Wann ist der Triathlet ein Triathlet?

So rein formal Triathlet zu werden ist ganz einfach: man besorgt sich einfach einen DTU (Deutsche Triathlon Union) Startpass. Ein Startpass sieht in etwa so aus wie eine Geldkarte und ist für 2011 im dezenten knallrot gehalten. Mit einem Startpass hat man nicht nur die offizielle Bestätigung in der Hand, dass man zur Familia gehört, man hat auch gleichzeitig die Berechtigung erworben bei einer Reihe von Wettkämpfen zu starten ohne eine Tageslizenz erwerben zu müssen.
Gleichzeitig hat man aber die Berechtigung verloren bei sogenannten Jedermänner Rennen an den Start zu gehen. Was eigentlich eine sehr gute Maßnahme ist (schließlich sollen die Jedermänner – und frauen ja nicht demotiviert werden weil solche Superathleten wie ich mit an der Starlinie stehen) aber übermotivierte sieggeile Startpassinhaber bei denen das Talent offensichtlich nicht reicht bei den Großen vorne mitzuspielen unterlaufen das gerne immer wieder und brüsten sich dann mit ihren Platzierungen .


Ich gehöre ja nun leistungsmäßig ganz klar – maximal – zu den Jedermännern. Da ich aber einen Startpass besitze (ich hörte, dass sich die Straßenverkehrswacht beeindruckt zeigt, wenn man nach dem Anhalten wegen des Verstoßes gege die Radwegbenutzungspflicht einen Startpass vorweisen kann) muss ich mit den Großen spielen. Und da ja wenn schon denn schon beim ersten Marathonstart (4:22 mit langanhaltenden Ganzkörperschmerzen) so super geklappt hat war mein erster Triathlon ein Regionalligawettkampf.
Der Silberstromtriathlon in Schneeberg war der Start zur diesjährigen Triathlon Regionalliga Ost. Zu sechst reisten wir an (Fabian, Dirk, André, Enrico, Jens und ich), zu fünft gingen wir an den Start.
Noch auf der Anfahrt bekam ich die Information „Neoverbot“.
Triathlon ist nicht einfach nur schwimmen, Rad fahren , laufen und zwischendurch schnell umziehen (beim letzteren kommt mir meine langjährige Modelkarriere sehr entgegen). Nein, es gibt auch ein sehr kompliziertes Regelwerk und in dem steht, dass bei Schwimmstrecken bis einschließlich 1.500 Metern und Wassertemperaturen ab 20 Grad Celsius die Elite nicht mit Neoprenanzug schwimmen darf. Hey, und wenn Regionalliga nicht Elite ist – was sonst?
Jens hat sich ja dem Triathlonsport nur zugewandt um sich ohne die Gefahr der Strafverfolgung hin und wieder öffentlich in einen schwarzen Gummianzug zwängen zu können und dann mal gleich auf seinen Start verzichtet. Damit schwanden meine Chancen nicht mit Riesenabstand als Letzter aus dem Wasser zu kommen gegen Null. Aber nun war ich ja einmal da…
Ich weiß nicht, warum dieser Dreckstümpel in Schneeberg Filzteich heißt und ich befürchte, dass es besser ist das nicht zu wissen. Jedenfalls fand ich mich kurz nach dem Start – standesgemäß – am Ende des Feldes konnte aber Kontakt zu den vor mir schwimmenden halten. Als ich noch so dachte „na so schlecht läuft das doch gar nicht“ stellte ich fest, dass ich nun doch völlig allein hinterher schwamm. Na ja, es bestand ja immer noch die Option nach der ersten von zwei Runden das Experiment abzubrechen. Aber irgendwie hatte ich da das Gefühl ewig so weiter vor mich hinschwimmen zu können und da kamen auch schon die erstem Master. Master sind Altersklasse Athleten, die sich aufgrund des Testosteron Abbaus nicht mehr mit den Jungen messen wollen. Ab dem Jahr in dem man 40 wird darf man bei den Mastern starten -wenn man will. Allerdings braucht man mindestens vier Master für eine Mastermannschaft und wir waren nur drei Master, also starteten wir eben bei der Elite. Die Master waren 10 Minuten nach uns gestartet und durften im Neo schwimmen. Ich verstehe diese regel wirklich nicht und habe auch noch nie gehört, dass man im Alter weniger schwitzt oder kälteempfindlicher ist, aber Regeln sind eben Regeln. Man muss sich nicht dran halten, dann aber mit den Konsequenzen leben können.
