Säuleneiliger

Wenn man durchschnittlich 60 bis 80 Stunden pro Woche arbeitet bleibt keine Zeit für Sport.
Das kann man so sagen und stehen lassen und würde meistens damit durchkommen, auch wenn es totaler Blödsinn ist. Die Zeit war nicht wirklich das Problem, dass ich dieses Jahr trainiert habe wie einer von diesen „in meiner wenigen Freizeit treibe ich Sport“ Schaumschläger. Woche für Woche habe ich mindestens 10 Stunden mit solchen Tätigkeiten wie Fernsehen, an die Decke starren, selbst Bemitleiden, mit Politik beschäftigen, am Arsch kratzen, Philosophieren, Sublimation und Nichtsublimation usw. verschwendet.
Da wäre genügend Zeit gewesen in Topform zu kommen. 
 Bei einem meiner Lieblingshalbmarathons, ist ja schließlich auch ein Asics Event, war nun mal Tiefpunktüberprüfung angesagt. Dass es zu einer Zeit unter 1:20 bei weitem nicht reicht und eine Zeit über 1:30 auch nicht mit extremen Trainingsmangel zu entschuldigen ist war schon mal klar. Blieb eine Toleranz von zehn Minuten, oder ein Kilometerschnitt zwischen 3:50 und 4:15 pro Minute. Damit war klar, es wird mit 4er Schnitt los gelaufen, eigentlich wie immer wenn ich nicht oder wenig trainiert habe.
Vorher noch Roland, Jörg, Holger, Nancy, Lars und Erik getroffen, der dann gleich mit mir losgelaufen ist, das übliche Vorgeplänkel fühlte sich noch gewohnt an. Das Jammern vorm Wettkampf ist wie Schlittschuhlaufen, das verlernt man nie, wobei ich nicht sicher bin, dass ich noch halbwegs Schlittschuhlaufen kann, jammern – zumindest – klappt noch ganz gut.
Und ab ging’s. Schön mit 3:50er Schnitt losgelaufen und dann knapp unter 4er Schnitt eingepegelt. Man, ich kann’s ja noch, dachte ich mir so und es fühlte sich schön locker an. Irgendwann lief ich dann auf Katja auf, die deutlich erste Frau war, kurzer Schwatz, kurz zusammengelaufen, doch dann war ich ihr zu schnell und ich fühlte mich immer noch gut. Ein paar Kilometer habe ich mich dann mit einem Mitläufer in der Führung abgewechselt, das Feld war schon ziemlich weit auseinandergezogen. Man ich hab’s ja noch voll drauf, dachte ich mir so, wozu trainieren. Bei Kilometer 13 dann ein leichtes Seitenstechen das sich sehr schnell zum Gesamtbauchschmerz ausweitete. Die gleichen Symptome wie voriges Jahr in Hamburg. Oh mann, was für Schmerzen. Vielleicht sollte man doch trainieren?!
Also, Tempo rausnehmen und mit 4:30er Schnitt durch Halle schleichen. Katja kam wieder vorbei, damit war klar ich würde nicht erste Frau werden. Bei Kilometer 18 ließen dann die Schmerzen langsam nach, dafür war ich jetzt am Ende. Selbst das „der nicht!“ hatte nicht die geringste Auswirkung auf meine Laufleistung.
Schließlich schleppte ich mich mit 1:27 ins Ziel, was mir Dirk – völlig zu Recht – immer wieder unter die Nase reibt. Soweit ist es schon gekommen, da muss man sich von einem supra 12 Stunden Triathleten Zeiten um die Ohren hauen lassen…
Im Ziel dann kleines Frontrunner Treffen mit Kathrin, Falk (ist zwar kein Frontrunner, aber wir dulden ihn), Wolfram, Fabian (der einen phantastischen Landesrekord M40 gelaufen ist – 68 Minuten), Holger und Erik. Schön war’s sch mal getroffen zu haben.
Bei uns alten Männern reichen ja schon 1:27 für einen dritten AK Platz, die Stunden bis zur Siegerehrung vergingen zwar nicht wie im Flug, sie vergingen aber und für ein Jack Wolfskin Visor nimmt man das ja auch sehr gerne in Kauf. 
Ich hoffe, dass es jetzt endlich wieder richtig los geht, denn so weiter gehen kann es nicht. Wenn die drei Säulen meines Lebens nicht gleich hoch und stark sind kann ich nicht in meiner Mitte sein.
Wer nicht in seiner Mitte ist ist verrückt und ich will es schaffen mich selbst zurechtzurücken.

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