Archiv für den Monat: März 2011

Nur die Mannschaft zählt

Ich mag das Wort „Team“ nicht. Die englische Sprache hat ja mehr Wörter als die deutsche. Doch manchmal ist die deutsche Sprache einfach präziser. Meeting statt Besprechung oder Treffen, Team statt Kollektiv oder Mannschaft sind – aus meiner Sicht – Anglizismen die über die Sprache kulturdegenerierend wirken.
In Bezug auf die gegenwärtigen schrecklichen Ereignisse in Japan wird versucht zu erklären warum sich die Japaner verhalten wie sie sich verhalten. Wenn eine Gruppe von Japanern in einer Reihe steht um rationiertes Wasser zu erhalten, nimmt der Erste (normalerweise) nur so viel, dass sicher gestellt ist, dass der Letzte auch noch ausreichend erhält.
Der Einzelne zählt nur in der Gruppe!
Das funktioniert bei uns nicht mehr.
Nehmen wir mal so ein einfaches Beispiel wie einen Team Marathon. Okay, ich gebe zu, dass ich mir mit Läufern eine der egoistischsten Gruppen herausgepickt habe, aber man will ja verdeutlichen. Bei einem Team Marathon läuft man als 3er Mannschaft zusammen 42,195 km. Theoretisch! Aber in Wirklichkeit läuft jeder für sich und nicht die Gruppe, sondern der Schwächste zählt.
Beim diesjährigen Brandenburger Team-Marathon war von Anfang an klar, dass ich in unserer Gruppe der Schwächste sein würde. Voriges Jahr war das erst ab Runde 4 klar. Also schon mal bessere Voraussetzungen. so konnte ich das Tempo für die Gruppe vorgeben und mit ca. 4:15/km fühlte ich mich wohl. Nebenbei führte dieses Tempo auch noch dazu, dass wir relativ rasch deutlich in Führung lagen.
Man kann sich immer wieder sagen, dass es nur ein Trainingslauf und unverletzt ankommen das wirklich wichtige sei, aber unterm Strich ist es dann doch irgendwie wieder eine archaischer Kampf Jedens gegen Jeden.
Und da waren sie dann wieder die Gedanken, Sieg, Streckenrekord, Zeit unter 3 Stunden…
Dabei ist in Brandenburg eine ziemlich schöne 7 Kilometer Runde sechsmal zu durchlaufen. An der Strecke stehen reichlich Helfer, die anfeuern, motivieren, applaudieren. Es gibt 2 Verpflegungspunkte. Nichts was einem ruhigen, entspannten, genussvollen Training entgegen stünde.
Außer eben der Wettbewerb um Zeit und Platz.
Den Halbmarathon hatten wir knapp unter 1:29 passiert und auch auf Runde 4 konnte ich das Tempo noch halten. Aber kaum auf Runde 5 war es mit der Lockerheit vorbei. Ich wurde langsamer und musste kämpfen. Zwar half nun, dass der DJ auf Rundenhälfte immer Hard Rock oder Heavy Metal spielte, wenn wir vorbei kamen (ich hatte ihm auf Runde 3 gesagt, dass das brutalste an dem Lauf die Musik – Ballermann like – wäre), aber eben immer nur für viel zu kurze Zeit.
Dann wieder auf den 300 Metern schlaglöchrigen Asphaltstraße, Matthi kümmerte sich um mich (Ihre Getränkebestellung bitte!) und war plötzlich in einem Schlagloch verschwunden. Als er wieder raus gekrabbelt war konnte er nicht mehr gehen. Mit dem Fußgelenk umgeknickt, Bänder überdehnt. Profi wie ich bin habe ich dann gleich mal die Uhr abgedrückt. Gut, hat eben nicht sollen sein, was soll‘s!
Der Spreche war ruhig, die Zuschauer waren ruhig, ein Krankenwagen fuhr auf (kein Eis, kein Voltaren Gel o.ä. an Bord) und dann lief Matthi einfach weiter.
Na gut!
Also weiter hinter her geschlichen. Das letzte Mal beim DJ, diesmal mit Wunschlied: Black Sabbath Paranoid, dann noch mal bei den Mädels die für jede Runde eigene – selbst gemalte – Schilder („Finale Oh Oh“) hatten. Dann der Asphaltweg, zusammenreißen, anfassen, Arme hoch, Sieg!
Und das ist dann ein Gefühl dem sich sicherlich auch die wenigsten Japaner entziehen können.
Bleibt zum Schluss noch zu erwähnen, dass Ronald auch mit gelaufen ist und als einziger von uns Dreien nicht berichten kann das und wie er sich für die Gruppe aufgeopfert hat. Und dass die Helferinnen extra in eine Apotheke gefahren sind und dann mit Eisspray für Matthi ankamen – für nächstes Jahr. Und dass es wieder sehr nett war. Und dass die Oberbürgermeisterin wieder den Startschuss abgegeben hat. Und…

