Delivered – part 2

Morgens 03:30 Uhr in Deutschland. Um vier sind wir zum Frühstück verabredet. Ich könnte also noch schlafen wenn ich könnte. Aber ich bin wach. Vier Stunden Schlaf sind in der letzten Nacht sicherlich zusammengekommen, das muss reichen. Sachen sind gepackt, da würde jetzt die Zeit ohnehin nicht mehr reichen. Den blauen Beutel mit den Laufsachen habe ich schon gestern abgegeben, im roten Beutel sind die Radsachen und im grünen Beutel die Sachen für hinterher. Also erstmal einen Saft mit Chia trinken und dann die Getränke für davor und fürs Rad fahren mischen. Irgendwann war dann auch das Klo frei und ich konnte zur Morgentoilette übergehen.

Morgens um vier in Roth und Umgebung: Frühstück.
Alle waren da – außer Gersondes – die nicht so einen Wert darauf legen viel vom Tag zu haben. Dafür hatten wir dann um so mehr von diesem Tag der Tage. Wie die Stimmung beim Frühstück so war weiß ich nicht mehr, was gegessen wurde, weiß ich nicht mehr, was gesprochen wurde weiß ich nicht mehr, ich weiß nur, dass ich noch zwei mal auf dem Klo war.
Um fünf war dann Abfahrt und da Dirk Schleichwege erkundet hatte kamen wir ziemlich unproblematisch in die Nähe des Schwimmstarts.
In Roth wird in Wellen gestartet. Die erste Well startet 06:30 Uhr. Ich war in Welle 5, Start 07:05 Uhr. Egal in welcher Welle man war, Einfinden am Schwimmstart: 05:40 Uhr. Eine Stunde und 25 Minuten  höchstes Vorstartfieber. Flaschen am Rad angebracht, 2x Dixie, 3x Busch, noch mal mit Dirk gequatscht, dabei ein paar alte Badelatschen für den Weg zum wasser abgestaubt, Stefan begrüßt, Uwe eingerieben und vor allem zwischendurch immer mal versucht die Atmosphäre zu genießen. Da lag was in der Luft, emotions- und unheilgeschwängert.

Und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Da am Gang zum Schwimmstart Dixies standen und sich schon die Folgewellen in den Gang gebracht hatten war Stop and go zum Wasser angesagt. Dann wäre ich doch glatt mit Badelatschen los geschwommen, aber auch dafür gibt’s ja Helfer und als ich fast schon dei 50 Meter bis zur Startlinie geschwommen war fiel der Startschuss für unsere Welle,
Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass man, wenn man sich am rechten Rand aufhält, nicht von den Folgewellen überschwommen wird. Nun ist ja normalerweise der rechte Rand immer genau auf der anderen Seite von mir, aber wenn man schon schwimmt und damit keinen Standpunkt hat, darf man ausnahmsweise auch mal am rechten Rand mitschwimmen. Und am rechten Rand ist die Orientierung überhaupt kein Problem. Man muss nur sehen, dass man immer soweit wie möglich rechts bleibt.
Schwimmen ist in Roth eine gerade Sache. 1.700 Meter gerade aus, Wende, 1.900 Meter zurück, Wende, 200 Meter zum Ausstieg. Das kam mir sehr entgegen.
Am Anfang schwamm ich in einer Truppe mit, die sich dann aber entfernte. Nach einer weil war ein Stück vor mit das zugvogelähnlich aufgebaute Feld, dann eine Lücke, dann ich. Verschämte Blicke nach links und hinten (rechts war das Ufer) zeigten mir aber, dass ich nicht das Allerletzte war. Meine Devise war: Scheiß auf Technik, Konzentriere Dich nicht auf irgendwas, Zweieratmung und irgendwie durchkommen, nicht mehr und nicht weniger. Dann sah ich die ersten Badekappen der Folgewelle, aber die Wendestelle war gar nicht mehr so weit weg. Dann plötzlich auch blaue Kappen, die Vorwelle – YES.
An der Wende bin ich einen schönen Bogen geschwommen – Dekonfrontationsstrategie  und dann ging’s zurück. Es kamen immer mehr weiße, aber auch blaue Badekappen, und dann irgendwann die ersten schwarzen. Beim Schwimmen ist eines meiner Probleme, dass ich so überhaupt nicht weiß, ob ich – für meine Verhältnisse – gerade schnell oder langsam unterwegs bin. Auf die Idee an der Wende mal auf die Uhr zu gucken bin ich nicht gekommen, aber es gab ja andere Möglichkeiten. Was um mich rum so an blauen, weißen und schwarzen Badekappen unterwegs war, wann ich von welchen Kappen überholt wurde ließ darauf schließen, dass ich durchaus unter 1:30 bleiben könnte. Unter der Brücke – also 400 Meter vorm ausstieg, dann der Krampf in der linken Wade, der durfte ja nicht ausbleiben. Und dann – zum Ausstieg hin wurde es eng – man musste ein bisschen seine Position behaupten, aber zur Prügelei kam es nicht.
Es ist ja mitunter – bei mir immer – schwierig aus dem Wasser zu kommen. In Rothe stehen Helfer bis zum Bauch im Wasser und helfen einem raus.
IRRE!
Dann den Beutel gegriffen und ins Wechselzelt. Der Blick auf die Uhr zeigte 1:21 – nochmal IRRE!

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