Koffer vom Scheunenhof geholt

In Nordhausen-Sundhausen gibt es einen Triathlon und als der Ort nicht schon für sich spräche nennt der sich auch noch Scheunenhof Triathlon.
Scheunenhof – darauf muss man erstmal kommen genial! Ein Wort, dass erstmal unauffällig ist, wenn man aber mal intensiv nachdenkt: Welche Scheune hat denn einen Hof und selbst wenn, wer redet über den Hof vor oder an der Scheune? Niemand, also gibt’s das Wort – auch wenn es wie eine sinnvolle Zusammensetzung erscheint – eigentlich (im semiotisch/ontologischen Sinn) gar nicht. Das ist so ähnlich wie Bodenquirl, solange niemand irgendwas als Bodenquirl definiert hat darf ich das Wort (natürlich mit dem Q auf dreifachen Wortwert) in Scrabble nicht legen – zumindest bei den Scrabblefundamentalisten mit denen ich mitunter spiele und die nur mit mir spielen um ihren Fundamentalismus so richtig raushängen lassen zu können. „Scrabblefascho – ist nicht zulässig!“ „Wieso denn nicht? Ist doch ne Gattungsbezeichnung!“

Also, zurück zum Scheunenhof, bzw. erstmal hin. Dank der Nachkriegsautobahn A38 ist man ja – bei (natürlich!) umweltverträglicher, entspannter Fahrweise in nicht mal anderthalb Stunden in Nordhausen und der Scheunehof ist dann in unmittelbarer Autobahnnähe. Sonntags früh ist die Autobahn leer und wenn ich Autofahren nicht wie die Pest hassen würde wäre die Fahrt fast entspannt geworden.

Entspannt ist ein Adjektiv das den Scheunenhof Triathlon recht gut beschreibt. Entspannte Anfahrt, entspanntes Parken, entspanntes Einchecken – Halt, da war doch was…
Ich hatte mich mit Dirk zum check-in verabredet und war schon durch die Kontrolle durch als ich bemerkte, dass ein wirklich dicker Mann (BMI mindestens 30) an Dirks Rad rummoserte. Nun sind wir ja so, dass wir nicht auch nur ein Teil an unseren Rädern hätten das es bei Lucky Bike oder gar im Baumarkt zu kaufen gäbe. Aber von uns allen hat dirk da am meisten investiert und die wenigsten Kompromisse bei den Komponenten gemacht (wenn man Campa nicht als Kompromiss sieht). Dieser dicke Mann hing nun auf dirks Lenker rum und fand, dass die Vorderradbremse zu wenig zieht.
Dirk so: das ist nun mal Carbon
Dicker so: muss trotzdem richtig greifen
ich so: die hat Steffen Dörfer, einer der besten Radmechaniker Leipzigs eingestellt
Dicker so: solche Typen kenne ich
ich so: außerdem ist er damit schon zig Rennen gefahren
Dirk so: wollt Ihr mich jetzt nicht starten lassen, oder was?
Der Dicke hat dann Großzügigkeit bewiesen – der war aber wirklich der einzige Unentspannte den ich dort getroffen habe.

Die Vorstartphase ist ja bei mir inzwischen fast zur Routine geworden und schon standen wir am See und ich hatte so gar keine Lust. Das ist oft normal und manchmal kommt die Lust dann beim Laufen, aber beim Schwimmen gewann die Unlust immer mehr Oberhand. Kein Wassergefühl (ich weiß nicht was das sein soll, schreibt man aber immer so, wenn das Schwimmen Scheiße gelaufen ist), Magengrummeln, übermüdet (Sonntag früh 5:30 Uhr aufstehen – muss das sein?), keine Orientierung, kein Rhythmus, kein nichts.

Dementsprechend fand ich mich dann ziemlich schnell am ende des Schwimmerfeldes wieder und da bleib ich auch. Zum Glück geht ja aber auch das beschissenste Schwimmen relativ schnell vorbei und in der Wechselzone hörte ich dann den Satz „So zehn bis zwölf Räder stehen jetzt noch in der Wechselzone“ – na super!
Das hat mich nicht gerade motiviert bei der Wechselzeit rauszuholen was rauszuholen ist und gemütlich machte ich mich dann auf die Radrunden. Es waren fünf Runden á 18 Kilometer zu fahren. Flache Strecke, ein paar kurvige Passagen, weitgehend Asphalt und Wind. Irrer Wind!!! Als mich der Wind das erste Mal so richtig erwischte wäre ich fast im Graben gelandet. am Schluss hatte ich mich dann aber das Gefühl auf gerader Strecke in Schräglage zu fahren gewöhnt.
Noch auf der ersten Runde die Überrundung durch Christian Ritter, damit hatte ich gerechnet und das war ok. Wie immer konnte ich auf dem Rad nur homöopathische  Postionsverbesserungen vornehmen und zu allem Überfluss wurde ich auch noch von Dirk überrundet.
Es ist zwar ok, wenn man 90 km Rad unter 3 Stunden fährt, aber physiologisch muss da bei mir mehr drin sein. Im Winter geht’s mit dem Zeitfahrrad auf die Rolle!!!

Das Laufen war dann auch wieder ok und auch wieder unter meinen Möglichkeiten, mit der Laufform ist’s ja ohnehin nicht so weit her. Zumindest energetisch hat aber alles gepasst und eine neue Halbdistanzbestzeit ist’s auch geworden (was nun nicht so schwer war).
Damit ist diese Triathlonsaison für mich beendet und  jetzt wird sich ein bisschen auf den Frankfurt Marathon vorbereitet.

Nächstes Jahr ist die sub 5 auf der Halbdistanz fällig und der Scheunehoftriathlon steht wahrscheinlich auch wieder auf der Wettkampfliste.

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