Da wurde ich mal so richtig schön eingelegt

Läufer an die Community: „Der Orthopäde hat mir Einlagen verschrieben.“
Community an den Läufer: „Mach das bloß nicht!!!“ #Aufschrei

Soweit so richtig. Die meisten Orthopäden und fast alle Orthopädieschuhtechniker haben so überhaupt keine Ahnung, dass es Menschen gibt die freiwillig 100 und mehr Kilometer pro Woche laufen und verstehen deshalb auch nicht was diese Menschen wirklich für orthopädische Probleme haben und wie man denen beikommen kann.
Doch glücklicherweise gibt es Ausnahmen.
Wenn man zum Orthopäden kommt und ihm erzählt, dass man ein Problem damit hat nach 15 km lockeren Trabens den Kopf nicht mehr bewegen zu können wird man nicht mit ernsthafter Anteilnahme und engagierter Diagnosetätigkeit rechnen dürfen. Zu recht!!!
Zum Orthopäden kommen normalerweise Menschen mit wirklichen Problemen. Da geht es um Schmerzen im Alltag die nur noch mit starken Drogen auszuhalten sind, das Ersetzen von Gelenken, starke Bewegungseinschränkungen, also richtige orthopädische Probleme.
Und zwischendurch diese überambitionierten Hobbyläufer die unbedingt ein MRT gemacht haben wollen weil das Knie beim Joggen weh tut. Die blockieren einfach nur Sprech- und Wartezeiten der Kranken um die sich ein Arzt ja eigentlich kümmern sollte.
Insofern kann ich es sehr gut verstehen, dass der Orthopäde dann einfach sagt: „Sie sollten Einlagen tragen!“ und ein Rezept ausstellt.
Mit diesem Rezept geht man dann zu einem Orthopädieschuhmacher der die Einalge so herstellt, dass die Fehlstellung des Fußes korrigiert wird. Kann helfen, muss es aber nicht und tut es meistens auch nicht.
Man kann aber mit diesem Rezept (oder auch ohne- wie ich) zu jemanden gehen der sich so richtig auskennt. Und das habe ich dann einfach mal gemacht.
Bei Orthovital in Markkleeberg habe ich mich mit Manuel König von Footpower getroffen. Im Vorfeld gab es einigen Austausch mit Manuel und so wussten wir beide was auf uns zu kam.
Theoretisch war ich von dem ganzheitlichen Konzept sofort überzeugt. Es geht nicht einfach um eine Einlage die meinen Senk-, Knick- und Spreizfüßen samt formidabler Überpronation  entgegen wirkt, sondern vielmehr darum vom Fuß aus die Körpermeridiane sensomotorisch zu beeinflussen und damit mittel- bis langfristig mich- soweit möglich- aus meiner Schieflage zu befreien.
Ich finde, dass das einleuchtet, Jeder Mensch läuft irgendwie schief. Und je mehr man läuft um so schiefer läuft man. Irgendwann kommt man dann in derartige Dysbalanzen, dass man z.B. nach 15 km lockeren Laufens nicht mehr in der Lage ist den Kopf zu bewegen (mal ganz abgesehen von den übrigen Wehwehchen). Und da hilft eben nur ein Durchbrechen des Teufelskreises.
Also auf nach Markkleeberg!
Als erstes wurde ich von einem Fachteam begutachtet und dabei wurden auch die Füße sehr gründlich abgetastet und durchgeknetet. Die Hüfte fällt rechts ab. Arthrose im großen Zehengelenk rechts und dann das rechte Knie: „Oh mein Gott!“
(Wenn ich mich flach, mit ausgestreckten Beinen, auf den Boden gesetzt habe hat meine Faust unter dem rechten Knie ganz locker durchgepasst. Und das bei einer Beinstreckung die schon ziemlich schmerzhaft war).
Dann folgte die Laufanalyse mit Kameraaufzeichnung. Manuel: „Du kannst mir nicht erzählen, dass Du 42 Kilometer läufst!“ Das hört man gern, erhöht es ja die eigene Leistung (oder den eigenen Wahnsinn- je nach Betrachtung). Ich hatte sechs paar getragene Laufschuhe dabei. Auch die wurden begutachtet und der Abrieb analysiert.
Dann wurde weiter vermessen und die Abdrücke gemacht.
Einige Tage später konnte ich die Einlagen abholen und anprobieren. Nun war es an mir „Oh mein Gott!“ zu sagen. Unvorstellbar damit auch nur gehen zu können, geschweige denn zu rennen. Aber das war mir schon angekündigt worden.
Also, Augen zu und durch. Und so schlimm waren die Schmerzen nun auch nicht.
Die ersten Tage hatte ich die Einlagen nur im Büro an, nach drei Tagen dann auch im normalen Alltag und am fünften Tag habe ich einen Lauf über 6 Kilometer gewagt. Es fühlte sich noch sehr ungewohnt an, ging aber.
Eine Woche später war Nachkontrolle. Inzwischen hatte ich die Laufstrecke schon auf 10 Kilometer steigern können und es fühlte sich immer besser an.
Wieder Laufanalyse und ein Vorher- Nachher-Vergleich. Bilder sagen mehr als 1.000 Worte! Die Hüfte knickte nicht mehr so ab und mein linker Fuß- vorher völlig instabil- war fast unauffällig.
Es gab dann auch noch professionelle Beratung zu Kräftigungsübungen und Hausaufgaben für die physiotherapeutische Abteilung.
Das ist nun auch schon wieder fast zwei Wochen her.
Inzwischen laufe ich alle meine GA1 Läufe (und das sind zur Zeit fast alle Läufe) mit den Footpower Einlagen. Ich spüre sie noch, sie stören aber nicht mehr. Letztens habe ich mich bem Laufen, von jemanden der meinen Stil wie niemand anderes kennt, beobachten lassen. Fazit: Das Wackeln nach rechts und links scheint eine geringere Amplitude zu haben, vor allem aber sieht mein ganzer Lauf jetzt wesentlich runder und gleichmäßiger aus als vorher.
Wieder mal eine Geschichte die ich schon vor Jahren hätte machen sollen, wusste es aber nicht besser.
Schön ist auch, dass ich jetzt mit Claudia Beyer bei Orthovital eine Anlaufstelle für meine Füße in der Nähe habe die weit über das hinausgeht was ich bisher erleben durfte.
Und Riesendank an Manuel von Footpower, dass er mich überzeugt hat!!!
Nachahmung sei eigentlich jedem Läufer empfohlen. Idealerweise bevor es soweit kommt wie bei mir.

P.S.
Habe gerade noch einen Test gemacht. Bei ausgestreckten Beinen schaffe ich es nicht mehr zwei Finger unter meinem rechten Knie durchzuschieben.

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