Zurück auf dem Schlachtfeld

Nach fast einem Jahr hatte ich mal wieder Lust ein bisschen schneller zu laufen. Immer mit 4:30 bis 4:45 min/km durch die Gegen zu joggen ist zwar entspannend und nett, aber irgendwie auch nicht so richtig spannend.
Der Mitteldeutsche Marathon ist ja eine Asics Frontrunner Frontrunner Veranstaltung und nebenbei auch noch die Veranstaltung auf der ich mit Jens 2002 meinen ersten Marathon gelaufen bin (4:22 – nicht min/km, nein Stunden:Minuten), ist um die Ecke und wird vom besten deutschen Läufer aller Zeiten und vom besten aktuellen deutschen Läufer (mit)veranstaltet.
Doch so völlig ins Blaue hinein wollte ich in Halle nun doch nicht laufen. So bot es sich an den Tauchschen Stadtlauf mal mitzunehmen. Da war ich noch nie gelaufen, Start war Freitagabend und der ist ja noch mehr um die Ecke. Apropos Ecke, selten so eine kantige Strecke erlebt, aber das war nicht mein Problem. Ich kam ganz gut vom Start weg und es lief so richtig locker. Die Vorwettkampfroutine ist ja völlig weg und dementsprechend hatte ich meine Uhr vergessen, also keine Ahnung wie schnell ich war. Als Kontrollfreak eine Katastrophe, aber es sollte ja bloß ein Test sein, also locker bleiben. Apropos locker, nach ca. 1,5 Kilometern merkte ich dann, dass mein Schnürsenkel am linken Fuss nicht nur locker, sondern offen war. Also bei der nächsten Parkbank ausgeschert und erstmal:
Erst das eine Hasenohr, dann das andere Hasenohr, Häschen hoppelt um den Bau herum, in den Bau hinein – und fertig ist die Hasenschnute.
Dann wieder eingereiht und plötzlich war ich in der Gruppe von dem einen Thomas.
„Was laufen wir denn für ein Tempo?“
„3:50“
„Man ist das langsam!“
Also die Gruppe Gruppe sein lassen und zum anderen Thomas aufgelaufen.
„Was laufen wir denn für ein Tempo?“
„3:49“
„Man ist das langsam!“
Aber da hatte ich schon keine Lust mehr und bin einfach in dem Tempo weiter gerannt, Kurve um Kurve, bis ich ca. bei Kilometer 6,5 bemerken musste, dass mein Schnürsenkel schon wieder offen war. Doch da dachte ich mir: die restlichen 3,5 Kilometer kannst Du nun auch noch mit offenem Schuh laufen. Gesagt, getan. Beim Runden Durchlauf gesehen, dass ich für die letzen 2,5 Kilometer knapp unter 10 Minuten laufen muss um noch unter der Joggergrenze zu bleiben und dann letztlich in 39:48 eingelaufen.
Dann stand erstmal Schuhe binden als Schwerpunkt auf dem Trainingsplan. 

Was ich wirklich so gar nicht vermisst habe sind die Sportsfreunde die sich, aus welchen Gründen auch immer, vorne hinstellen. Wenn man nicht unter 37 Minuten laufen kann hat man in den ersten Reihen einfach nichts zu suchen! In Taucha war das schon unangenehm aber in Halle noch schlimmer. Dementsprechend musste dann mal wieder jemand den Asphalt vermessen (ohne Beteiligung von mir). Aber es kann doch nicht sein, dass man sich jedes mal die ersten paar Hundert Meter durchdrängeln muss. Falls das einer der Vornehinsteller liest: das tut Euch mehr weh als mir, ich habe spitzere Knochen.
Aber irgendwann hatte sich das dann gegeben und ich konnte mal verstohlen auf die Uhr blicken – 3:38 und es fühlt sich locker an, nicht schlecht.
Auf der Hochstraße bin ich dann auf Sandra aufgelaufen und habe ihr meinen Windschatten (der mit meinen zur Zeit 64,5 kg so groß wie lange nicht sein müsste) angeboten. So richtig geholfen hat ihr das wahrscheinlich nicht, ich vermute, dass ich auch noch zu ungleichmäßig laufe, aber auf alle Fälle war das eine Gruppe mit einem ganz guten Tempo und ich war sicher, da ich ja sehr defensiv lief, dass ich den einen oder anderen noch hinter mir lassen würde.
Doch dann, ca. bei Kilometer 6,5 hatte ich auf einmal einen stechenden Schmerz hinten im Oberschenkel – Scheiße!
Gut, offensichtlich der Muskel gezerrt. Warum das erst nach 20 Minuten passier, keine Ahnung, aber kein Grund aufzugeben. Es tut zwar weh, aber wenn ich ein bisschen Tempo raus nehme ist es gerade noch so auszuhalten.
Ich joggte nun also.
Eigenartigerweise wurde ich aber gar nicht von so vielen Läufern überholt. Die Gruppe war zwar inzwischen ohnehin gesprengt, aber ich hatte mich – entgegen dem Plan – nach hinten abgesetzt und ausschließlich mit mir und nicht mit irgendwelchen Zeiten und Platzierungen zu tun.
Wahnsinn wie lang 3,5 Kilometer sein können, wenn man nur zehn laufen wollte. Es fühlte sich an wie bei einem üblen Marathon. sobald ich versuchte etwas schneller zu laufen wurden die Schmerzen so stark, dass ich kurz aufschreien musste. Aber man ist ja ein Mann und beißt sich durch. Kurz vorm Ziel wurde ich noch übersprintet (Zielgassensprinter gehen auch so gar nicht), dann war’s endlich vorbei und ich konnte mich auf eine Physioliege krachen.

Am Ende war es dann eine 37:49 und ein AK Sieg – nicht schlecht, insbesondere für die 30 bis 40 lockeren Wochenkilometer die ich trainiert habe.
Im Ziel dann noch mit Sandra, Lutz und Fabian ein kurzes Frontrunnertreffen gemacht (Lisbeth hatten wir leider nicht entdeckt). Kurz Falk (Danke noch mal für’s Durchschleusen bei der Anmeldung) zu seiner 65 auf dem Halbmarathon gratuliert und dann war’s auch schon wieder vorbei.
Wettkämpfe werde ich jetzt wohl wieder hin und wieder machen…

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