Obesity Obsessions

Bei Silvesterläufen kann man eigentlich nur verlieren. Der Lauf findet mitten im Nichts statt, in dem Teil der Saison der nicht mal off season ist. Über die Adventszeit hat man am Masseaufbau gearbeitet und die eine Woche hat nicht dazu gereicht, dass man seinen BMI wieder auf ein anständiges Niveau bekommt (obesity obsessions). Es sei denn man ist verbittert und verbiestert, vom kranken Ehrgeiz zerfressen, dann hat man selbst Weihnachten auf Ernährung und planvolles Training geachtet.

Der coole, hang loosige Typ bekommt also beim Silvesterlauf das direkt proportionale Verhältnis von Waagenausschlag und Laufleistung um die Wampe gehauen, der Streber heimst einen Erfolg ein, den er dann in der nächsten Saison um so bitterer bezahlen muss.

Mein persönlicher Trainingsschwerpunkt liegt zur Zeit auf body shaping. Da ich mir ja als Unterwäschemodel ein zweites berufliches Standbein aufbauen will muss ich noch ein bisschen an den wenigen Problemzönchen, die niemanden außer mir auffallen können, arbeiten. Aber mich stört es nun mal extrem wenn auch nur ein Muskel bei mir nicht voll ausdefiniert ist, auch wenn es sich ausschließlich um sehr tief sitzende Muskeln handelt die nur mit sehr teuren Spezialgeräten sichtbar gemacht werden können. Was nutzt die perfekte Fassade, wenn man weiß, dass das Parkett im Keller eine 0,05 x 0,0142 nm breite Spalte hat?

Und obwohl ich genau wusste, dass ich bloß verlieren kann stand ich wieder mal an der Startlinie vom Silvesterlauf.

Mit mir hier standen viele Bekannte und Unbekannte da und irgendwie beschlich mich die Angst dazu zu gehören. Doch dann ging es schon los und ich war erstmal damit beschäftigt mein Tempo zu finden und darauf aufbauend bei der Organisation einer Gruppe mitzuwirken. Ganz vorne ging’s irrsinnig ab, streckenrekordverdächtig (wie ist der überhaupt?). Dahinter ging’s immer noch voll ab und dann waren wir da schon, geschätzt gar nicht soweit von Platz 10 (bis dahin bekommt man Sekt und so) entfernt wie ich gehofft und befürchtet hatte. Bestandsaufnahme: Gregor, Gernot – passt -, Meister Schlieder kassiert – passt -, der amtierende Marathonlandesmeister(hoch4) – ok -, Marcus – ziemlich neu in der Gruppe, mal sehen ob er das halten kann – und ein paar andere. Dann kam Marc vorbei und ich dachte mir, da kann man doch mal ein Stück mitlaufen, Gernot fragte noch „willst Du da mitgehen?“, aber da wars schon zu spät.
Hatte doch dann letztlich wieder gut geklappt mit der Gruppenbildung. Ich leif schön im Windschatten der großen Schattenspender, das Tempo passte, die Luft war etwas knapp (asthmafeindlichen Bedingungen und zuviel gequatscht auf dem ersten Kilometer) aber im wesentlichen fühlte ich mich wieder irgendwie so als würde ich dazu gehören.

Marc nutzte den Silvesterlauf zu Karsten Schubert Gedenkintervalllen. Mal 200 Meter schnell, dann wieder in der Gruppe, dann wieder bisschen schneller, dann wieder Gruppe und so weiter. Irgendwann, so ungefähr nach 6 Kilometern waren dann die Lücken da. Gernot hatte eine Lücke auf Marcus und Marc und ich eine Lücke zu Gernot. Mut zur Lücke!!!
Gernot ließ sich dann zu mir zurückfallen, wahrscheinlich war ihm genauso fad wie mir, beim gemütlichen Dahinjoggen, während auf den Positionen vor und hinter uns verbissen und verbiestert um jeden Platz, jede Sekunde gekämpft wurde.
Warum können nicht alle sein wie wir?
Ja, und so liefen wir dan breite an schmaler Schulter ins Ziel und schon war wieder ein Silvesterlauf vorbei.

Mit 37:45 ist, wenn man dem Asics Frontrunner Scoreboard vertrauen darf – was ich natürlich uneingeschränkt tue, meine relativ beste Laufleistung 2011 rausgekommen. Damit ist klar, dass ich beiden(!) ganz oben genannten Gruppen angehöre und gleichzeitig locker und verbissen drauf bin. Nun gut!
Und dann wurde auch noch das Kaffeetrinken von einem Oberproll unterminiert, das war eine große Herausforderung an die weitere konsequente Einhaltung eines eigengewaltfreien Lebens.

Zu Hause dann im Briefkasten der Brief von Asics, die Jury war sich einig, ich bin auch nächstes Jahr Asics Frontrunner. Na dann…

2 Gedanken zu „Obesity Obsessions

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