1:15 abgeliefert und war genau in meinem Tempobereich. Sehr gut!!!
Was ich allerdings mal wieder unterschätzt habe ist der Egoismus des Läufers. Die haben tatsächlich riskiert Melanie in die Hacken zu laufen- nur um auf der Ideallinie zu bleiben. Vollidioten!!! Als ich dann mal- ich schwöre, es war Zufall- auf der Ideallinie war lief mir doch tatsächlich so ein Vollidiot, zum ausdrücklichen Zwecke der Verdrängung- in die Hacken.
Startnummer: 8581
Ich versuchte dann dort zu laufen wo etwas mehr Freiraum war, aber es war offensichtlich schon zu spät. Ich spürte hinten im Oberschenkel einen permanenten Schmerz. Nun ist es ja normal, dass ich beim Laufen Schmerzen habe. Manche kommen, gehen dann wieder weg, kommen dann wieder und ich kann gut mit ihnen leben, in dem ich sie einfach ignoriere. Aber der Schmerz hier ließ sich nicht so richtig ignorieren und bei Kilometer 5 akzeptierte ich ihn dann auch.
Es lief wirklich richtig gut. Die Beine waren locker (trotz Schmerz). Luft war kein Problem. Die Bewegungsabläufe stimmten, es rollte. Magen, Darm, Blase verhielten sich ruhig. Und ich war heiß wie lange nicht. Nach km 9 war dann auch Jörg aufgelaufen und wir liefen nun nebeneinander.
Aber dieser Schmerz ging einfach nicht weg. Irgendwann war dann auch noch 2x ein kurzes Stechen und mir war klar, das hältst Du keine 32 Kilometer mehr aus. Kur nach Passieren der 10 km Marke dann Verabschiedung von Jörg und raus.
Wenn man in Tights und Singlet mit Startnummer über den Alex und Unter den Linden lang läuft ist es nicht so, dass man nicht auffallen würde.
So ein Abbruch hat aber auch Vorteile:
Ich war ganz allein unter der Dusche (gut, das Wasser war noch nicht warm, aber das macht ja einem Naturburschen wie mir nichts aus). Ich war der erste bei der Massage und konnte mir 2 Masseusen aussuchen. Die ließen sich dann richtig Zeit und gaben sich unheimlich viel Mühe. Ich habe ihnen aber trotzdem nicht meine Handynummer gegeben. Schließlich bin ich es ja gewohnte gebrochene Herzen zu hinterlassen.
Und dann konnte ich ja auch noch völlig entspannt bei den Zeileinläufen zugucken und sehen wie Jörg unter 2:35 einläuft.
Und was haben wir gelernt?
Der Franzose ist und bleibt der Erbfeind.
Der Unterschied zwischen dem Frankfurt Marathon und dem Berlin Marathon ist ungefähr so wie der zwischen dem Leipzig Marathon und dem Frankfurt Marathon.
Nächstes Jahr wieder Berlin!!!
Strecken und recken, dehnen und sehnen sind vielleicht doch nicht so unnötig. Es wird ein Gymnastikanzug gekauft und das ABC des Laufens regelmäßig repetiert.
Und wenn mir dann wieder einer in die Haxen latscht, kann ich austreten.

Ein Gedanke zu „>Berlin Marathon 2009

  1. Sachsenwilli

    >Das ist natürlich furchtbar bitter, wenn man so ausscheiden muss.
    Wieso war der denn eigentlich hinter Dir, der ist mit einer 18:30 angegangen, stand also wahrscheinlich zu weit vorn, oder????

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