Mazdalauf 2011

Als mich Silke vor 2 Wochen fragte, ob ich Lust hätte am 06.03. mit dem Rad nach Eilenburg zu fahren, dort ein paar Runden zu laufen und dann mit dem Rad zurückzufahren habe ich gesagt, hinfahren sehr gerne, laufen mal sehen, zurück fahren sehr gerne.
Langsam muss es ja mal los gehen mit dem Training und der Mazdalauf in Eilenburg ist ja irgendwie zu meinem traditionellen Saisonstart geworden.
Silke wollte sich mit mir in Eilenburg treffen, aber Heiko hatte vormittags nichts weiter vor und führte mich hin. Fast wie in alten Zeiten.
Kalt war‘s! Trotz Überschuhen, Socken und Seal Skinz musste ich in Eilenburg erstmal nachgucken ob meine Zehen nicht schon schwarz waren.
Peter war so lieb mich angemeldet zu haben und so konnte ich mich in Ruhe umziehen, Silke kam dann auch gleich, ein bisschen locker laufen, mit Nancy, Thomas und Tom schwatzen und mich dann einreihen.
Start – wie es sich gehört – von ganz hinten. Aber das war mir dann doch zu langsam und ich nahm lockeres Tempo auf. Wenn man nichts vor hat überholt es sich auch ganz locker. Und es lief rund. Das Gefühl war wieder da, es fühlte sich leicht an und es hat sogar richtig Spaß gemacht. Beim Überholen ein paar Bekannte begrüßt und dann war auch schon die erste Runde um. Der Garmin zeigte da einen 3:54er Schnitt an, doch viel schneller als ich dachte. Aber der Garmin stimmt ja eh nie und schon gar nicht auf der kurvenreichen Strecke in Eilenburg.
Nach 1,5 runden hörte ich, dass die Führenden nun gleich in die 2. Runde gehen würden. Damit hatte ich gerechnet, überrundet werden. Kurz nach Beginn der 3. Runde war es dann soweit. Falk flog an mir vorbei. Ich sagte noch super Falk, er winkte mir kurz zu und dann konnte ich einige Augenblicke seine trainingslagergebräunten Beine und seinen sauberen Laufstil bewundern.
Dann Kontrastprogramm: Ich war auf Thomas aufgelaufen. Von hinten brüllte ich: Ellenbogen ran, Arme nach vorne! Half, zumindest wurde er sofort schneller – zu schnell für mich.
Nun kam wieder der Blödsinn durch, das Liebäugeln mit einer sub 40er Zeit. Aber als der Garmin ca. 200 Meter vor der 9 Kilometer Marke piepte hatte ich mich schon wieder im Griff und scheiterte an der $0 Minuten Marke ohne es wirklich versucht zu haben.
Drei waren vor mir, einer hinter mir, alle kämpften, das sollte belohnt werden. Kein Widerstand, zumindest nicht hier!
Im Ziel dann mit 40:17, kurz mit Thomas unterhalten und ihm meine Ehrerbietung dargebracht, länger abgehustet, RedBull und Kaffee getrunken (durcheinander) und dann wurde der Rückweg ausgehandelt.
Da uns kalt war beschlossen wir doch erstmal Richtung Leipzig zu fahren und zu sehen was sich ergibt. Und es ergab sich, dass das Wetter doch noch super wurde und eine Runde um den Schladitzer See geradezu erforderte.
Und so wurde es ein Trainingstag mit 81 km Rad und 10 km Lauf.
Der Einstieg in die Saison eben!

Ausdauertraining verleiht Flügel

Ich bin wieder da! Ganz der alte Alte und doch ganz der alte Neue. Ich laufe wieder, ich bin wieder Sportler, es macht manchmal wieder Spaß, nur habe ich keinerlei Wettkampfambitionen mehr.
Klar werde ich noch Wettkämpfe laufen und klar bereite ich mich immer noch auf Roth vor, aber mir geht‘s jetzt wirklich nur noch um mich.
Irgendwann hatte ich beschlossen alle Medikamente einfach abzusetzen. Ich habe mich nicht gut gefühlt mit diesen Sprays. Immer war da im Hintergrund dieser permanente Hustenreiz. Und der Körper voller Kortison und Steroiden, ohne dass da auch nur irgendein Muskel auch nur ein bisschen gewachsen wäre, von erhöhter Leistungsfähigkeit ganz zu schweigen. Allerdings die Regenerationsgeschwindigkeit – das muss ich zugeben – war atemberaubend.
Dann gab‘s also erstmal einen kalten Entzug. Der Ruhepuls war in Höhen die meinem früheren Puls beim Marathonrenntempo entsprach und auch sonst war‘s nicht wirklich schön. Keine Lust zu irgendwas…
Und dann habe ich wieder zu trainieren angefangen. Endlich wieder Schmerzen in den Muskeln, endlich wieder dieses völlige Ausgebranntsein, endlich wieder Unterzuckerung, endlich wieder auf der Straße. Und eines Tages war er weg der permanente Hustenreiz. Klar, nach dem Laufen, bei wenig Schlaf, Stress etc. erinnern mich die Bronchien an meine Sorgfaltpflicht, aber im „normalen“ Leben bin ich beschwerdefrei.
Ausdauertraining verleiht Flügel!!!
Und zu allem Überfluss habe ich dann auch noch Born to Run von Christopher MacDougall gelesen.
Es ist nicht mehr oder weniger als ein Spiel und ich spiele wieder mit.
Und ich werde mir immer wieder vor Augen halten was mein bester Wettkampf war. Das war der Lauf als ich Willi geholfen habe den Halbmarathon unter 1:29 zu laufen.
Ich will nicht mehr gewinnen, ich will wieder Spaß haben!