Delivered – part 5

Da stand ich nun bzw. hing mehr am Geländer. Ein Moment des Alleinseins mit dem Schmerz und so langsam kam es hoch dieses Gefühl der Erfüllungsbefriedigung. Ich begann meine Umwelt und mich wieder wahrzunehmen.
Geschafft, gefinisht, delivered. Der Rest ist Beiwerk.

Um mich rum waren alle entweder übereuphorisch oder völlig fertig. Dazwischen gab’s nichts. Ich gehörte zu den Fertschen. Neben mir einer mit durchgestrichener Startnummer. „Are you disqualified?“ „No, eight minutes penalty!“
Das war eine meiner großen Sorgen: eine gelbe, schwarze Karte, Zeitstrafe oder gar Disqualifikation einzufangen. Schade, dass es keinen Fairplay Preis gibt! Ich habe immer mindestens 20 m Abstand nach vorne gehalten. alles in die dafür vorgesehenen Tonnen entsorgt, nicht wild in der Gegend rumuriniert – das war das schwerste dabei – niemanden behindert, alles erst und nur dort an- und ausgezogen wo es vorgeschrieben war usw.
Und da stand nun dieser 8 Minuten Zeitstrafen Vobestrafter neben mir und am Ende musste ich mir sagen lassen, dass er eigentlich 8 Minuten schneller als ich gewesen wäre – der Lutscher!

Aber alles das zählt nicht. Am Ende stehen nur noch Name, Platzierung, Zeit und sonst nichts. So emotionslos, nüchtern sieht es für den Außenstehenden aus und das wird der Sache nicht gerecht.
So langsam kam jetzt Stolz in mir auf.
Pain is temporary, proud is for ever!
Und ich genoss den Augenblick. Hinter der Ziellinie, 3,8 km geschwommen, 180 km Rad gefahren und dann noch 42 Kilometer (wir wollen auch hier nicht kleinlich sein) gelaufen. Ich hab’s geschafft, JA! Auf zum grünen Beutel…
Auch hier kein Anstehen, alles entspannt und ruhig, schon hatte ich meine Wechselsachen und dann ging’s in den Nachverpflegungsbereich. Dort habe ich erstmal einen Liter Cola getrunken und dann Buttermilch entdeckt. Warum eigentlich nicht? War doch jetzt egal, ob da im Verdauungstrackt was passiert. Rührkuchen? Esse ich eigentlich nicht, doch heute – warum nicht?! Mal sehen was es noch so gibt…
Ah, Laugenstangen, belegt. Bäh, da ist ja Aas drauf. Doch in Roth gibt’s ja die Helfer. „Kann ich bitte eine Laugenstange mit Käse und Gurke haben?“ „Viel Käse?“ „Ja!“ „Bitte!“ „Danke!“
Ich war da schon so an die Helferqualität gewöhnt, dass ich nicht mal überrascht war.
Mit der der Laugenstange habe ich mir dann einen ruhigen Ort gesucht und wieder mal die Atmosphäre beobachtet als wäre ich Außenstehender. Das müsste man eigentlich mal filmen. Wie sich die Leute wieder treffen, umarmen als kämen sie aus dem Krieg und freuten sich gegenseitig dass sie noch lebten. Dann die Geschichten, als wären sie im Krieg gewesen und hätten nur mit viel Glück überlebt.
Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass der Mensch oder zumindest manche Menschen so was brauchen. Und wenn es keine fremd gesetzten Bedingungen für Heldentaten mehr gibt, dann schafft man sich eine eigenen und Heldenlieder heißen heute Blogs.

Zeit zu duschen!
Doch wo sind die Duschen? Gleich am Ausgang! Also bin ich erstmal raus, dort habe ich Dirk und Silke getroffen, die auf ner Wiese rum lungerten und dann wieder rein, weil es war beim Ausgang der Zeilzone und nicht am Ausgang des Geländes. Auch Ausgänge sind sehr relativ und werden sogar manchmal zu Eingängen.
Das duschen hatte was durchaus bizarres. Es gab ca. 8 Duschräume, einer davon war den Frauen vorbehalten. Man entledigte sich also seiner Sachen und stellte sich an einem Duschraum an. Ich wählte den direkt neben der Mädchendusche, weil mir da das Risiko nackte Männerkörper zu berühren am geringsten erschien. Die Gelegenheit des Betrachtens durchtrainierter nackter Frauenkörper spielte dabei wirklich keine Rolle, wurde aber billigend in Kauf genommen.
Da stand ich nun in einer Reihe nackter Männer und wartete, dass eine der 4 Duschen frei werden würde. Gesprochen wurde über Trainingskilometer, Zeiten, Vorbereitungsschwierigkeiten – der übliche Sportlerjammersmalltalk also. Und dann regnete es – nein, es schüttete wie aus Kannen – und man drängte sich in den Vorraum. Jetzt lag das Risiko mit nackten Männerkörpern in Berührung zu kommen bei 100%. Doch es war zu spät aufs Duschen zu verzichten.
Die Duschen waren übrigens alle kalt. Ich denke mal, dass sich der Veranstalter gedacht hat, dass die Traumatisierung mit kaltem Wasser ja durchaus eine schmerzstillende Wirkung haben kann – darauf muss man erstmal kommen.

Das Anziehen ging dann auch ganz gut von der Hand und beim Rausgehen sah ich Jens, kurz noch mal gesetzt und dann raus zum Treffpunkt mit Michaela, Silke und Jens, zum Auto, zum Wechselgarten, Dirk hat die Räder geholt die wir dann ins Auto gekracht haben und dann ab Richtung Heimat, Abendbrot im Frankenwald und ich wurde sehr großzügig – Danke nochmal und das meine ich wirklich sehr ernst – zu Hause abgesetzt.

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