Pausenverlängerung

Wettkampfergebnisse die mir so peinlich wären, dass ich mich in den Boden schämen würde (gilt für AK M55 und weitgehend flache Strecken):
10k > 00:42:00
HM > 01:30:00
MA > 03:10:00
Und weil’s so ist laufe ich jetzt erstmal wahrscheinlich sehr lange keine Wettkämpfe mehr.

Im November war ich so übermütig zu versuchen eine Bücherkiste anzuheben. Ergebnis: Hexenschuss, acht Wochen überhaupt kein Training möglich. Nach acht Wochen kam dann die Erkältung mit der ich mich bis heute rumschlage. Dennoch wollte ich am Samstag ein kleines Läufchen wagen und tat das dann auch. Es fühlte sich zugleich ungewohnt und vertraut an. Die Atemwege sind zwar immer noch deutlich in Mitleidenschaft gezogen, aber ich wollte ja auch mehr traben als laufen. Und so joggte ich so vor mich hin bis ich auf drei dieser Neuzeit Mütter stieß. Standen direkt an der Weggabelung, die Brut zu ihren Füßen, die Kinderwagen geschickt so aufgestellt, dass der ganze Weg versperrt war und tief ins Gespräch vertieft. Wahrscheinlich ging es gerade um die Beantwortung hoch wichtiger Menschheitsfragen, zumindest um Themen die ein komplettes Abschotten von der Außenwelt nötig machten.
Unmittelbar vor dem unvermeidlich scheinenden Aufprall wurde ich- ein Wunder- dennoch wahrgenommen und eine Lücke, gerade so groß, dass ich durch passte, wurde sehr widerwillig aufgetan.
Doch, genau in dem Moment als ich mich durch diese Lücke, diese entsetzliche Lücke quetschte fiel es einem dieser umweltignorierenden Wänster ein in eben diese zu rennen.
Also sprang ich über’s Kind und rollte mich ab. Als ich dann so da lag, auf dem Rücken, ein Bein auf der Steinmauer und ziemlich stolz auf mich war, dass das Abrollen immer noch ganz gut klappt, obwohl meine Judo Karriere schon vor 35 Jahren beendet wurde, fragte die Mutter doch tatsächlich ob etwas passiert sei. Natürlich ist etwas passiert sagte ich. Trotz aller Abrollkunst ließ sich natürlich nicht vermeiden mit irgendwelchen Körperteilen relativ harten Asphalt-Kontakt bekommen zu haben. In diesem Fall waren es der rechte Ellenbogen und das rechte Knie (das bitte merken, ich werde gleich darauf zurückkommen müssen).
Jedenfalls kam dann eine Bemerkung in der Art, dass ich selbst (sie hat wahrscheinlich selber gesagt) Schuld sei. Daraufhin merkte ich an, dass es ja nicht zwingend notwendig gewesen wäre  beide Wege zuzustellen, woraufhin eine Schimpftirade/’Schimpftriade auf mich einbrach. Aus meiner Mitte gebracht raffte ich mich auf, sagte bloß noch „blöde Kühe“ (manchmal vergesse ich leider sowohl meine Erziehung als auch meine Mitte- Entschuldigung dafür, bitte) und machte mich wieder auf den Weg.
Durch eine Stern Kolumne, vor ein paar Wochen von Meike Winnemuth ist „entitlement“ zu einer meiner neuen Lieblingswörter geworden. Diesen einseitigen Anspruch auf Rücksichtnahme stelle ich immer wieder bei Eltern mit kleinen Kindern, dort nochmal vermehrt bei Spätgebärenden, Behinderten, Hundebesitzern, Läufern und alten Menschen (so ab meinem Alter) fest. Ich möchte in einer Gesellschaft leben in der der Stärkere den Schwächeren schützt. Ich möchte aber auch in einer Gesellschaft leben in der jeder auf jeden Rücksicht nimmt. Von dieser Gesellschaft(s-Utopie) entfernen wir uns nach meiner Wahrnehmung immer weiter. Doch das ist ein völlig andres Thema.
Bis auf ein paar Abschürfungen schien nichts passiert zu sein.
Der Weg führte einen leichten Anstieg hinauf und von ganz oben geht’s dann in einer scharfen Biegung nach unten. Eine Biegung mit Kopfsteinpflaster, leicht nass. Ich rutschte ein bisschen weg und dann passierte es. Mein rechtes Knie ist das Knie mit den ausgenuddelten Bändern und der stärkeren Arthrose. Da es nun durch den Sturz davor offensichtlich angeschlagen war, versagte es den Dienst und hakte mal eben kurz aus. Diesmal war nichts mit Abrollen und ich schlug mit dem Kopf hart auf dem Boden auf.
Zum Glück kann ich mich ja unmittelbar nach so einem Bändervorfall (ich zähle da nicht mit, aber 50 waren es bisher sicherlich) noch ca. 30 Minuten bewegen und auf den Kopf bin ich auch nicht das erste Mal gefallen. So kam ich wenigstens noch nach Hause und dort sind Kühlakkus sowieso immer verfügbar.
Die Beule am Kopf ist inzwischen kaum noch zu sehen nur das Knie wird mir wohl die nächsten sechs Wochen (Minimum) keine große Freude machen. Aber wenn wieder alles gut ist, dann suche ich mir einen Wettkampf raus und trainiere drauf. Es sei denn, es passiert wieder was, dann wird wieder aufgeschoben und in der M60 gibt’s dann neue Peinlichkeitsgrenzen.

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