Wem die Stunde gezählt wird

„Am 12. ist Stundenschwimmen, da müsst Ihr hin!“ hat die Trainerin gesagt. Hören und gehorchen, nicht nachdenken, Anweisungen folge leisten, ohne fragen und klagen, ohne wenn und aber. Das ist das Prinzip des Trainings in unserer Trainingsgruppe. Na ja, ein schwarzes Schaf muss es überall geben und so waren vier von fünf und die Trainerin am Start beim Stundenschwimmen.

Jens und ich waren in denselben Lauf und auf dieselbe Bahn eingeteilt worden. Im Vorfeld haben wir uns natürlich in den Ergebnislisten informiert was da so geschwommen wird. Wenn Gisela (Jahrgang 1926!) wieder teilnehmen würde – und Gisela nimmt immer teil – sollte der vorletzte Platz zwischen Jens und mir entschieden werden. Damit könnten wir beide sehr gut leben.
Als dann die Bahnbelegung kam hatten wir es – laut Planvorgabe (Jens und ich hatten jeweils 2.700 m als Ziel angegeben) – sogar auf Bahn 5 geschafft (Bahnen nach Leistungsfähigkeit aufsteigend: 1, 5, 4, 2, 3). Das sah nicht so schlecht aus. Auf unserer Bahn waren noch Rennee Gehrke und Hartmut Halang – also ein junges Mädchen und ein Rentner – gemeldet, so dass wir uns gut eingeteilt fühlten. Renee zog es vor erst gar nicht zu kommen und Hartmut sagte uns gleich vorm Start, dass er vor hatte uns vorbei zu lassen. Dann ging alles ganz schnell und ich sprang vom Rand ins Becken um sofort die Bahnführung zu übernehmen. Nicht, dass ich das so wollte oder geplant hätte, aber irgendwie hat sich das so ergeben.
Am Anfang, die ersten zwei bis drei Bahnen, kann man noch halbwegs sehen wie man so steht und ich konnte feststellen, dass auf den anderen Bahnen gar nicht so viel schneller geschwommen wurde. Es deutete sich an, dass es wohl doch nicht zu erwarteten Blamage kommen würde. Allerdings war auch zu sehen, dass ich gegen die Angeber auf Bahn vier, mit ihrer demonstrativ vorgeführten Rollwende, beim Wenden immer einen halben Meter einbüßte.
Vielleicht sollte ich die Rollwende doch mal richtig lernen?!

Die Zeiten wurden zwar angesagt, aber ich hörte so gar nichts und nutzte hin und wieder die Wende nicht nur zum Ausruhen, sondern auch um mal auf die Uhr zu schielen. Die Zeit verging am Anfang überhaupt nicht, hatte ich das Gefühl. Beim Schwimmen versuchte ich immer schön darauf zu achten, dass meine Arme lang werden, ich nicht zu weit nach innen greife, den Kopf nicht zu weit aus dem Wasser reiße und nicht all zu sehr mit meinem Knackarsch wackle. Ganz schöne geistige Anstrengung, die man da vollbringen muss.

Die zweite Hälfte war dann kurzweiliger, allerdings hatte ich so überhaupt keine Vorstellung davon wieviel ich schon geschwommen war, war auch egal, weil nicht wirklich irgendwie großartig zu beeinflussen. Und so langsam ließ auch der Komfort nach. Die rechte Schulter tat ein bisschen weh und bei den Wenden konnte ich mich immer entscheiden: abstoßen und Krampf, oder nicht abstoßen. Ich entscheid mich für mal so und mal so. Aber prinzipiell hätte es so noch eine ganze weile länger gehen können.
Und plötzlich hörte ich dann auch die Zeitansagen. Na ja, ich hörte sie nicht wirklich, sondern nur, dass jemand was rief. Und dann rief er was schnell hintereinander, was nur 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 heißen konnte und beim Schluss war ich genau an der 12,5 m Marke.
Dann raus und gleich mal bei den Zählmeistern nachgefragt. Zweitausendneunhunderfünfundsiebzig wurde gesagt. Wahnsinn!!! Allerdings waren sie beim Zählen mal in der Spalte verrutscht und es waren nur 2.875 und ich hatte die 12,5 m nicht mit angegeben. Aber egal, auch mit 2.875 Metern in einer Stunde kann ich mehr als sehr gut leben. Der Halbstundentest, der ja erst wenige Wochen zurück liegt, hätte maximal eine Strecke von 2.690 Metern zugelassen. Jens war mit seinen 2.68x Metern auch sehr zufrieden und so war alles gut.

