InTeam

Team Marathons haben ihre eigenen Gesetze und die Probleme gehen schon lange vor dem Wettkampf los. Drei Läuferinnen oder Läufer zu finden, die sich auf eine Zeit einigen können ist an sich schon ein Problem. Doch auch die individuellen Risiken die jeder in der Vorbereitung und beim Wettkampf haben kann verdreifachen (wenn man mal alle kombinatorischen Überlegungen weg lässt) sich dadurch.


Ich denke, dass ich eher zum Optimismus als zum Pessimismus neige. Beides ist nicht gut- das ist mir klar- trägt es doch immer das Potenzial der sich selbst erfüllenden Prophezeiung in sich. Der einzig wahre Weg ist es nur und ausschließlich im Hier und Jetzt zu leben. Die Vergangenheit ist nicht mehr zu ändern und die Zukunft, selbst das Erleben derselbigen, ist ungewiss. Die Vergangenheit hinter sich zu lassen und abzuhaken ist vergleichsweise einfach im Vergleich zum Entwurf die Zukunft einfach auf sich zu kommen, geschehen zu lassen.
Und wenn man mit dem Gedanken spielt an einem Team Marathon teil zu nehmen geht das schon gar nicht. Da muss man sich lange vorher „committen“ und hat ab diesem Moment nicht mehr nur die Verantwortung für sich selbst.
Als ich- ich im Überschwang- für den Brandenburger Team Marathon zugesagt hatte („Zielzeit 2:55!“) war ich mir noch ganz sicher, dass das kein Problem werden würde. Das Tempo geht immer, in der Vorbereitung noch drei bis vier lange Läufe und schon wird das eine relativ lockere und sichere Sache. Doch wieder mal- warum passiert mir das eigentlich immer wieder?- hatte ich die Rechnung ohne den Wirt (meines Gehirns) gemacht. Aus den drei bis vier geplanten langen Läufen wurden genau NULL.
Alle Bemühungen mich zu ersetzen und das Team vor einer Blamage zu bewahren scheiterten und so wurde ein Start schließlich unausweichlich. Es war nun auch nicht so, dass ich Ronald und Chrische nicht gewarnt und ausführlich über meinen Trainingszustand informiert hätte. Aber irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass sie sich auf meine Qualen freuen würden. Obwohl,… schließlich waren wir dann ja ein klassisches Team Marathon Kollektiv. Für Einen ist das alles ganz locker, Einem ist das angestrebte Tempo zu schnell (Ronald) und Einem die Strecke zu weit (mir). Wie immer im Leben musste ein Kompromiss her und das Bestmögliche abgeschrieben werden.
Wichtig ist ja immer, dass man sich gleich am Anfang auf ein Tempo einigt. Dabei gewinnt immer die langsamste Ansage. Für uns lag die bei 4:20/km. Klar ist auch, dass man sowieso schneller angeht, dann sich gegenseitig versichert, dass es zu schnell ist um anschließend das Tempo keinesfalls zu verringern.
Wir fuhren mit sechs Teams nach Brandeburg an der Havel und trugen damit nicht ganz unwesentlich zum Teilnehmerrekord von 48 Teams bei. Beim Team Marathon in Brandenburg sind sechs Runden um den Gördensee zu laufen. Eine schöne Strecke auf Waldwegen, also genau nicht mein Ding, als Straßenläufer. Aber eine gute Gelegenheit mal meine ASICS GEL-FUJI PRO im Wettkampf einzusetzen (http://asicsfrontrunner.runnersworld.de/drupal/content/asics-gel-fuji-pro).
Beim Start, der durch die Oberbürgermeisterin durchgeführt wurde, haben wir noch eine Schweigeminute für einen Brandenburger Läufer, der auf einen Trainingslauf gestorben ist, eingelegt. Das gibt zu denken…
Wir haben uns gleich an die Spitze des Feldes gesetzt und sind, wie zu erwarten war, im 4:10er bis 4:15er Schnitt gelaufen. An der Wendestelle hatten wir so in etwa eine knappe Minute Vorsprung vor unserer zweiten Mannschaft.
Läuft!!!
Die Strecke war nicht schwer zu laufen, aber auch keine Autobahn. Alle größeren Wurzeln, und das waren verdamm viele, waren pink angemalt, ein Sinnbild für die sehr liebevolle Organisation- Danke!!!
Die ersten drei Runden liefen völlig unspektakulär:
– 30:29 (4:13/km) – da wren die 195 Meter mit dabei
– 29:43 (4.12/km)
– 29:51 (4:13/km)
Damit hatten wir so gar einen kleinen Puffer für eine sub 3 heraus gelaufen.
Ich hatte vorher in einer Mail angekündigt:

Für Brandenburg bin ich sicher, dass ich 21 km locker in 4:10 laufen kann, bis 28 wahrscheinlich einigermaßen durchkomme, aber keine Ahnung habe was dann passiert.
Ich kann also nicht garantieren, dass Ihr mit mir das Ding sicher und locker gewinnt.Wenn Ihr mich also ersetzen möchtet, dann habe ich kein Problem damit.Solltet Ihr dennoch mit mir laufen wollen müsst Ihr notfalls auch mit Gehpausen und einer Zeit von über einer Stunde für die letzte Runde rechnen.

Bis 28 bin ich dann tatsächlich einigermaßen durchgekommen (30:07, 4:16/km) und wir hatten immer noch Puffer. Doch heißt das so gar nichts. Bis Kilometer 28 ist der Marathon noch gar nicht richtig los gegangen. Aber eigenartigerweise lief auch die fünfte Runde besser als erhofft (31:00, 4:23/km) und uns wurde was von 15 Minuten Vorsprung zugerufen. Und jetzt fing er wieder an, dieser Kampf: Geist gegen Körper. Eigentlich war ich am Ende und konnte nicht mehr laufen. Doch ein Team macht den Kopf stärker und in Führung liegend ist die Lust doch größer als irgendwo mitten im Feld zu laufen. Also alles zusammen gekniffen was zusammen gekniffen werden konnte und KÄMPFEN!!!
Die letzte Runde ging dann mit 33:10, 4:42/km weg, aber da zählte schon nur noch der Sieg. Und der wurde es dann auch relativ sicher in 3:04:20, allerdings mit nur noch fünf Minuten Vorsprung auf unsere zweite Mannschaft. Und auch in der Mix-Wertung konnten wir einen Doppelsieg einfahren.
Ergebnisse
Nach dem Zieleinlauf bemühten sich auffällig viele Helfer um mich. Dabei fühlte ich mich gar nicht so schlecht. Es gibt schlechtere Gefühle als das einen Marathon zu gewinnen und wahrscheinlich habe ich das mehr gespürt als meinen Körper, der- wie offensichtlich auch mein ganzer Rest- völlig am Ende war.
Schön war’s und ich „committe“ mich schon mal jetzt für 2016 auf eine 2:55.

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