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Mitteldeutscher Marathon 2015

Es lief nicht schlecht (was ausdrücklich nicht heßt, dass es gut oder gar optimal lief) in der Vorbereitung. Der Halbmarathon im Rahmen des Mitteldeutschen Marathons sollte ein erster Test für das MRT (Marathon-Renn-Tempo) werden.

Ich mag den Mitteldeutschen Marathon. Ich bin dort meinen ersten Marathon gelaufen. Er ist ganz in der Nähe, man sieht jedesmal den Doppelolympiasieger im Marathon Waldemar Cierpinski und es ist eine von Asics unterstützte Veranstaltung.
Voriges Jahr um die Zeit hätte ich mir nicht vorstellen können einen Halbmarathon zu absolvieren. Dieses Jahr sah ich da keine Probleme. Eigentlich.
Zwei Wochen und sechs Tage zuvor…
Ich war auf meinem morgendlichen Jog ins Büro und ich hatte noch ca. 200 Meter vor mir als ich plötzlich über eine nach oben stehende Gehwegplatte stolperte  und flach auf dem Fußweg aufschlug. Ergebnis waren nicht nur aufgeschlagene Knie und Ellenbogen, sondern auch eine Innenbandzerrung am linken Knie (Innenband deshalb, weil die Kreuzbänder, die eigentlichen Verantwortlichen, schon so ausgenuddelt sind dass sie sowieso kaum noch was halten).
Das ist ja an sich nicht schlimm und ich hätte auch weiter trainieren können, tat aber so weh, dass ich nicht so rechte Lust zum Training hatte. Und pharmazeutische Unterdrückung von Schmerz, nur um weiter trainieren zu können, habe ich mir abgewöhnt.

Also stand ich mit Trainingsrückstand, aber perfekt getapt, an der Startlinie. Ziel war es mit einem Tempo so um die 3:55/km loszulaufen und dann ab Kilometer zehn austrudeln zu lassen. Eigentlich wollte ich, trotz Trainingsrückstand und immer noch ziemlich schmerzendem Knie, an dem Plan festhalten. Eigentlich…
Doch dann war dann auch noch dieses Wetter. Nass, kalt und windig. Also ziemlich genau das Gegenteil von “meinem Wetter”. Aber nun war ich schon mal da und überhaupt.
In Halle erfolgt der Start über 10 Kilometer und den Halbmarathon zusammen. Dementsprechend hatte ich Hoffnung auf eine größere Gruppe und ich reihte mich so in etwa in der fünften Reihe, ausreichend weit hinter Asics Frontrunner Kollegen Falk Cierpinski und Fabian Borggrefe, ein. In Halle war es bisher immer so, dass sich das Feld nach ca. einem Kilometer, auf der Hochstraße zu ordnen beginnt. So auch diesmal. Anstieg, Gegenwind, kalt und Regen. Genau das Gegenteil von “meinem Wettkampfbedingungen”.  Aber nun war ich schon mal da und überhaupt. Ich widerhole mich jammernd…
Der erste Kilometer war mit 3:57 völlig in Ordnung, zumal es da am Anfang ca. 600 Meter tendenziell eher hoch ging. Dafür ging dann der zweite Kilometer nach unten und mein Tempo auch. Hing ich in einer Gruppe war es mir zu langsam, hing ich im Wind wurde ich zu langsam. So fett wie ich im Moment merke ich schon sehr deutlich, wenn ich- bei einer geschätzen Windstärke vier bis fünf- frontal gegen den Wind anlaufen muss. Bis Frankfurt müssen nach wie vor noch mindestens drei Kilo runter.

Ein Plan ist nur dann gut wenn er sich dynamisch den Umständen und Gegebenheiten anpasst. Das einzige Gewisse ist, dass das die Zukunft ungewiss ist und es damit reiner Zufall ist wenn ein Plan gelingt. Ich habe gelernt, dass der einzige Weg zum Glück führt über das Loslassen führt. Also ließ ich mal einfach los. An diesem Tag bei dem Wetter und nach der Vorgeschichte war es nicht sinnvoll stur daran festzuhalten die ersten zehn Kilometer in einer tiefen 39 (wie wir Profis eine Zeit unter 39:30 und über 39:00 bezeichnen, manche sagen auch flach) zu laufen.

Also weiter nach und mit Gefühl.

Irgendwie überhole ich beim MDMHM immer Katja so ungefähr bei Kilometer fünf. Sie überholt mich dann irgendwann zurück. Das einzig Ungewisse dabei ist wann sie an mir vorbei zieht.
Inzwischen lief ich schon ein ganzes Weilchen mit Alex (nein, nicht dem Probst). Komische Sache! Er hatte einen Facebook Kommentar von mir kommentiert und kurze Zeit sind wir uns mal in real über den Weg gelaufen. Stichwort: „Stünzer Park“. Die Wege des sich Kennenlernen haben sich geändert. Ist das gut so? Ich weiß es wirklich nicht. Aber auf alle Fälle ist es schön, dass wir uns kennen gelernt haben.
Kilometer zehn dann mit 40:23 (Alex hatte sich längst abgesetzt). Im Prinzip ok, damit kann ich was anfangen, darauf kann ich aufbauen.
Das Austrudeln lief dann auch nicht so schlecht. Ich nahm das Tempo auf um die 4:10/km runter und hatte das Gefühl ewig so weiter laufen zu können. Auch der Anstieg zur Burg (nicht die „von der …“, sondern die „… Giebichenstein“) kam mir diesmal gar nicht so lang und steil vor.
Und bei ungefähr Kilometer 17 kam dann endlich Katja. Und ich dachte mir, warum nicht das restliche Stückchen zusammen laufen. Und das taten wir dann auch. (So richtig sicher bin ich mir nicht, dass das Katja auch so recht war und die drei Satzanfänge mit Und hintereinander sind als stilistisches Stilmittel bewusst gewählt)

Am Ende stand dann eine 1:27:33 auf der Uhr (wie wir Profis eine gelaufene Zeit geben bezeichnen), 28. Gesamtplatz, vierter Platz in der Altersklasse. Manchen sein Ganzes. Also wollen wir mal nicht meckern, schon gar nicht mit mir selbst. Das Tempo sollte ich dann, wenn nicht noch was passiert, in Frankfurt über die doppelte Strecke bringen können. Allerdings hoffe ich, dass noch was passiert und ich am Ende nicht mit einer 2:55 zufrieden sein muss. Am Ende werde ich mit jeder Zeit in Frankfurt zufrieden sein, nur zufrieden sein müssen will ich nicht müssen. Jedes Rennen ist am Ende ein perfektes Rennen. Ich freue mich auf den Frankfurt Marathon.

 

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