Julia war noch in schnell in Lauf 2 reingerutscht und durfte mit Silke, Maria und einer Handballerin auf der EINS (siehe oben) schwimmen, André war mit zwei anderen auf der drei.
Und dann haben wir das erste Mal Julia schwimmen sehen. Eine Offenbarung! Bisher dachten wir ja immer, dass Silke eine nahezu perfekte Technik hat. Da hatten wir ja aber auch nur den direkten Vergleich zu uns, der nach wie vor stimmt. Aber Julia, scheiß die Wand an!!!
André braucht 25 Züge für die Bahn und man sieht ihm an wie viel Mühe er sich gibt, wie er kämpft. Julia braucht 15(!) Züge für die Bahn und das sieht so völlig mühelos aus. Keine Ahnung wie das gehen kann.
Der Kampfrichter war auch ganz verzweifelt, dass da jemand so schwimmt die er nicht kennt. Aber dem Man konnte geholfen werden.
Jens und ich saßen inzwischen im Aufenthaltsbereich, tranken Kaffee und genossen die Show. Julia gewann Lauf zwei ganz deutlich mit über 4,4 Kilometern, André (die zweite Hälfte dann ohne Brille) und Silke lieferten mit jeweils 3,3 Kilometern die erwartete Leistung ab.

Im dritten Lauf konnte nur Eric Michel mit 4,5 Kilometern Julia überbieten. Aber in der B-Note war Julia Welten besser. Schön war auch das Synchronschwimmen von Heiko und Stefan zu beobachten. Vier Kilometer Kopf an Kopf.

Spaß hats gemacht und ein neuer fester Termin in meinem Wettkampfkalender ist gefunden. Beim Schwimmen geht’s nun deutlich vorwärts und natürlich konnte ich mir nicht verkneifen mal eine Prognose für 3,8 Kilometer zu erstellen. Das wären dann eine Stunde und 20 Minuten geworden, so ungefähr. Nicht schlecht so ohne Neo und mit Bremswenden…

 

2 Gedanken zu „Wem die Stunde gezählt wird

  1. Halang, Hartmut

    Hallo,
    durch Zufall fand ich deine Web-site im Netz.Wer bist du eigentlich? Offensichtlich ein Allround-Sportler, kein spezieller Schwimmer. Hast den Bericht prima geschrieben und dir sogar meinen Namen gemerkt!
    Was „erlebte“ ich so beim Wettkampf? Ich muß vorausschicken, dass ich Post-Sportler bin und 3x/Woche 2000m in 55 min. trainiere. Diesen Wettkampf machte ich erstmalig mit. Sonst schwimme ich nur noch Sprints, das ist bei meinem Alter (74) auch besser. Hier schwamm ich wie beim Training, je 100 m Brust, Kraul, Rücken, nicht überhasten, dass die Puste reicht. Ich zähle ja immer mit und so wußte ich genau, wo ich war! Als ich die 2000m Marke knackte, war ich erst mal froh, dass ich mich nicht gar so blamiere! Meine 2315 m reichten mir dann auch, ohne dass ich mehr fertig als zum Training war.
    Ich lasse beim Training auch immer schnellere vor und fand es fair, hier das auch zu tun! Und wir drei kamen ja auch ganz gut aus. – Mein Sport dient nur dazu, um sich fit zu halten, große Leistungen sind sowieso vorbei. – Aber dein Bericht gefiel mir.
    Dir und deinem Kumpel alles Gute!
    Hartmut – 4.12.2011

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  2. cp Artikelautor

    Hallo Hartmut,

    vielen Dank!
    Ja, wir sind sehr gut auf unserer Bahn miteinander ausgekommen. Das hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass es solchen Spaß gemacht hat.
    Dass ich in 25 Jahren, dann bin ich 74, noch schaffe eine Stunde zu schwimmen, ist eines meiner Ziele. Dass dabei dann mehr als 2 Kilometer rauskommen, da habe ich starke Zweifel.
    Wir sind übrigens Läufer die sich seit diesem Jahr auch am Triathlon versuchen. Schwimmen hat sich dabei von der unbeliebten, aber leider dazu gehörenden Disziplin soweit entwickelt, dass wir sogar am Stundenschwimmen teilnehmen, wenn die Trainerin es sagt.
    Ich bin sehr gespannt wie das weiter geht mit mir und dem Schwimmen und ob wir uns (spätestens) nächstes Jahr wieder sehen.

    Bis dahin viele Grüße

    Carsten

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