Das Problem ist bloß, dass es beim Neo nur ganz nebenbei um die Wärmedämmung geht, sondern vielmehr um den Auftrieb. Ein Großteil der Kraft beim Schwimmen muss dafür aufgewendet werden nicht unterzugehen. Im Neo kann man nicht untergehen, da schwimmt man wie ein Fettauge auf dem Wasser.
Apropos Fettauge, die ersten Master zogen also an mir vorbei und bevor ich mich auf Runde 2 machen konnte kamen auch schon die ersten Frauen (auch ohne Neo), die eine halbe Stunde nach uns gestartet waren, aber nur eine Runde schwimmen mussten, sich also die Kräfte nicht so einteilen mussten wie ich Eliteheld.
Durch die Master, die mich nach und nach überholten, fiel es nicht mehr ganz so auf, dass ich so alleine dem Feld hinterher schwamm. Dann -nach Passieren der letzen Boje – sah ich ihn. Weiße Badekappe – ein Regionalligaeliteathlet. Sollte da tatsächlich noch was gehen? Und ja, es ging. Ungefähr 20 Meter vorm Wasserausstieg zog ich an ihm vorbei.
!!! Penultimate out of water !!!
Das Schwimmtraining hatte sich mit einem Mal mehr als gelohnt.
Aber was war das? Was machten denn da meine Beine? Ich hatte extreme Mühe nicht Umzufallen und aus dem Wasser zu kommen. Wie soll ich so denn noch Rad fahren un laufen?
Doch nach 50 Metern ging es wieder und ich suchte mein Rad. Der Vorteil als einer der letzten nach dem Schwimmen in die Wechselzone zu kommen ist, dass man sehr schnell Übersicht gewinnt.
Die erste „Transition“ meines Lebens klappte dann auch weitgehend reibungslos und ab gings aufs Rad.
Fabian war – Profi wie er ist – schon am Vortag angereist und hatte die Strecke besichtigt. Zu fahren waren fünf Runden und so ziemlich am Anfang sollte – laut Fabian – nach einer Rechtskurve ein Anstieg in zwei Wellen sein, den man am Anfang nicht so raufpulvern sollte. Ich also in die erste Rechtskurve und ja, da war der Anstieg. Der erwies sich allerdings als eher lächerlich und ich verstand Fabians Problem nicht so richtig. Dann ging es schön bergab und ich konnte auf über 50 km/h beschleunigen. Dann eine Rechtskurve und…
Ok, das hier meinte Fabian also. ein wirklich fieser Anstieg und auch nicht zu kurz. Fünfmal musste man den hoch und jedesmal wurde er irgendwie steiler und länger.

Am Berg überholte ich mehr als dass ich überholt wurde, bergab war das umgekehrt. Mir ist es lieber so und ich hatte das Gefühl auf der Radstrecke so halbwegs mithalten zu können.
Auf der letzten runde sah ich dann plötzlich Enrico vor mir. Damit hatte ich nicht gerechnet. Schneller als Enrico auf dem Rad – wie geht das denn? Aber nicht groß überlegt, weiter gestrampelt und passiert. Ob das noch mal passiert? Ich glaubs fast nicht.
Dann wieder Wechsel, wieder keine Probleme und ab ging‘s auf die Laufstrecke. Komisch hat sich‘s angefühlt. Ich hatte das Gefühl höchstens einen 5:30er Schnitt zu laufen, die Uhr zeigte aber immer Werte zwischen 4:00 und 4:15 an. Und ich überholte einen nach dem anderen.
Freilich hatten die meisten Überholten mindestens eine Runde Vorsprung und die vier Runden haben nicht gereicht um die Defizite beim Schwimmen auszugleichen – aber immerhin.
Am Ende war es dann Platz 93 von 103 und ein sensationeller 16. (von 20) Platz für die Mannschaft.
Und, ja- ich bin jetzt Triathlet.

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